Weniger Kosten, aber immer noch teurer

Weniger Kosten, aber immer noch teurer

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Teaserbild-Quelle: zvg
Das neue Messezentrum in Basel wird gebaut. Aus Kostengründen musste das Projekt aber redimensioniert werden. Das neue Konzept sieht zwar keine grossen Änderungen vor, kostet aber dennoch 80 Millionen Franken mehr als die vorgesehenen 350 Millionen.
 
Mit rund einem Jahr Verspätung hat in Basel das Projekt «Messezentrum 2012» die Baubewilligung erhalten. Der Grund für die Verzögerung waren die Kosten. Das vor fünf Jahren geplante Bauvorhaben hätte in seiner ursprünglichen Form nämlich das vorgesehene Budget von 350 Millionen Franken bei Weitem gesprengt, weshalb sich die Bauherrin MCH Messe Basel dazu genötigt sah, eine Redimensionierung anzuordnen. «Das architektonische Konzept bleibt aber so bestehen, wie es ursprünglich geplant war. Das Projekt wird lediglich etwas kleiner, schmäler, kürzer und tiefer, sprich städtebaulich verträglicher», sagt Christian Jecker, Mediensprecher der MCH Group. Statt der erwähnten 350 Millionen Franken wendet die Bauherrin nun 430 auf. Das sieht auf dem ersten Blick nach einer Teuerung aus, ist aber, wie Jecker betont, «wesentlich weniger als das Projekt ohne Überarbeitung gekostet hätte.» Die Zusatzkosten von 80 Millionen seien für das Unternehmen tragbar und würden deshalb von ihm selbst übernommen (siehe «Hintergrund»).
 
Im Zentrum des Projektes stehen die Erweiterung von Halle 1 zum Messeplatz hin, die Erneuerung von Halle 3 und die Verbindung dieser beiden Komplexe, wodurch sie zu einem einzigen grossen Baukörper werden. Im linken Gebäudeteil befinden sich die Räumlichkeiten der zweigeschossigen Halle 1, im rechten Teil jene der dreigeschossigen Halle 3.
 
Trotz dieser Änderungen ist das vom Büro Herzog & de Meuron geplante Bauvorhaben kein Neubauprojekt, sondern vielmehr eine Weiterentwicklung des bestehenden Messeplatzes. Ausgangspunkt dafür war die Tatsache, dass Halle 6 nur noch bis zum Jahr 2012 verfügbar ist. Um wichtige Messen wie die Baselworld weiterhin in Basel durchführen zu können, musste die damit entfallende Ausstellungsfläche von 26 000 Quadratmetern ersetzt werden. Mit dem Projekt «Messezentrum 2012» erhält die MCH Group neu 140 000 Quadratmeter zusammenhängende Ausstellungsfläche. Das sind im Vergleich zu heute rund 20 000 Quadratmeter weniger. Wie Jecker erklärt, ist dies aber dadurch zu kompensieren, dass mehr Fläche für mehrstöckige Standbauten zur Verfügung steht und die kompaktere Struktur des Geländes eine flexiblere Bewirtschaftung erlaubt.
 

Messeplatz-Konzept bleibt bestehen

Im Vorfeld der Volksabstimmungen im Jahr 2008, die in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft durchgeführt wurden, stand der neue Baukörper in der Kritik, weil man ihn für zu wuchtig und klotzig befand. Durch die Redimensionierung wird das Gebäude nun auf den Seiten Riehenring und Isteinerstrasse 16 Meter schmäler und zehn Meter kürzer. Die beiden durch eine Verschiebung besonders augenfälligen Obergeschosse von Halle 3 sind neu je acht Meter hoch (vorher zehn und sieben Meter). Durch die Verdünnung der Zwischenböden und -decken schrumpft der ganze Baukörper schliesslich nochmals um 3,5 Meter, sodass er aufseiten von Halle 3 auf 36 Meter Höhe und aufseiten von Halle 1 auf 18 Meter Höhe kommt. Der Grundriss des Baukörpers beträgt 220 auf 90 Meter.
 
Keine Veränderungen hingegen erfährt das Konzept des Messeplatzes. Der bestehende Platz soll nach wie vor in drei neue Bereiche geteilt werden: in einen offenen Platz, in die überdachte City Lounge und in einen Grünpark (hierfür wird die Rosentalanlage umgebaut). In ihrer alten Gestalt belassen bleiben Halle 2, das Kongressgebäude und der Messeturm.
 
Zu den Messehallen 1 und 3 wird man künftig durch die City Lounge gelangen, die sich im Erdgeschoss von Halle 3 befindet. Da sie Teil des Messeplatzes ist, bleibt sie aber offen und durchgängig, ist dafür aber überdacht. Ihre Decke ist das erste Obergeschoss von Halle 3. Für ihre Beleuchtung sorgt ein Lichthof, dessen Durchmesser 30 Meter beträgt.
 
Die City Lounge soll aber nicht nur Eingang zu den neuen Hallen sein, sondern auch zu einem Anziehungspunkt des öffentlichen Lebens werden, weswegen sich in ihren Randzonen auch öffentliche Angebote wie Restaurants befinden. Ausserdem ist sie leicht mit dem Tram und Fahrrad wie auch zu Fuss erreichbar. Laut MCH Group passt sich der neue Baukörper hervorragend in seine Umgebung an. Dank der Verdrehung der Fassaden werde die natürliche Belichtung aller umliegenden Wohnbauten garantiert und durch wechselnde Reflexionen ein spannungsvoller Ausdruck erzeugt.
 
Da nun die rechtskräftige Baubewilligung vorliegt, kann laut MCH Group das Projekt «Messezentrum 2012» planmässig realisiert werden. Im Sommer dieses Jahres werden erste Vorbereitungsarbeiten durchgeführt. Zwischen der Baselworld 2011 und der Baselworld 2012 werden in der ersten Bauphase die baulichen Massnahmen für den neuen Messeplatz vorgenommen. In der zweiten Etappe, die zwischen der Baselworld 2012 und der Baselworld 2013 stattfindet, werden die neuen Hallen 1 und 2 erstellt.
 

Zeitverzögerung hilft Geld sparen

Laut Jecker hat die Verschiebung der Baubewilligung um ein Jahr keine schwerwiegenden Folgen. Im Gegenteil: Sie bringt ein paar Monate mehr Bauzeit, denn gemäss altem Zeitplan hätten die Bauarbeiten genau auf die Swissbau 2012 fertig werden müssen, die immer im Januar durchgeführt wird. 2013 findet aber keine Swissbau statt, weswegen die Bauarbeiten erst vor der Baselworld 2013 fertig werden müssen. Diese Messe findet zwar immer im März statt, wird wegen der Bauarbeiten aber auf den April verschoben, weswegen für die Bauarbeiten nun rund drei Monate mehr Zeit zur Verfügung stehen. «Dieser Umstand half wesentlich mit, die Kosten für den Bau zu senken, weil wir jetzt nicht mehr so unter Zeitdruck stehen», freut sich Jecker. Florencia Figueroa