Alpen-Initiative: SBB erhalten Schmähpreis für Fassade der Europaallee

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Schmähpreis für SBB

Die Alpen-Initiative hat den „Teufelsstein“ und den „Bergkristall“ vergeben: Der Schmähpreis geht an die SBB und ihre Fassade aus China in der Europaallee in Zürich. Den Anerkennungspreis erhält eine Organisation aus Luzern, die sich dafür einsetzt, dass in Restaurants Leitungs- statt Flaschenwasser getrunken wird.

Jedes Jahr verleiht die Alpen-Initiative zwei Preise: den „Teufelsstein“ für besonders absurde Transporte und den „Bergkristall“ für sinnvolle lokale Lösungen. Dieses Jahr haben laut einer Mitteilung 8611 Personen an der Online-Abstimmung teilgenommen und entschieden.

SBB-Fassade legte 43‘000 Kilometer zurück

Den absurdesten Transport haben dieses Jahr die SBB zu verantworten: Für die Fassade des Prestige-Projekts Europaallee in Zürich wurden Natursteine aus Deutschland verwendet. Sie wurden in China montiert und von dort nach Basel zurückverschifft und anschliessend mit dem Lastwagen nach Zürich transportiert. Wie die Alpen-Initiative schreibt, war die gesamte Transportstrecke sage und schreibe 43‘120 Kilometer lang. „Der Transport verursacht 20 Mal mehr CO2 als bei einer vor Ort produzierten Fassade“, heisst es weiter. Man kritisiere, dass ein solches Vorgehen in Übereinstimmung mit dem Beschaffungsgesetz stehe. „Ein Unternehmen erhält eher einen Auftrag, wenn es Steine ans andere Ende der Welt und zurück transportiert, als wenn es mit Lieferanten und Materialien aus der Region arbeitet. Das zeigt die Absurdität unseres aktuellen Systems auf“, so Jon Pult, Präsident der Alpen-Initiative.

Wasser aus der Leitung statt aus der Flasche

Die sinnvollste lokale Lösung war nach Meinung der Abstimmungsteilnehmer heuer die Luzerner Organisation „Wasser für Wasser“. Sie setzt sich dafür ein, dass in Restaurants und Firmen kein Wasser aus Flaschen, sondern Leitungswasser getrunken wird. „Mit der Wahl von Karaffen der Organisation können sich Restaurants und Unternehmen für das Klima einsetzen, indem sie auf weite Transportwege verzichten und weniger Abfälle produzieren“, so Michael Töngi, Nationalrat und Mitglied des Alpenrats der Alpen-Initiative.

Holz und Wurst

Für den „Teufelsstein waren zwei weitere Kandidaten nominiert: die Landi und Proviande, die Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft. Bei der Landi war es Brennholz aus Nord- und Osteuropa, das die Aufmerksamkeit der Alpen-Initiative weckte. Wie der Website zu entnehmen ist, verkauft die Detailhandelskette solches Holz, obwohl es hierzulande genügend davon gibt. Die Transportstrecke EU-Schweiz beträgt 1525 Kilometer, die mit Lastwagen zurückgelegt werden und 8 Mal mehr CO2 verursachen.

Bei Proviande waren es Schweinedärme, die in den Fokus rückten. Auf der Website heisst es dazu: „Die Schweinedärme der vier grössten Schweizer Schlachthöfe werden nach China geliefert. Dort werden sie zu Wursthüllen verarbeitet und mit Schiff und Lastwagen in auf 6 Grad heruntergekühlten Containern wieder zurücktransportiert! Weil es billiger ist.“ Die Bilanz: 44‘315 Kilometer und 30 Mal mehr CO2.

Velos und Kleider

Die beiden weiteren Nominierten für den „Bergkristall“ waren der Hauslieferdienst Collectors und das Kleiderlabel „bioRe“ der Remei AG. Wie der Website der Alpen-Initiative zu entnehmen ist, bringen die Velokuriere von Collectors Einkäufe direkt nach Hause und entsorgen gleich auch Altglas, Pet-Flaschen, Blech und Batterien. Der Dienst aus Solothurn ist ein Integrationsprogramm für arbeitslose Menschen und hat inzwischen bereits nach Thun expandiert. Olten soll bald folgen.

Das Kleiderlabel nominierte die Alpen-Initiative insbesondere wegen seiner Vorreiterrolle in der Textilindustrie in Sachen Transparenz: Anhand eines Zahlencodes auf den Kleideretiketten kann man feststellen, wo das Stück hergestellt wurde und woher die entsprechenden Rohstoffe stammen. (mt/pd)