Pixel für den Denkmalschutz: Diesen Bauten in den USA droht der Abbruch

Teaserbild-Quelle: NetCredit
Pixel für den Denkmalschutz?

Mit kreativen Pixel-Illustrationen bedrohte Bauwerke in den Fokus rücken. Diese Idee steckt hinter einer Bilderserie, die NetCredit auf ihrer Webseite veröffentlicht hat. Hinter den verspielten Grafiken verstecken sich Gebäude in den USA, denen der Abbruch dräut.

Die Vereinigten Staaten weisen nicht nur eine grosse Vielfalt an Klimazonen auf, sie blicken auch auf eine reiche Migrationsgeschichte zurück. Entsprechend vielfältig sind auch die Kulturen, die sich im Laufe der Zeit im «Land der unbegrenzten Möglichkeiten» niedergelassen haben und ihre Spuren in Form von verschiedensten Gebäuden und Architekturen zurückliessen.

Die Anzahl historischer Gebäude in Amerika ist dementsprechend gross. Viele davon sind bereits mehrere 100 Jahre alt und bedürfen dringend einer Sanierung. Andere wiederum liegen auf wertvollem Land, das von potenziellen Investoren mit Argusaugen beobachtet wird. Die Bandbreite der bedrohten Gebäude reicht von riesigen Glaskuppeln über durch Erosion bedrohte Leuchttürme bis hin zu einer riesigen steinernen Wasser-Tribüne. 

Mehrere Denkmäler pro Staat

Aber auch ganz normale Wohnhäuser, die meist mit einer aufschlussreichen Geschichte aufwarten können, gehören zu den vom Abriss bedrohten Bauten. In jedem der 50 US-Staaten lässt sich eine Hand voll davon finden. Der Online-Finanzdienstleister «NetCredit» aus Chicago hat es sich zur Aufgabe gemacht, genau diese Werke ausfindig zu machen.

Mit Hilfe von lokalen Denkmalschutz-Organisationen und zahlreichen Berichten von News-Portalen startete «NetCredit» seine Recherche und wurde fündig: Jeder Staat verfügt über mehrere gefährdete Gebäude, deren Eigenschaften oft auch Rückschlüsse auf die Entwicklungsgeschichte der Region ermöglichen. Der Finanzdienstleister reduzierte die Gebäude schliesslich auf ihren Zustand und stellte in einer Bilder-Serie für jeden Staat ein Gebäude vor, das wohl kurz vor dem Abbruch steht.

Pixel für den Denkmalschutz

Anstatt jedoch einfache Bilder der bedrohten Bauten zu veröffentlichen, fertigte das Team für jedes Objekt ein buntes Pixel-Duplikat an, das auf verspielte Art und Weise die spezielle Architektur und kulturelle Bedeutung der Gebäude hervorhebt. In einer kleinen Bilderstrecke stellen wir unten sieben der 50 bedrohten Bauten vor und erzählen ihre Geschichte.

Weitere Informationen: www.netcredit.com

Der Eldred Rock Leuchtturm in Alaska

Der achteckige Bau ist der älteste Leuchtturm von Alaska. Gebaut wurde er ursprünglich als Reaktion auf zahlreiche Schiffswracks, die der Goldrausch 1898 zu Verschulden hatte. Die lokale Eldred Rock Lighthouse Association hofft, das Gebäude erhalten zu können. Die Organisation hegt Pläne im Inneren des Leuchtturms und aus den Nebengebäuden ein Schiffsfahrtsmuseum zu errichten.

Die Buckhorn-Bäder in Arizona

In den 30ern eröffnet, diente das Anwesen zunächst als Handelsposten und Tankstelle. Beim Bohren nach Wasser stiessen die Eigentümer jedoch auf eine mineralstoffreiche Quelle. Bald darauf wurde aus dem Objekt ein Motel und Spa, das in seiner Blütenzeit sogar über einen privaten Umkleideraum für das Baseball-Team der New York Giants verfügte.

Seit 1999 sind die Bäder jedoch geschlossen. Die Immobilie wurde im August 2017 an potenzielle Entwickler verkauft, bleibt aber weiterhin leer und die Pläne des Käufers sind laut diverser Newsportale noch immer ungewiss.

Das Miami Marine Stadion in Florida

Das 1963 erbaute Mehrzweckstadion im US-Bundesstaat Florida war seiner Zeit voraus. Entworfen hatte es der damals 27-jährige kubanische Architekt Hilario Candela. Das Bauwerk war insbesondere durch sein Dach spektakulär, dass zu jener Zeit den Weltrekord für die längste Spannweite von freitragendem Beton hielt.

