Ausflugstipp: Die weisse Gefahr im Alpinen Museum

Teaserbild-Quelle: ©Perren-Berberini Zermatt

Wenige Länder haben einen derart entwickelten Lawinenschutz wie die Schweiz. Der Einsatz neuester Technologien ist nur dank Jahrhunderte langer Erfahrung effizient. Davon erzählt die Ausstellung «Die weisse Gefahr. Umgang mit Lawinen in der Schweiz» im Alpinen Museum der Schweiz in Bern.  

Nachdem während des «Lawinenwinters» von 1950 / 51 in den Schweizer Alpen insgesamt 1421 Lawinen niedergegangen waren und 98 Menschen das Leben gekostet hatten, erhielt der Schutz von Dörfern, Weilern und Strassen höchste Priorität. Es wurden detaillierte Gefahrenkarten erstellt, Schutzwälle errichtet und Bäume gepflanzt. Heute befinden sich gegen 500 Kilometer Lawinenverbauungen in den Alpen sowie 300 festinstallierte Sprenganlagen. Und rund zwei Fünftel der  gesamten Waldfläche der Schweiz gelten als Schutzwald. Allerdings: Ohne überliefertes Wissen und Jahrhunderte lange Erfahrung wären solche Massnahmen kaum möglich gewesen. Bei der Planung des Lawinenschutzes stützten sich die Verantwortlichen auf Aufzeichnungen aus Tal- oder Kirchenbüchern sowie auf Gemeindearchive – aber auch auf Überlieferungen aus der Bevölkerung. So weisen in den Alpentälern etwa umgangssprachlichen Orts- und Flurnamen wie «Schusslauinen» oder «Roti Loiwina» auf Orte hin, wo mit Lawinen gerechnet werden muss. 

Selbst das Lawinenbulletin des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL (SLF) kommt kaum ohne Informationen aus der lokalen Bevölkerung aus. Denn die Lawinenkunde ist keine exakte Wissenschaft, darin sind sich Fachleute einig. Daten, Informationen und High-Tech-Ausrüstung nützen ohne menschliche Erfahrungen wenig. Oft hilft das «Bauchgefühl», wenn es darum geht, im richtigen Moment Geräusche oder Lichtverhältnisse richtig einzuschätzen. 

Immaterielles Kulturerbe

Zusammen mit Österreich hat die Schweiz für den «Umgang mit der Lawinengefahr» bei der Unesco die Aufnahme in die Liste des «immateriellen Kulturerbes der Menschheit» beantragt. Die Ausstellung «Die weisse Gefahr» im Alpinen Museum beleuchtet die unterschiedlichen Facetten des Themas. Sie gliedert sich in sieben Themenfelder: Verbauung, Raumplanung, Forschung, Risikoeinschätzung, Rettung, Erinnerung und Erzählung. Anhand von Filmaufnahmen, Bildern, Texten und Objekten aus der Sammlung des Museums soll den Besuchern das Naturphänomen zwischen Furcht und Faszination nahe gebracht werden. 

Ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm ergänzt die Schau: So werden Führungen zum Thema «Die weisse Gefahr – Fakten und Geschichten» geboten, zudem können Rundgänge für Gruppen mit einem Bergführer durch die Ausstellung gebucht werden. Des Weiteren geht eine Reihe des SAC dem Thema auf den Grund: Geologe Jürg Meyer erklärt in einem Referat, weshalb Gondo kein Einzelfall bleiben dürfte (11. Februar) und stellt in einem weiterem Vortrag die eindrücklichsten Bergsturzlandschaften der Schweiz vor (11. März). Im Rahmen eines Podiums präsentieren zudem Jürg Schweizer, Leiter des Instituts Schnee- und Lawinenforschung SLF,  Wilfried Haeberli, Professor für Glaziologie an der Universität Zürich sowie Bergführer und SAC-Geschäftsführer Daniel Marbacher, was es mit dem Klimawandel und den zunehmenden Bergstürzen auf sich hat und verweisen auf neueste Erkenntnisse aus der Forschung. (mai/mgt)

«Die weisse Gefahr. Umgang mit Lawinen in der Schweiz»

Patrouille mit Lawinenhund.
  • Datum: 24. November bis 21.  April
  • Ort: Alpines Museum der Schweiz, Bern
  • Öffnungszeiten
    Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr
    24., 25. und 31. Dezember 
    sowie 1. Januar geschlossen
  • Weitere Infos:  www.alpinesmuseum.ch