16:04 SWISSBAU

Swissbau Innovation Lab: Tüfteln für die Transformation

Geschrieben von: Ben Kron (bk)
Teaserbild-Quelle: Baselink

Die digitale Transformation ist die grosse Aufgabe der Baubranche. Auch die Leitmesse Swissbau widmet sich schwergewichtig dem zukunftsweisenden Thema: Anhand dreier konkreter Projekte suchen Projektgruppen neue Wege, wie zukunftsfähige Gebäude in optimaler Zusammenarbeit realisiert werden können.

«Hortus» Allschwil Herzog & de Meuron

Quelle: Baselink

Das Projekt «Hortus» der Basler Architekten Herzog & de Meuron: Das Gebäude wird 2025 fertiggestellt sein und soll wie alle Bauten auf dem Bachgraben-Areal neue Massstäbe in Sachen Nachhaltigkeit setzen.

Das Thema Digitalisierung ist entscheidend für die Zukunft von Unternehmen in der Bau- und Immobilienwirtschaft: Von der Planung über den Bau bis zum Betrieb und Rückbau können heute alle Etappen des Lebenszyklus eines Gebäudes von Computern geplant und berechnet werden, was die Qualität und Effizienz von Gebäuden und Bauprozessen erhöht.

Deshalb gehört die Digitalisierung zu den Schwerpunktthemen der diesjährigen Swissbau. Die Leitmesse der Schweizer Bau- und Immobilienwirtschaft hat zu diesem Zweck das «Swissbau Innovation Lab» ins Leben gerufen, als Plattform für die digitale Transformation der Bau- und Immobilienwirtschaft und in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein (SIA) und Bauen digital Schweiz/Building Smart Switzerland. Das Innovation Lab präsentiert einige innovative Projekte für das computergestützte Planen, Bauen und Betreiben von Gebäuden.

Drei Labor-Projekte

Anlässlich der letzten Swissbau vor zwei Jahren stand das Projekt «Uptown Basel» in Arlesheim BL im Mittelpunkt. Uptown Basel ist auch dieses Jahr als Labor-Partner mit dabei und wird ergänzt von «BaseLink» in Allschwil BL und «S-Tates» in Windisch AG. Ziel aller dieser Projekte und Areale sind High Performance Buildings, bei denen Themen wie Kreislaufwirtschaft, neue Miet- und Nutzungsformen und ganzheitliche Nachhaltigkeitskonzepte realisiert werden.

Bachgraben-Areal Allschwil Luftaufnahme

Quelle: Gemeinde Allschwil

Das Bachgraben-Areal aus der Luft: Die Baumlinie oberhalb markiert den Verlauf des Bachs, der das Areal vom Rest der 20 000 Einwohner zählenden Gemeinde Allschwil trennt. Unterhalb liegt die französische Grenze.

Konkret haben sich für die drei Areale Projektgruppen gebildet, die an jeweils unterschiedlichen Challenges arbeiten, sich aber alle der Schlüsselfrage stellen, wie zukunftsfähige Gebäude in optimaler Zusammenarbeit realisiert werden können. Die Gruppen erarbeiten dabei Projektideen, die mittels der sogenannten Design Thinking Methode entlang der gesamten Wertschöpfungskette bearbeitet werden.

Filmpremiere an der Messe

Begleitet werden die Gruppen von einem Kamerateam. Der so entstandene Film «iRoom 2022», der an der Swissbau gezeigt wird, vermittelt spannende Einblicke in den Entwicklungsprozess, stellt die drei Areale im Detail vor und wagt auch ein Résumé über die im Ideenlabor entwickelten Prototypen.

Neben dem Projekt in Arlesheim nimmt auch das Areal «BaseLink» in Allschwil Gestalt an. Das Areal liegt direkt an der Stadtgrenze zu Basel, begrenzt vom Dorfbach und der nahen französischen Grenze. Hier erstreckten sich vor noch nicht zu langer Zeit Felder bis zur Grenze hin, doch der Bachgraben ist schon längst zum Boomgebiet der Basler Vorortsgemeinde geworden. Hier schiessen im Rekordtempo Firmenkomplexe in die Höhe, wobei es gelungen ist, billige Industriebauten zu vermeiden: Es entstanden und entstehen Labor- und Bürokomplexe, die sowohl architektonisch als auch technisch hohen Ansprüchen genügen müssen. Firmen der Life Sciences, der Public Health und der begleitenden Hochtechnologie haben sich hier angesiedelt und rund 6000 Arbeitsplätze geschaffen.

«Life-Science Meile» wächst

Auf einer der letzten grossen Grundstücksflächen entsteht nun seit ein paar Jahren die Überbauung «BaseLink», ein Life-Science- und Gewerbepark mit 40 000 Quadratmetern Nutzfläche. In den geplanten Gebäuden werden in den nächsten Jahren weitere Unternehmen die «Life-Science Meile» vervollständigen, unter anderem der Switzerland Innovation Park Basel Area, das Schweizerische Tropen- und Public-Health-Institut, das Pharmaunternehmen Basilea Pharmaceutica, sowie das Department of Biomedical Engineering und das Innovation Office der Universität Basel, die sich erstmals auf Baselbieter Grund niederlässt.

