Komplexe antike Stadtanlage in der Türkei entdeckt

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Archäologen der Universität Bern haben in Sirkeli Höyük, im Südosten der Türkei, eine bronze- und eisenzeitlichen Stadtanlage entdeckt. Sie umfasst über 80 Hektaren und dürfte damit eine der grössten bekannten Siedlungen dieser Periode des Landes sein. Verschiedene bemerkenswerte Funde unterstreichen die Bedeutung der antiken Stadt, bei der es sich sogar um das als Kultort bekannte Kummanni handeln könnte.

Blick von Norden auf die Ruinenstätte des Sirkeli Höyük mit Zitadelle sowie Unter-, Ober- und Vorstadt. © Institut für Archäologische Wissenschaften der Universität Bern, Projekt Sirkeli Höyük
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Blick von Norden auf die Ruinenstätte des Sirkeli Höyük mit Zitadelle sowie Unter-, Ober- und Vorstadt.

Jüngste Grabungen des schweizerisch-türkischen Partnerprojekts in Sirkeli Höyük haben spektakuläre Erkenntnisse hervorgebracht: Das Team entdeckte eine ausgedehnte Unterstadt mit dichter Wohnbebauung sowie eine Oberstadt, die auf zwei Bergrücken liegt und in deren Zentrum sich eine Nekropole mit Kammergräbern befindet. Projektleiter Mirko Novák vom Institut für Archäologische Wissenschaften der Universität Bern erklärt: «Zusammen mit extramuralen Werkstattbereichen und einer Vorstadt, die sich auf der gegenüberliegenden Seite des Ceyhan (Pyramos) erstreckt, bilden diese städtischen Bereiche eine für Kilikien, für die Nordlevante sowie für Südanatolien bislang einzigartig komplexe, 80 Hektar grosse Stadtlandschaft, die strukturell an die hethitische Hauptstadt Ḫattuša erinnert.»

Blick von Westen auf den Zitadellenhügel mit zwei Grabungsbereichen, links im Bild die mittelalterliche Burg Yılan Kale. © Institut für Archäologische Wissenschaften der Universität Bern, Projekt Sirkeli Höyük
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Blick von Westen auf den Zitadellenhügel mit zwei Grabungsbereichen, links im Bild die mittelalterliche Burg Yılan Kale.

Antiker Städtebau unter der Lupe

Gemäss Novak waren sowohl die Unter- als auch die Oberstadt von einem doppelten Stadtmauerring und einem Graben umgeben, der auch die Zitadelle – eine kleine in sich abgeschlossene Festung auf dem eigentlichen Hügel, die bereits seit längerem bekannt war –, mit einfasste. Sirkeli Höyük bietet somit einen faszinierenden Einblick in die Städteplanung der frühen Antike, und diese bildet denn auch einen der Forschungsschwerpunkte Novaks und seines Teams. Wir wurde die Region Kilikiens urbanisiert? Wie war die antike Grossstadt in Vorderasien strukturell aufgebaut?

Ausgrabungen fanden aktuell an verschiedenen Stellen in der Stadt statt. In der Unterstadt wurden die aufwändigen, aus grossen Steinblöcken gefertigten Mauern der Stadtbefestigung sowie das mit Steinplatten gepflasterte Osttor aus dem frühen 1. Jahrtausend untersucht. An der Aussenfassade des Tores fanden sich Spuren einer Belagerung, die vermutlich vom assyrischen König Salmanasser III. (858–824 v. Chr.) stammen und somit ins Jahr 835 v. Chr. datieren dürften.

Sagenumworbener Kultort entdeckt?

Im Nordosten der Zitadelle sind zwei Felsreliefs angebracht – eines zeigt den hethitischen König Muwattalli II. (1290–1272 v. Chr.). Oberhalb der Reliefs erstreckt sich ein Bauwerk, das offenkundig dem Ahnenkult diente und in dem sich die Abrollungen von Siegeln mit luwischen Hieroglyphen aus dem späten 2. Jahrtausend fanden. In einem weiteren Steinbau im Nordwesten des Zitadellenhügels kam das aus Stein gefertigte Gesicht einer menschenförmigen Kompositfigurine zu Tage.

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Gesichtsdarstellung einer Kompositfigur. 

Die bemerkenswerteste Entdeckung erfolgte indessen in einem weiteren untersuchten Bauwerk auf dem höchsten Punkt der Zitadelle: In einem verhältnismässig kleinen Raum lagen die Skelette von mindestens drei Schafen neben einem Podest. Auf und neben den Tieren waren mehrere vollständige, zum Teil bemalte Keramikgefässe deponiert. Offensichtlich handelt es sich bei diesem Fund um die Reste einer rituellen Handlung. «Sämtliche dieser Erkenntnisse stützen die Annahme, dass es sich bei der antiken Stadt um das als Kultort bekannte Kummanni handeln könnte», mutmasst Novák.

Bei der antiken Stadt könnte es sich um das als Kultort bekannte Kummanni handeln.

Mirko Novak
Mirko Novak, Institut für Archäologische Wissenschaften der Universität Bern

Kummanni, das ist ein in Quellen belegtes kulturelles Zentrum der Antike, dessen Lage bislang im Dunkeln liegt – verständlich also, dass die Vermutung, das verschollene Kummanni gefunden zu haben, hohe Wellen schlägt. «Sogar die türkische Nachrichtenagentur Anadolu hat unsere Ausgrabungsstätte besucht und darüber berichtet», so Novák. Die neusten Forschungsergebnisse werden vorerst in «Schriften zur Vorderasiatischen Archäologie» veröffentlicht, und die Welt blickt weiterhin gespannt in die Türkei, während die Archäologen das Geheimnis Sirkeli Höyüks zu entschlüsseln versuchen. (mgt/lfr)

Das Forschungsprojekt in Sirkeli Höyük

Sirkeli Höyük ist eine bronze- und eisenzeitliche Fundstätte 40 Kilometer östlich von Adana im antiken Kilikien. Die schweizerisch-türkische Expedition in Sirkeli Höyük steht unter der Leitung der Universität Bern, gefördert wird das Forschungsprojekt vom Schweizerischen Nationalfonds und vom türkischen Kulturministerium. Bereits vor Beginn der schweizerisch-türkischen Ausgrabungen galt Sirkeli Höyük als einer der grössten bronze- und eisenzeitlichen Orte Kilikiens, einer kulturgeschichtlich immens bedeutsamen Region an der Schnittstelle zwischen der Levante (Syro-Mesopotamien), Zypern und Anatolien.

Das Team vor Ort besteht aus 35 Forschenden und Studierenden sowie 50 lokalen Arbeitskräften. Die wissenschaftlichen Tätigkeiten vor Ort finden im Grabungshaus mit entsprechender Einrichtung statt, das sich in einem stillegegten Bahnhof der berühmten «Baghdad-Bahn» direkt im Bereich der Ruinenstätte befindet und zum 2017 eröffneten Archäologischen Park von Sirkeli Höyük gehört. Dieser umfasst neben dem Forschungszentrum auch ein Besucherzentrum, Felsreliefs sowie zwei weit auseinanderliegende Grabungsstellen. Der Park leistet nicht nur einen Beitrag zur touristischen Erschliessung des Ortes, sondern auch zur Information der lokalen Bevölkerung. Durch die Einbeziehung der Ortsansässigen in die Arbeiten kann ein breiteres Bewusstsein für die Bedeutung von Kulturstätten und die lokale Geschichte entwickelt werden, welches für den Erhalt des Kulturerbes wichtig ist.