Ein geteiltes Meer mittels Quantenmechanik

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Visualisierung des Projekts «Ibiza Waves». (Quelle: anti__reality)

Die Wasserqualität in Europas Stränden ist gemäss Meeresbiologen mehr als schlecht. Diverse Küstenabschnitte gelten heute als gefährdet oder stark verschmutzt. Ein Start-up will das ändern. Das Projekt «Ibiza Waves» schafft saubere Meeresbuchten auf Zeit.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Bis zu den nächsten Sommerferien dauert es nicht mehr lange. Nach wie vor ein Renner in der Ferienplanung ist ein Aufenthalt am Meer. Doch die Strände sind überfüllt, oft sogar verschmutzt. Das innovative spanische Start-up «anti_reality» könnte eine Lösung bieten. Mit dem Projekt «Ibiza Waves» könnte das Jungunternehmen wie einst Moses eine Art Teilung des Meeres bewerkstelligen. Dabei halten Rühlwände die Brandung des verschmutzten Wassers zurück und schaffen damit Platz für Sonnenhungrige.

Nun ist bei der Suche nach neuartigen Materialien mit ausserordentlichen Eigenschaften für mannigfaltige Anwendungen ein Durchbruch gelungen. Dabei griffen die Entwickler auf Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung zurück. Ein bekanntes Phänomen bei der Quantentheorie ist beispielsweise, dass Teilchen gleichzeitig mehrere Zustände annehmen können. Grob gesagt wird der Quanteneffekt genutzt, um die Anziehungskräfte von Molekülen zu manipulieren. Laser funktionieren nach diesem Prinzip, und auch alle elektronischen Gadgets des täglichen Gebrauchs. Die Anziehung von Salzmolekülen lässt sich nun mit der Nutzung quantenmechanischer Kräfte gezielt steuern, sodass sie lokal und in bestimmten Medien wie beispielsweise Meerwasser in einem genau definierten Bereich eine starke polare Bindung aufbauen, was dazu führt, dass Salzionen fest in Kristallgittern eingebunden werden können.

Unter anderem sind die Salzkristalle dem Vernehmen nach mit Germanium dotiert, was die elektronische Ladung verändert und die Anziehungskraft um einen hohen Faktor steigert. Damit lässt sich die Wasserlöslichkeit von Salz überwinden. Der Clou: Es funktioniert auch im Meerwasser. Dass das möglich ist, konnten Wissenschaftler der weltweit wichtigsten Forschungsinstitute wie des MIT, der ETH oder japanische und chinesische Wissenschaftler anhand von länderübergreifenden Laborversuchen bereits zeigen. Als Resultat entsteht eine Art Salzsäule. Aneinandergereiht lassen sich auf diese Weise Scheiben konstruieren und auf unterschiedlichste Art formen.

Der neu zugängliche Strandabschnitt bietet gemäss dem Unternehmen weitere Vorteile: es gebe keinen Abfall in der neu erschlossenen Strandzone, es sei angenehm kühl und die Rühlwände würden sogar noch Sichtschutz bieten. Wie immer bei der Etablierung von Technologien mit disruptiver Wirkung gibt es Bedenkenträger. Das Projekt könnte ein Problem für die Fische sein, wie der Meeresbiologe José Emanuel Fuente warnt. Denn mit der weitläufigen Konstruktion verlieren die Meerestiere Teile ihres angestammten Lebensraums. Erste Versuche, wie man mit dem Problem umgehen will, sind bisher jedoch zufriedenstellend verlaufen, wie die Projektleiter beteuerten.

Zehn Meter pro Tag

Das Resultat der jüngsten Anwendung sind milchig-weissliche Scheiben. Zwanzig Zentimeter dick sind die glasartigen Rühlwände bei einer Testanlage in Spanien. Ein 3D-Roboter regt die chemisch-physikalischen Prozesse an und formt mittels additiver Fertigung die Salzwand. Bei jedem Durchgang kommt ein Teilstück von dreissig Zentimetern dazu, wobei wegen der Homogenität des Materials und einer mobilen Schalung keine Nahtstellen entstehen. Im gleichen Arbeitsschritt werden die Stäbe einen Meter tief im Meeresboden verankert. Insgesamt vier Meter hoch ist die Wand im Mittel. Wegen der Neigung des Meeresbodens sind die Teilstücke in Strandnähe kürzer als weiter draussen. Mit den bestehenden Maschinen, die ständig optimiert werden, schafft man pro Tag zehn Laufmeter. Damit die Salzwände dem Druck des Meerwassers standhalten, sind diese in wellenförmigen Linien angeordnet. Weitere Bewehrungen sind wegen des Kristallgitters nicht nötig.

