Frankfurter Osthafen: Ein Bug aus Glas von Barkow Leibinger

1907 hatte das Tiefbauamt von Frankfurt am Main geplant, auf dem Molenkopf des Osthafens einen Turm zu bauen. Daraus sollte nichts werden: Nachdem ein Wettbewerb für Architekten aus der Region veranstaltet und ein Siegerprojekt gekürt worden war, verschwand das Bauvorhaben in der Schublade. 

Grund dafür mag der Erste Weltkrieg gewesen sein. Mehr als ein Jahrhundert später gibt es wieder ein Projekt für den exponierten Ort. Auch dieses Mal ist ein Turm vorgesehen: Ein 60 Meter hohes Gebäude, in dessen unteren zwölf Etagen eine internationale Hotelkette einziehen soll, in den oberen Geschossen sind Gästezimmer – wie das Hotel im gehobenen Preissegment – vorgesehen. Dass der Turm im Vergleich zu den übrigen Hochhäusern der Umgebung eher unspektakulär ausfällt, liegt am benachbarten Wolkenkratzer der Europäischen Zentralbank (EZB). Man habe für den einzigartigen Standort einen Entwurf gesucht, der einerseits eine «kraftvolle architektonische Ikone» etabliere, sich andererseits aber «raffiniert und respektvoll» zwischen Brücken und Landmarks einbette, so Juryvorsitzender Kees Christiaanse. Am besten ist dies dem Berliner Büro Barkow Leibinger gelungen, das nach eigenen Angaben «keinen weich umspülten Flusskiesel, sondern eine starke, selbstbewusste Bugspitze» auf dem Molenkopf realisieren will. Die Architekten haben einen markanten Glasbau entworfen, der von weitem tatsächlich an einen Schiffsbug erinnert. Die Kaifläche am Wasser bleibt der Öffentlichkeit vorbehalten und erweitert so den Hafenpark beim Hotel.

Das Bauvorhaben ist Bestandteil eines grösseren Projekts: Auf dem Hansell-Dreieck, einer der grössten Brachen in der Nähe der der EZB, ist das «Hafenpark-Quartier» im Entstehen, mit voraussichtlich rund 600 Wohnungen sowie Büround Ladenflächen. Bereits Ende Jahr soll die erste Etappe stehen. Die Arbeiten am gläsernen Bug auf dem Molenkopf starten gemäss B+L Gruppe, die hinter dem Projekt steht, voraussichtlich im Frühjahr 2020. Läuft alles nach Plan öffnet der Hotelturm 2022 seine Pforten.

Ab hier ist dieser Artikel nur noch für Abonnenten vollständig verfügbar.

Anmelden mit Login

Sie sind noch nicht Abonnent und möchten den Artikel sofort lesen? Einen Einblick zu exklusiven Baublatt-Inhalten bietet unser kostenloses Probeabo für einen Monat.

Autoren

Chefredaktorin Baublatt

Ihre Spezialgebiete sind Architekturprojekte, Kultur- und Wissenschaftsthemen sowie alles Schräge, was im weitesten Sinn mit Bauen zu tun hat.

Tel. +41 44 724 77 21