Ausstellungstipp: Wo das Seladon grünt und blüht

Teaserbild-Quelle: Franca Wohlt
Himmelblau und sanftes Grün

Ob Veronesegrün, Türkis oder Babyblau – Seladon-Porzellan schimmert in vielfältigsten Grün- und Blautönen. Von seiner jahrhundertealten Geschichte, seiner wiedererwachten Blüte und von zeitgenössischer Handwerkskunst erzählt eine Sonderausstellung im Völkerkundemuseum der Universität Zürich. 

Die Keramik kennt in China unterschiedlichste Porzellansorten. Von lokalen Erden geprägt werden sie seit Jahrhunderten hergestellt. Eine davon ist das jadeähnliche Seladon aus der Provinz Zhejiang in Südwesten des Landes. Bekannt ist das Material seit dem 9. Jahrhundert. Sein Markenzeichen sind neben der Farbe oft auch besondere Krakelee-Effekte oder vielmehr Risse, die sich wie ein Muster über ein ganzes Objekt ziehen und das Resultat ausgeklügelter Brenntechniken sind.

Allerdings braucht, wer Seladon-Porzellan herstellt, nicht nur ein grosses Fachwissen, was das Brennen betrifft, sondern auch was die Verarbeitung der Rohstoffe anbelangt. Davon aber auch von seiner Geschichte erzählt die Ausstellung „Seladon im Augenmerk“ im Völkerkundemuseum der Universität Zürich.

Kuratiert hat die kleine und sehr feine Schau die Sinologin und Keramikerin Anette Mertens, die zum Thema Seladon geforscht hat. Sie präsentiert verschiedene Meisterstücke aus Longquan und lässt auch in Videos ihre Schöpfer und deren Schüler zu Wort kommen.

Longquan-Seladon - vergessen und neu entdeckt

Seine erste Blüte erreichte das Longquan-Seladon vom 11. bis ins 14. Jahrhundert, als es Eingang in die kaiserlichen Sammlungen fand. Auch wenn es mit wachsender Popularität zum globalen Exportgut wurde, geriet das Seladon ab Ende des 19. Jahrhunderts immer mehr in Vergessenheit. In den 50er-Jahren entdeckte es die Wissenschaft wieder: Dank Forschungsberichten und auf Initiative des damaligen chinesischen Ministerpräsidenten Zhou Enlai lancierte man die Produktion von Seladon in den staatlichen Manufakturen neu.

In der Folge wuchs eine neue Generation von Keramikern und seit neustem auch Keramikerinnen heran. Viele von ihnen gründeten in den 1990er-Jahren im Zuge des marktwirtschaftlichen Wandels Privatbetriebe. Ein Meilenstein und eine Herausforderung für das Handwerk stellte der Übergang von mit Holz befeuerten, sogenannten Drachenöfen zu Gasöfen dar. Mit Seladon-Glasuren der Spitzenklasse – mittlerweile im Zeichen des Unesco-Weltkulturerbes und des chinesischen Kulturerbeschutzes – konnten sich einige Keramiker als national anerkannte Meister positionieren. «Das Seladon-Porzellan erlebt eine neue Blüte», sagt Mertens. Das Augenmerk liege auf historischen Stücken und Stilen. (mai/mgt)

 

Informationen zur Ausstellung

Seladon im Augenmerk. Jadegleiche Porzellane und ihre Meister in Longquan, VR China bis 22. November

  • Adresse : Völkerkundemuseum der Universität Zürich, Pelikanstrasse 40, 8001 Zürich
  • Öffnungszeiten: Montag geschlossen, Dienstag und Mittwoch 10 bis 17 Uhr, Donnerstag 10 bis 19 Uhr, Freitag 10 bis 17 Uhr, Samstag 14 bis 17 Uhr; Sonntag 11 bis 17 Uhr
  • Weitere Informationen: www.musethno.uzh.ch