Rund einen Monat dauert es, bis die Wände den Bereich des Meeres abgetrennt haben. Eine Wand von rund 200 Metern Länge ist dazu erforderlich. Danach wird die noch unter Wasser stehende künstliche Bucht unter Aufsicht von Meeresbiologen leergepumpt und für die Landnahme durch Touristen vorbereitet. Vorgesehen ist, bei der Versuchsanlage eine Fläche von der Grösse eines halben Fussballfeldes freizulegen. Ein Team von zehn Tauchern kontrolliert die Arbeiten, vier Schiffe überwachen den Verkehr auf dem Meer. Gesteuert wird der 3D-Roboter von sechs Spezialisten, die an Land in einem Container sitzen. Momentan wird im Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr gearbeitet.

Meerwasser eignet sich hervorragend, weil Salz darin gleichmässig verteilt ist. Der Rohstoff ist zudem im natürlichen Medium in grossen Mengen vorhanden. Transportwege erübrigen sich. Auch grössere Areale oder lange Passagen könnten gemäss Angaben der Firmengründer dereinst erschlossen werden, beispielsweise um Touristen die Möglichkeit zu bieten, die Inseln im Ferienparadies von Key West vor der Küste Floridas auf dem Fussweg zu erreichen. Aber das ist Zukunftsmusik.

Eröffnung im Sommer, Finanzierung läuft

Vorerst konzentrieren sich die Gründer mit all ihren Kräften auf die Testanlage. Wenn der Zeitplan eingehalten werden kann, wird diese im Sommer zu Versuchszwecken dem Publikum präsentiert und Early Adapters können sich erstmals in der Anlage tummeln. Den Bau des Prototypen finanzieren die Unternehmer aus eigenen Mitteln. Hinzu kommen namhafte Beiträge aus den Gruppen Family, Friends and Fools, wie die Amerikaner den Kreis risikowilliger Geldgeber zu nennen pflegen. Doch für die Markterschliessung braucht es zusätzliche Mittel. Geplant sind deshalb Finanzierungsrunden im Rahmen von Crowd-Funding. Angedacht ist auch ein Börsengang.

Der Weltmarkt für Ferienanlagen dieser Art wird auf 20 Milliarden Dollar geschätzt. Ein Hauptmarkt dürfte China werden, dessen hoffnungslos überfüllte Strände mit dem zunehmenden Wohlstand des Mittelstands seit nunmehr drei Jahrzehnten einer sauberen und umweltgerechten Lösung harren. Kontakte zum chinesischen Tourismusministerium bestehen bereits. Auch die spanische Regierung will das Start-up unterstützen. Patente für die weltweit einzigartige Konstruktion sind in den wichtigsten Märkten bereits angemeldet worden, wie «anti_reality»  mitteilt.

Mit der weitläufigen Konstruktion verlieren die Meerestiere Teile ihres angestammten Lebensraums.

Meerebiologe José Emanuel Fuente.
José Emanuel Fuente, Meeresbiologe

Künstliche Intelligenz „All Inclusive“

Mit ins Boot geholt haben die Gründer des einmaligen Tourismusprojekts auch das Partnerunternehmen All-4-Wishes-Solutions AWS, das sich auf dem europäischen Markt im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) bereits einen Namen gemacht hat. Ausgerüstet ist das AWS-System mit Gesichtsscannern. Diese erkennen anhand der Mimik automatisch, wann die Ferienlaune zu kippen droht und der nächste Drink fällig ist. Zur Prozessoptimierung von Ferienflirts werden im Rahmen des All-Inclusive-Angebots auch Daten von Brain-Scannern ausgewertet. Kleinste Veränderungen in der Gemütslage der Gäste werden registriert und in Verhaltensempfehlungen umgewandelt. Dann werden optional zu befolgende Anweisungen direkt auf die App geladen, ein Autopilot für die Balz sozusagen. Der Bedienroboter ist auch auf die Funktion eines Barista programmiert. Er unterstützt Vergnügungshungrige und spendiert nach eingehender Analyse der Sachlage auf Basis der Daten aus der Cloud schon auch mal Mixed Drinks. Passend zum Ambiente könnte es ein «Blue Lagoon» sein.

