Auf Zeitreise im Gaswerk der Stadt Zürich

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Teaserbild-Quelle: Baugeschichtliches Archiv der ETH Zürich CC BY SA 4.0
Zeitreise des Gaswerks der Stadt Zürich

Es gehört zur Zürcher Industriegeschichte und doch ist es schnell in Vergessenheit geraten: Das Gaswerk der Limmatstadt in Schlieren. Seit 45 Jahren ist die Anlage ausser Betrieb. Wie es dort aussah, als Gas noch mittels Kohlevergasung erzeugt wurde, zeigen historische Bilder.

Bevor die Anlage aber in Schlieren ihren endgültigen Standort fand, stand sie in Zürich. Da der Gaskonsum aber mit der Zeit derart anstieg, musste bald ein Neubau her. Für den neuen Standort mussten zudem gewisse Voraussetzungen wie Höhenlage und geeigneter Baugrund berücksichtigt werden. Nachdem Schlieren die Kriterien schliesslich erfüllen konnte, wurde die neue Anlage nach nur 15 Monaten um 1898 eröffnet.

Die neue Produktionsstätte brachte aber nicht nur eine Verdoppelung der Tagesleistungen mit sich, sondern schaffte auch weiträumige Anordnungen der einzelnen Anlageteile. Bald reichte auch dieser Platz nicht mehr aus. So folgte 1904 die Erweiterung des Gaswerks, mit der die bisherige Tagesleistung erneut um fast 60 Prozent anstieg.

Von 1930 bis 1934 erfolgte für sieben Millionen Franken wieder eine Vergrösserung der Anlage. Dementsprechende stieg auch die Tagesleistung von 150‘000 Kubikmetern auf 250‘000 Kubikmeter. Als 1942 die Kohlezufuhr ins Stocken geriet, wurde die Gasholzaufbereitungsanlage mit den nötigen Transportanlagen erstellt. Diese brachte guten Absatz als die Gasindustrie wegen kriegswirtschaftlichen Einschränkungen unter Druck stand.

1966 wurde der Gasverbund Ostschweiz gegründet, der sich um eine rationale und wirtschaftliche Gasversorgung kümmerte. Mit der modernen Spaltanlage, die 1969 in Betrieb ging, konnte zusätzlich zur Kohlenproduktion auch erstmals eingeführtes Erdgas aus Deutschland im gleichen Heizwert hergestellt werden.

Mit der Umstellung auf Erdgas wurde die Kohlenproduktion in Schlieren letztlich geschlossen. Die Ära der Gaserzeugung mittels Kohlevergasung nahm am 6. Mai 1974 ein Ende. Bis heute stehen einige historischen Betriebsgebäude noch in Schlieren. Heute wird darin allerdings geklettert: Ein Teil der ehemaligen Anlage wurde zu einem Kletterzentrum umgebaut. 

Das Kohlengaswerk der Stadt Zürich im Fokus

Näheres zur Geschichte des Gaswerks lässt sich im Jahresheft von 1995 (unten angehängt) herausfinden. Denn die städtische Kommission Ortsgeschichte gibt jährlich eine Publikation über Themen heraus, die die Geschichte der Stadt Schlieren geprägt haben oder heute noch immer prägen.

So schreibt Max Küber in besagter Ausgabe von vor 23 Jahren, dass die Anlage nicht nur ihren Teil zur Technikgeschichte beiträgt, sondern auch von einer sozialen und architektonischen Komponente erzählt und das sehenswerte Ensemble aus der Jahrhundertwende somit von nationaler Bedeutung sei.

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