«Access Over Ownership» Bachgraben Allschwil

Quelle: Baselink

«Access Over Ownership»: Die Mieter der Büros und Labors können im Innenraum des neuen Gebäudekomplexes auf dem Bachgraben-Areal einen sorgfältig gestalteten Grünraum gemeinsam nutzen.

Ein besonderes Augenmerk gilt dabei dem Bauprojekt «Hortus» der Stararchitekten Herzog & de Meuron. Das Konzept zu «Hortus» sieht vor, dass innerhalb einer Menschengeneration, also rund 30 Jahren, die gesamte graue Energie und die Kohlendioxydemissionen, die durch Planung, Bau und Betrieb entstehen, amortisiert werden. Möglich wird dies durch den Einsatz nicht alltäglicher Materialien wie Altpapier, Lehm und Holz und über die Energieernte via Photovoltaik.

Diese Materialisierung garantiert auch, dass Luftqualität, Luftfeuchtigkeit und Temperatur stets angenehm für die Benutzer sind, ohne dass sich diese einschränken müssten. Es sind aber für diese ambitionierten Ziele auch neue Baukonzepte und -methoden gefragt sowie angepasste Strukturen in der Baubranche. «Wir müssen fähig sein, alles, was wir herstellen, und alles, was wir machen, eine nachhaltige und auch eigene Schönheit zu geben», heisst es in einer Pressemitteilung des Basler Architekturbüros.

Zukunft jedes Bauteils fix

So steht für jedes Bauteil bereits vor dem Verbauen fest, wie es in Zukunft weiterverwendet beziehungsweise eines Tages rückgebaut werden kann. Diese Kreislaufwirtschaft soll dafür sorgen, dass keine Bauteile und Rohstoffe verschwendet werden, sprich: auf der Deponie landen wie heute so oft. Stattdessen können die Materialien am Ende geteilt, wiederverwertet, repariert oder anderweitig wiederaufbereitet werden.

«Hortus» Allschwil Baustelle

Quelle: Swissbau

Pfiffige Zwischennutzung: Hinter dem kleinen Bambusgerüst befindet sich ein Vorgänger, ebenfalls «Hortus» genannt. Es handelt sich aber um ein kleines Restaurant mit Essplatz und erstklassigem Blick auf die Baustelle.

Die Eröffnung von «Hortus» ist für das Jahr 2025 geplant. Dann sollen sich darin digitale und andere High-Tech-Formen ansiedeln, die von der Nähe zu den bestehenden Life-Science-Unternehmen profitieren können. Hierzu erforscht das Innovation-Lab-Projektteam zum Beispiel behaglichkeits- und gesundheitsförderliche Konzepte sowie eine neue Form der Miete: Unternehmen mieten nur das, was sie benötigen, und beteiligten sich darüber hinaus im sogenannten «Access Over Ownership» an gemeinsam genutzten Flächen.

Kleinareal nachhaltig entwickeln

Deutlich kleiner als das Allschwiler Areal ist «S-Tates» in Windisch: Auf den hier zu entwickelnden 3800 Quadratmetern sollen neue Ansätze zur Transformation des Schweizer Gebäudeparks entwickelt werden, und die Prozesse müssen im Kontext der KMU-Landschaft neu gedacht werden.

Zentrale Herausforderungen des Areals sind die digitale Planung und Ausschreibung sowie ein ressourcenoptimierter, auf den Standort zugeschnittener Betrieb. Denn gerade auf solchen kleineren Arealen müssen die passenden Prozesse und Tools entwickelt werden, um die Idee der Kreislaufwirtschaft in die Tat umsetzen zu können. Die entsprechende Projektgruppe hat hierzu zwei Prototypen entwickelt, die an der Swissbau in Basel erstmals vorgestellt werden.

Swissbau Innovation Lab Plattform

Quelle: Swissbau

Blick zurück: Das Innovation Lab bietet für Unternehmen und Institutionen eine ideale Plattform, um eigene Ideen und Projekte rund um das Megathema Digitalisierung einem Fachpublikum zu unterbreiten.

Swissbau Innovation Lab

Im Rahmen der Swissbau stellt das Innovation Lab die nationale Initiative der führenden Unternehmen in der digitalen Transformation der Bau- und Immobilienwirtschaft in der Schweiz dar. Ein digitaler Marktplatz bietet ganzjährig vielfältige Möglichkeiten zur Vernetzung, Profilierung und Interaktion mit der Community. Die jeweiligen Partner des Labs werden auf dieser Plattform mit ihren Innovationen in Digitalen Use Cases in Szene gesetzt – kombiniert mit einer smarten Matchmaking-Funktion. (bk)

https://innovationlab.swissbau.ch

Geschrieben von

Freier Mitarbeiter für das Baublatt.


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