Ein Hot Spot soll die Funbucht auch für Influencer werden, die vor Ort Tipps zu allen Lebenslagen geben wie zur Body Definition oder zum pekuniären Subtext von Dress-Codes. Angesagt ist momentan, die klassische Spendierhose sehr eng zu tragen, very cozy. Der Convenience verpflichtet ist allgemein das Bezahlsystem auf dem neustem Stand der Blockchaintechnik. Kreditkarten und Bargeld braucht es in der Freizeitoase nicht mehr. Ohnehin verführt Bargeld zu Spontankäufen gefälschter Markenartikel, die an den Stränden vertickt werden. Zu Hause bereut man dann den Deal.

«Barista» greift ein

Die ausgeklügelte Software des Unternehmens erkennt aber auch, wann es sich bei Personen um Abstinenzler handelt oder wenn sie zu viel Alkohol intus haben. Ansätze eines schläfrigen Blicks oder unkoordinierte Bewegungen interpretiert die KI nach einem Abgleich mit den Cloud-Daten als eindeutige Anzeichen eines zu hohen und der Ferienstimmung abträglichen Alkoholpegels. Dann greift die Barista-Applikation ein und lässt – getreu dem Motto «Health is Wealth» – bittere Federkohl-Smoothies mit Kamillenteeextrakt servieren und verdonnert fehlbare Rüppel zu einer Lektion Hatha-Yoga. Exzesse und Ramba Zamba wie am Ballermann will man nicht. Die Anlagen sollen Ferien der feineren Art in ruhigen Wohlfühlzonen der gehobenen Klasse ermöglichen.

Aufbau jeweils für eine Saison

Allerdings eignet sich eine solche Anlage nicht als Besucherzone für ein Freiluftaquarium, denn die innovativen Rühlwände sind materialbedingt selbstverständlich nicht durchsichtig. Fischen beim Schwimmen zusehen, kann man somit nicht. Das schränkt die Nutzung ein, wie Tourismusexperten bemängeln. Ein weiteres Problem ist, dass die Wände nur eine beschränkte Nutzungsdauer haben. Sie sind zwar stabil genug, um eine Zeitlang der Kraft des Meeres zu widerstehen, doch ist das Baumaterial Zersetzungsprozessen ausgesetzt.

Auf knapp ein halbes Jahr ist die Nutzungsdauer der Salzwände ausgelegt, dann lösen sie sich innerhalb von vier Wochen von selber wieder auf wie Zucker im Kaffee. Deshalb müssen die Wände jede Saison wieder neu aufgebaut werden, was hohe Kosten verursacht. Ein Umstand, der potenziellen Investoren den Schweiss auf die Stirn treibt. Doch an Europas Stränden dauert die Ferienzeit meistens sowieso nur sechs Monate. Und so lange halten auch die Rühlwände. Danach präsentiert sich der Strandabschnitt wieder in einem Zustand, als wäre nichts gewesen. Bis zur nächsten Saison. Und die beginnt bekanntlich vielerorts am ersten April. (sts/pb/mgt)

Hoffentlich haben wir Sie nicht auf die Palme gebracht:
April, April von der Baublatt-Redaktion! :-)

Diese Meldung ist frei erfunden. Die Visualisierung von «anti__reality» ist allerdings echt: Der Instagram-User widmet sich ausgefallenen Fantasie-Projekten und haucht ihnen mit kreativen Visualisierungen Leben ein. Auch das Sujet «Water Plaza» – das hier für unsere Scherzmeldung hinhalten musste – gehört zu seinen Kreationen. Weitere Werke gibt es in unserer Bilderstrecke unter: baublatt.ch/antireality