Ausstellungstipp «Swim City»: Flussbäder für Städter

Teaserbild-Quelle: Lucía de Mosteyrín Muñoz / SAM
Nur Flussbaden ist schöner

In der Schweiz ist es alltäglich, anderswo exotisch: Im Fluss durch die Stadt schwimmen. Doch zunehmend gibt es in Orten wie Berlin, Paris oder Boston Projekte, die Flussschwimmen ermöglichen sollen. Das Schweizerische Architekturmuseum widmet dem Thema eine Ausstellung.

Flussbaden in Basel.
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Lucía de Mosteyrín Muñoz / SAM

Cooles, kühles Vergnügen: Flussbaden in Basel.

Längst hat sich das Flussschwimmen vom lokalen Phänomen zur Massenbewegung gewandelt. Schweizer Städte haben dabei in den letzten Jahrzehnten eine Vorreiterrolle gespielt. Dies, indem sie den Fluss nach und nach als natürlichen öffentlichen Raum in der gebauten Umwelt erschlossen haben. Dies geschah über Massnahmen wie ein schweizweites Verbot von Phosphat in Reinigungsmitteln, das viel zur Verbesserung der Wasserqualität beigetragen hat, oder über bauliche Interventionen, etwa den Bau von Treppen für den Ein- und Ausstieg. Rhein, Aare und Co. sind auf diese Weise zum alltäglichen Vergnügungsort geworden. Oft bewundernd blickt man aus dem Ausland auf diese Badekultur und erkennt darin eine Möglichkeit, wie Wasserwege in Städten für mehr Lebensqualität sorgen können.

Schwimmen in Rhein, Rhone und Limmat

Einer der Schwerpunkte der Ausstellung liegt auf der städtischen Badekultur in Basel, Bern, Zürich und Genf. In Basel beförderten etwa Interventionen von Stadt und Privaten das Baden im Rhein, ironischerweise aber auch die Brandkatastrophe des Industriegebiets Schweizerhalle von 1986. Nachdem eine Lagerhalle des damaligen Chemiekonzerns Sandoz in Flammen aufgegangen war, gelangten grosse Mengen chemikalienbelastetes Löschwasser in den Rhein und den Grund. Der Ort des Unglücks musste aufwendig saniert werden. Heute ist der Fluss derart sauber, dass ein Sommer ohne Schwimmen im Rhein undenkbar geworden ist. Derweil erfreut man sich in Bern an einer jahrhundertealten Tradition, in der Aare zu schwimmen – Tendenz noch immer steigend. Dies zieht infrastrukturelle und sicherheitstechnische Herausforderungen nach sich. In Zürich bilden historische Badehäuser wie die Frauenbadi oder das Flussbad Letten das Rückgrat der Flussbadeszene. In Genf zeigt sich die Badekultur an der Rhone, parallel dazu wirkt sich der rasante Wandel der Stadt auf den Fluss aus.

Der Pool ist cool

Der helvetischen Badetradition stellt die Schau internationale Flussbadprojekte gegenüber, die sich am Schweizer Vorbild orientieren. Anhand von Vorhaben in Berlin (Flussbad Berlin), Brüssel («Pool is cool»), London («Thames Baths»), Paris («Ilot Vert»), Boston («Charles River Swimming Initiative») und New York («+Pool») zeigt die Ausstellung, wie diese Metropolen bei der Erschliessung ihrer Wasserwege als Schwimm- und Erholungsräume für alle vorgehen. Einige sind direkt von der Flussschwimmkultur in der Schweiz inspiriert, andere schlagen mit Designinterventionen alternative Wege ein. Weitere setzen auf Aktionen im öffentlichen Raum, um einen politischen Paradigmenwechsel herbeizuführen. Allen gemein ist die Herangehensweise: Sie werden von Einwohnern angestossen. Die Initianten bringen Architekten, Stadtplaner, Designer, Politiker, Wissenschaftler wie Soziologen und die Bevölkerung zusammen.

Mit den Augen des Schwimmers

In der Ausstellung kann man sich auch visuell in die kühlenden Fluten begeben: Eine raumgreifende Filminstallation macht das Flussschwimmen aus der Perspektive eines Schwimmers erlebbar. Die Aufnahmen wurden mit einem extra für diese Installation entwickelten Kamerafloss gemacht, welches das gleichzeitige Filmen über und unter dem Wasser ermöglichte. Sie fanden im Sommer 2018 in den vier Schweizer Städten Basel, Bern, Zürich und Genf statt. (mai / mgt)

Swim City im Schweizerischen Architekturmuseum in Basel bis 29. September
Öffnungszeiten:Dienstag, Mittwoch und Freitag 11 bis 18 Uhr, Donnerstag 11 bis 20.30 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 17 Uhr
Weiter Informationen: www.sam-online.ch