Baudenkmal: Abhängen im 200 Jahre alten Flederhaus

Teaserbild-Quelle: Gataric Fotografie
Ein Haus für Fledermäuse

200 Jahre alt ist das Flederhaus im aargauischen Wegenstetten. Und es verbindet seit kurzem Baukultur mit Artenschutz. Die Stiftung Ferien im Baudenkmal, Pro Natura Aargau und der Jurapark Aargau haben das historische Gebäude instand gestellt. Nun kann man darin nächtigen.

Ihren neuen Namen verdankt die ehemalige «Alte Trotte» in Wegenstetten ihren nachtaktiven Bewohnern: Eine der letzten Kolonien der aussterbenden Fledermausart der grossen Hufeisennasen hat sich im Dachstock des Stalls einquartiert. So suchen in den Sommermonaten einige Weibchen der bedrohten Art im 200 Jahre alten Gebäude Schutz und bringen dort ihre Jungen zur Welt.

Das Baudenkmal im Aargau wurde ursprünglich als Gasthaus erbaut und nach seiner Fertigstellung 1803 als Bauernhaus und Trotte genutzt. Aufgrund finanzieller Probleme musste der Gastwirt, der den Bau veranlasste, das Gebäude bereits zum Ende der Bauzeit wieder verkaufen. Durch das ursprünglich angedachte Gasthaus-Konzept besitzt der Bau heute einen Tanzboden, einen Kachelofen und eine Grossküche.  

Vor rund 20 Jahren verkaufte der letzte Bewohner den Hof an die Christkatholische Kirchgemeinde. Nachdem diese wiederum die bedrohte Fledermausart im Dachstock entdeckt hatte, vermachte die Gemeinde das Gasthaus 2017 an Pro Natura Aargau. Damit konnte der Artenschutz sichergestellt werden und das Projekt zum heutigen «Flederhaus» beginnen. Das Baudenkmal sollte zu einer Ferienunterkunft umgestaltet werden.

Sanfte Sanierung der Bausubstanz

Um dieses Ziel zu erreichen, wurde der Bau sanft saniert und die gesamte Umgebung mitsamt Wegenstettertal «fledermausfreundlich» aufgewertet. Dies, damit die kurligen Tiere zu ihren nächtlichen Jagdgebieten finden. Bei der Sanierung durch das Architekturbüro Baumann Lukas Architektur und die Stiftung Ferien im Baudenkmal, blieben zudem die Struktur des einstigen Gasthauses und weitestgehend alle historischen Holzböden, Wandoberflächen, Türen und Fenster erhalten. Ergänzt wird der historische Baubestand durch moderne Küchen- und Sanitäreinrichtungen.

Der besagte Stall, der den Fledermäusen als Behausung dient, ist für Besucher zwar nicht zugänglich. Jedoch können die nachtaktiven Tiere beim Eindunkeln gut vom Garten oder von der grossen Laube des Baudenkmals aus beobachtet werden, wie die Stiftung Ferien im Baudenkmal am Freitag mitteilt. Das «Trottenhuus» bietet Platz für bis zu sechs Personen und besitzt drei Doppelzimmer. Vermietet wird der Bau von Ostern bis Oktober. (pb/mgt)

Weitere Infos: magnificasa.ch