Zug um Zug zum neuen Quartier

Zug um Zug zum neuen Quartier

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Teaserbild-Quelle: zvg
Nicht weit vom Stadtzentrum Genf ist eines der grössten Bauprojekte des Kantons im Gang. Entstehen soll ein neues Verkehrsnetz samt Bahnhof und ein kompletter Stadtteil mit 550 Wohnungen, Schulanlage sowie Büros für 4600 Angestellte.
 
Nur zwei Kilometer vom Stadtkern liegt Genf-La Praille, ein wichtiger Verkehrs- und Entwicklungsknotenpunkt. Das ehemalige Industriequartier lag ursprünglich in der Peripherie. Im Laufe der Zeit ist es mit der Stadt zusammengewachsen und befindet sich massiv im Umbau. Momentan ist die Bahnverbindung Cornavin-Eaux-Vives-Annemasse (CEVA), die das schweizerische an das französische Bahnnetz der Haute-Savoie anschliessen wird, in Planung. Dadurch wird die Voraussetzung für die Einführung einer Genfer S-Bahn geschaffen, welche die ganze Agglomeration mit ihren 750 000 Einwohnern bedient. Auf einem Teil des Areals, auf dem bisher Bahnanlagen und Frachtwaggons Platz fanden, ist eine riesige Wohn- und Büroüberbauung geplant, die Teil der nachhaltigen städtebaulichen Entwicklung des Kantons Genf ist. Das Projekt soll schrittweise realisiert werden bis ca. 2015.

Städtebau und Verkehr Hand in Hand

Für die Entwicklung des Quartiers gibt es zwei
unterschiedliche Anforderungsprofile. Einerseits will der Kanton das Areal städtebaulich verdichten und zugleich eine optimale Verkehrsanbindung garantieren. Andererseits besteht von Seiten der Gemeinden Lancy und Carouge das Anliegen, ein qualitativ hochstehendes, sozial nachhaltiges Lebenszentrum zu kreieren. Dazu gehören neben Schulen und Läden auch attraktive Freiräume sowie Grünzonen. Um den verschiedenen Interessen gerecht zu werden, haben der Kanton Genf und die SBB die Planungsgesellschaft Sovalp gegründet. Sie wurde damit beauftragt, einen
Masterplan für das Grundstück auszuarbeiten. Dieses beträgt 120 000 Quadratmeter, auf denen rund 180 000 Quadratmeter Geschossfläche geplant ist. Davon wiederum sollen ungefähr 30 Prozent für den Wohnungsbau reserviert sein. Die Kosten für die Überbauung ist auf 670 Millionen Franken budgetiert.

Zwei Seiten, ein Grossprojekt

Der komplexe Anforderungskatalog veranlasste Sovalp, einen Ideenwettbewerb auszuschreiben. Diesen hat das Architekturbüro Strata gewonnen. Das Studio mit Sitz in Carouge wurde 1994 von Pierre-André Bohnet und Diana Stiles gegründet. Der Schweizer und die Neuseeländerin erarbeiten seither in enger Zusammenarbeit mit Spezialisten wie Landschaftsarchitekten, Künstlern oder Ingenieuren Projekte unterschiedlicher Grössenordnung. 2005 entwarf das Architektenduo schliesslich ein Projekt für Sovalp. Verdichtung und Integration in die Umgebung lauten dessen Kernthemen. Die unterschiedlichen Zonen Wohnen, Hotel, Büros und Schulanlage haben eine eigenständige Identität, ergänzen sich aber zugleich zu einem Ganzen. Speziell am Gelände ist die Tatsache, dass es von einem breiten Gleisstrang zweigeteilt ist. Die Architekten gruppierten die Bürogebäude und Hotel auf der einen Seite, Wohn-, Schulgebäude und Freizeitanlagen auf der anderen. Die L-förmigen Wohnhäuser sind gegeneinander versetzt, so dass sie Höfe und damit Privatheit schaffen. 500 Wohneinheiten werden auf einer Fläche von 57 000 Quadratmetern entstehen. Der Bürokomplex auf der anderen Seite der Gleise besteht aus einem Mix von Hochhäusern und niedrigen Einheiten. Hier sollen dereinst rund 4600 Arbeitsplätze geschaffen werden. Eine Fussgängerzone und ein Park verbinden Wohn- und Bürozone und schaffen Zugang zur Bahnstation.
 
Die rechtlichen Voraussetzungen sind gegeben: Im Frühling 2010 sind Umzonung und Überbauungsplan vom Kanton genehmigt worden. Die Bagger werden voraussichtlich 2011 auffahren und eine Weile dort bleiben, bis das Riesenprojekt fertiggestellt ist. (ka)