In seiner Blütezeit wurde das Stadion regelmässig als Zuschauertribüne für Motorboot-Rennen genutzt. Seit die Konstruktion 1992 aber für unsicher erklärt wurde, rottet es vor sich hin. Der Verein «Friends of Miami Marine Stadium» möchte das Bauwerk aber gemeinsam mit der Organisation «National Trust» restaurieren und sammelt dafür derzeit Geld.

Der East Point Leuchtturm in New Jersey

Es ist der zweitälteste noch erhaltene Leuchtturm von New Jersey. Erbaut wurde er 1849 dort, wo der Fluss Maurice in die Delaware-Bucht mündet. Die zweistöckige Ziegelkonstruktion ist mit einem leuchtend roten Dach ausgestattet und besitzt oben einen schwarzen Laternenraum. Erst kürzlich wurde das historische Bauwerk restauriert, möbliert und ist seither das ganze Jahr über für Führungen geöffnet.

Bedroht ist das Gebäude aber weniger von einem Abbruch, als vielmehr durch seine Lage: Es befindet sich nur 37 Meter vom Ufer entfernt. So kommt das Wasser insbesondere bei starken Stürmen gefährlich nahe. Im Auftrag der Gemeinde wurden deshalb auch bereits diverse Sandsäcke auf dem Grundstück platziert. Gemäss lokaler News-Berichte stand auch bereits der Einsatz eines Entwässerungssystems im Raum. 

Die Mitchell Park Domes in Wisconsin

Theoretisch ist es ein riesiger Wintergarten für Pflanzen: Das Mitchell Park Horticultural Konservatorium im US-Staat Winsconsin. Es besteht aus drei markanten 26 Meter hohen Glaskuppeln mit einem Durchmesser von je 43 Metern. Der Komplex wurde schrittweise zwischen 1959 und 1967 errichtet, den Entwurf lieferte der Architekt Donals L. Grieb.

Das Konservatorium kämpft nicht gegen schwindende Besucherzahlen, sondern gegen die Zeit. So musste der Park bereits im Sommer 2008 kurzzeitig schliessen, damit 800 rissige Glasscheiben in den Kuppeln ersetzt werden konnten. Im Februar 2016 wurden die Mitchell Park Domes erneut geschlossen, dieses Mal aufgrund struktureller Bedenken. Durch vorübergehende Reparaturen an den drei Kuppeln konnte das Konservatorium daraufhin wieder öffnen.

2019 wurden schliesslich die Gallagher Museum Services mit einer Untersuchung der Konstruktion beauftragt. Das Fazit der Firma: Sie empfiehlt den Abbruch der Kuppeln zu einem geschätzten Preis von 300 Millionen Dollar. Die Sanierung der Anlage würde laut den Experten massive Mehrkosten mit sich ziehen.

Die Ahnenorte im Südwesten von Utah

Die «Ancestral Places of Southeast Utah» sind eine Ansammlung von Strukturen, Wegen und Artefakten des indigenen Volkes, die sich zwischen zwei Nationaldenkmälern – den Tafelbergen Bears Ears und dem Canyon of the Ancients – in Utah befinden.

Die «Ahnenorte» erstrecken sich über fast 8'000 Quadratkilometer und beherbergen eine Vielzahl an Stätten, die den lokalen Indianerstämmen Navajo, Hopi, Pueblo und Ute heilig sind. Während Prospektoren weiterhin das Land durchsuchen, liegen die Stätten jedoch ungeschützt vor der Öl- und Gasförderung und zerfallen zunehmend. 

Das Dayton Daily News Gebäude in Ohio

Das markante Gebäude in Ohio diente einst als Hauptsitz der Zeitung Dayton Daily News und wurde im Auftrag ihres Gründers, James M. Cox, vom Architekten Albert Pretzinger entworfen. Das spezielle Aussehen des zwischen 1908 und 1910 errichteten Bauwerks sollte das Gebäude der Knickerbocker Trust Bank in New York City widerspiegeln – dies, weil der Gründer der Zeitung dort einst wegen eines Bankdarlehens abgelehnt wurde, wie Cox in seiner Autobiografie schrieb. 

Das Dayton Daily News Building ist im Beaux-Arts-Stil erbaut worden. Es verfügt über korinthische und dorische Säulen sowie einen Teilgiebel. Vor einigen Jahren begannen die Arbeiten für den Umbau des Areals in Studentenwohnungen, aber die Zukunft des Gebäudes bleibt in der Schwebe, nachdem die Entwickler das Projekt aufgegeben haben.

Die vollständige Liste der bedrohten Bauwerke gibt es bei NetCredit: 

https://www.netcredit.com/blog/illustrated-tribute-most-endangered-building-us

Autoren

Redaktorin Baublatt (Online)

Zeichnet, schreibt und kreiert gerne. Themenbereiche: Bauprojekte sowohl international als auch regional, News aus Wissenschaft, Forschung, Technik und Design. Ansonsten begeisterte Hobby-Köchin.

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