Filmtipp: Andacht im Dämmerlicht der Mamorwände

Filmtipp: Andacht im Dämmerlicht der Mamorwände

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Teaserbild-Quelle: Formkurve92, CC BY-Piuskirche in MeggenSA 3.0, Wikimedia

Tagsüber leuchtet sie von aussen Marmorweiss. In der Nacht erinnert sie an eine Laterne und gibt ein sanftes, warmes Licht ab, wenn sie von innen beleuchtet wird. Vimeo-User ArcDog hat Franz Füegs Piuskirche in Meggen LU ein meditatives Video gewidmet.

Piuskirche Meggen | Franz Füeg from ArcDog on Vimeo.

Was von aussen als schlichter weisser Quader erscheint, fasziniert im Innern: Das Tageslicht dringt bei Franz Füegs Piuskirche in Meggen LU nicht durch Fenster ins Innere, sondern über ihre gerade mal 28 Millimeter dünnen Marmorwände. Sie tauchen Bänke, Altar und Taufstein  in ein sanftes, warmes Dämmerlicht. Gehalten wird der Marmor von Stahlstützen, die sowohl den Innenraum als auch die Fassade prägen.

Erbaut wurde das Gotteshaus zwischen 1960 und 1966; Es gilt als Architekturikone. Vom Stil her ist sie der Solothurner Schule verpflichtet, einer Gruppierung junger von Mies van der Rohe inspirierten Architekten aus der Schweiz, die die Architektur der 60er-Jahre am Jurasüdfuss nachhaltig geprägt haben. Neben dem Solothurner Füeg gehärten Fritz Haller, Max Schlup, Alfons Barth und Hans Zaugg dazu.

Dass Füeg die Kirche überhaupt bauen konnte, ist einem eigentliche einem Zufall zu verdanken. Man hatte ihn eingeladen, den Architekturwettbewerb für die katholische Kirche von Meggen mitzujurieren. Weil er lieber zur Teilnahme am Wettbewerb eingeladen werden wollte, sagte er Nein. Obwohl er mit seinem Vorschlag auf dem ersten Platz landete, bedurfte es Überzeugungsarbeit von höchster Stelle um das Projekt realisieren zu können:  Dem Pfarrer der Gemeinde passte der Neubau schliesslich, nicht aber dem Bischof von Basel. Dieser lehnte das Projekt aus liturgischen Gründen ab. Doch dann schaltete man den Vatikan ein, der die Einwände des Bischoffs entkräften konnte. (mai)