Archäologie: Mit dem Bodenradar eine römische Stadt entdecken

Teaserbild-Quelle: Stefan Kühn - selbst erstellt im Rheinischen Landesmuseum Trier, CC BY-SA 3.0
Mit dem Bodenradar eine römische Stadt entdecken

Archäologie mit Hightech statt Schaufel: Rund 50 Kilometer nördlich von Rom haben Archäologen der Universitäten Cambridge und Ghent mittels Bodenradar Falerii Novi komplett kartiert.

Stadttor, Falerii Novi.
Quelle: 
Mongolo1984 - Own work, CC BY-SA 4.0

Das Tor des Jupiter, bei Falerii Novi.

Die Überreste der römischen Stadt, die etwa halb so gross wie Pompeji ist, liegen mehrheitlich unter dem Boden. Lediglich das Forum, das Theater, das ausserhalb der Stadtmauern gelegene Amphitheater sowie ein Stadtor zeugen heute noch von ihr.

Es seien „erstaunliche Details“ zum Vorschein gekommen, so die Forscher. Dies dürften sie neuester GPR-Technologie verdanken, auf die sie zurückgreifen konnten und mit der grössere Gebiete in höherer Auflösung als je zuvor erkundet werden können. - GPR funktioniert wie normales Radar: Es reflektiert Radiowellen von Objekten und kann daraus ein Bild in verschiedenen Tiefen erstellen.

Bei ihren Untersuchungen entdeckten die Wissenschaftler unter anderem einen Bäderkomplex, einen Markt, ein Denkmal, einen Tempel sowie ein ausgedehntes Wasserleitungsnetz.

Geschichte und Schichten von Falerii Novi

Weil mit der Bodenradartechnologie unterschiedliche Tiefen erforscht werden können, lässt sich mit ihr auch studieren, wie sich Novi Falerii im Laufe der Jahrhunderte gewandelt hat. Die Stadt war 241 v. Chr. von Rom besetzt worden und existiert bis etwa ums Jahr 700. So förderten die Untersuchungen Hinweise auf Steinraub zu Tage. Überdies stellen sie laut den Archäologen gewisse Annahmen zum römischen Stadtplanung in Frage: Novi Falerii sei weniger standardisiert angelegt gewesen, als vergleichbare, gut untersuchte Städte wie Pompeii.

Radarbild von Falerii Novi.
Quelle: 
University of Cambridge/L. Verdonck

Der Bodenradar macht detailliert sichtbar, was für Bauten unter der Erde begraben sind.

 

Unter anderem entdeckte man ein grosses,rechteckiges Gebäude, über eine Reihe von Wasserleitungen mit dem Aquädukt verbunden war. Bemerkenswerterweise ziehen sich diese Rohre durch einen grossen Teil Falerii Novis, sie verlaufen nicht nur den Strassen entlang, sondern finden sich auch unter Mietshäusern. Laut den Forschern deutet dies darauf hin, dass die Leitungen zu einem Freibad gehörten, das wiederum zu einem umfangreichen öffentlichen Badekomplexes gehörte.

Neue Sichtweise auf antike Städte?

Des Weiteren fand man am Nordrand der Stadt zwei Bauten mit rechteckigem Grundriss, die über einen gross angelegten, gedeckten Weg miteinander verbunden sind. Die Archäologen vermuten, dass sie Teil eines heiligen Ortest gewesen sein könnten.

„Die erstaunliche Detailgenauigkeit, die wir bei Falerii Novi erreicht haben, und die überraschenden Merkmale, die GPR ans Licht gebracht hat, legen nahe, dass diese Art der Untersuchung die Art und Weise verändern könnte, wie Archäologen solche Orte untersuchen", resümiert Studienautor Martin Millet von Universität von Cambridge. (mai)

Quelle: 
Stefan Kühn - selbst erstellt im Rheinischen Landesmuseum Trier, CC BY-SA 3.0

Römische Städte bestanden aus Blockrandüberbauungen wie dieses Modell des römisch-antiken Trier D zeigt. Den Untersuchungen des britisch-belgischen Forscherteams zufolge dürften sie allenfalls weniger standardisiert gewesen sein, so wie dies bei Falerii Novi der Fall ist.