Wahrzeichen für den Sport

Wahrzeichen für den Sport

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An der Autobahn A13 plant die Stadt Chur ein Zentrum für Sport, Bewegung und Naherholung. In einem Projektwettbewerb wählte die Jury den Beitrag der Arge mit der Oskar Leo Kaufmann, Albert Rüf Ziviltechniker GmbH und dem Landschaftsarchitekurbüro Bauchplan. Im Herbst 2010 soll über eine erste Etappe des Projekts abgestimmt werden.
 
Damit die Bevölkerung Churs vermehrt sportlich auf Trab kommt, will der Hauptort Graubündens eine Anlage aus den 70er-Jahren ausbauen. Sporttreibende, Zuschauer und Erholungssuchende sollen sich im gegenüber heute wesentlich aufgewerteten Gebiet Obere Au wohlfühlen und auch ein breiteres Angebot an Infrastruktur vorfinden. Das Resultat dieser Bestrebungen für ein überregionales Zentrum soll auch den Vorbeifahrenden auf der Autobahn A13 nicht verborgen bleiben. Die Verkehrsachse verläuft in Nord-Süd-Richtung parallel zum Gelände, dessen andere Seite vom Rhein begrenzt wird. Mit einem Wettbewerb bestimmte die Stadt Chur ein Siegerprojekt für eine erste Bauphase, in der sowohl der teilweise Abriss bestehender Infrastruktur als auch Neubauten vorgesehen sind. Die Jury überzeugte das Projekt «Sportcampus» der Arge Oskar Leo Kaufmann, Albert Rüf Ziviltechniker GmbH aus Dornbirn sowie dem Landschaftsarchitekturbüro Bauchplan aus Wien. Das Beurteilungsgremium beantragt «Sportcampus» zur Weiterbearbeitung. Eingereicht wurden 13 Projekte, die in zwei Jurytagen selektioniert wurden. Das Beurteilungsgremium betont, dass die gestellte Aufgabe sehr anspruchsvoll und kompliziert war. Nebst den städtebaulichen, gestalterischen und funktionalen Anforderungen galt es auch den Ansprüchen an eine gute Etappierung und der damit verbundenen Wirtschaftlichkeit gerecht zu werden. Zu beurteilen waren profunde und gute Beiträge, deren Verfasser sich mit der gestellten Aufgabe intensiv auseinandergesetzt hätten. Das Beurteilungsgremium hält fest, dass mit dem Siegerprojekt ein Lösungsvorschlag vorliegt, der in jeder Realisierungsetappe sowohl gestalterisch wie auch funktional zu überzeugen vermochte.

Zwei Bauphasen vorgesehen

Die Neugestaltung des Sport- und Eventzentrums geschieht in zwei Phasen. «In der ersten Phase realisieren wir Bauten, für die dringender Bedarf besteht», erklärt Peter Göldi, Stadtarchitekt von Chur. «Die zweite Phase ist nur angedacht. Ob sie realisiert wird, hängt unter anderem davon ab, wie das künftige Sportzentrum nach dem Bau von Phase 1 ausgelastet ist.» Rund 33 Millionen Franken will Chur in die erste Etappe investieren, mit 90 Millionen Franken Baukosten rechnet Göldi für die Realisierung beider Bauetappen. Im Herbst 2010 soll die Phase 1 der Neugestaltung des Gebiets Obere Au an die Urne kommen. Baubeginn sei frühestens im Frühling 2011.
 
Gemäss dem Siegerprojekt «Sportcampus» werden in der ersten Etappe die bestehenden Bauten und Plätze mit einer Sporthalle und zwei Hauptspielfeldern ergänzt. Das nahe einem Reitstall gelegene Spielfeld wird entfernt, das Erdgeschoss des bestehenden Restaurants weicht einem grösseren Restaurantneubau. Die neuen Unterkünfte und Kursräume befinden sich darüber. Danach wird das bestehende Eisfeld durch ein neues ersetzt. Den östlich dieses Eisfelds entstehenden Bereich können Sportler als zusätzlichen Platz für diverse Freizeitaktivitäten nutzen. Des weiteren werden die bestehenden Parkplätze durch einen ersten Abschnitt zweigeschossiger Parkierungsflächen ersetzt. Auch eine Fläche für Temporärnutzungen – zum Beispiel zum Errichten eines Festzelts – erhält das Sportzentrum. Ein dreieckiger Platz und ein Park werden ebenfalls innerhalb der ersten Etappe realisiert.
 
Für die zweite Etappe sehen die Planer die Errichtung der restlichen Infrastruktur vor. Eine Eventhalle entsteht in räumlicher Fortsetzung der Sporthalle. Die Fläche für Temporärnutzung wird dabei leicht verschoben. Die übrigen zweigeschossigen Parkflächen, zwei weitere Spielfelder, ein zweites Eisfeld und ein Dach über beide Eisfelder werden in Schritten realisiert. Die Kapazität der Unterkünfte wird durch Aufstockung verdoppelt.

Bericht der Jury

Gesamthaft handelt es sich für das Beurteilungsgremium um eine hervorragende, reife Lösung der stadträumlichen, landschaftlichen und funktionalen Herausforderungen.
 
«Die Eingriffe wirken harmonisch und selbstverständlich und es entsteht eine neue stabile Ordnung, ein Gleichgewicht zwischen Bauten und Aussenräumen. Der Wert des Raumes Au wird durch dieses Projekt als Erholungsraum für die Bevölkerung, als Sport- und Veranstaltungscluster und auch als Naturraum wesentlich erhöht. Es kann ein Ort mit spezifischer Identität entstehen.»
 
Verschiedene Kritikpunkte, die die Jury in ihrem Bericht anbringt, müssen von der Arge Oskar Leo Kaufmann, Albert Rüf Ziviltechniker GmbH und Bauchplan noch bearbeitet werden.
 
Zentrum des Projekts «Sportcampus» ist der dreieckige Platz im Vorbereich von Hallenbad, Eisfeldern und bestehender Halle. Mit dem Neubau von Sport- und Kletterhalle erhält dieser Platz, der über den Grossbruggerweg an das benachbarte Quartier angeschlossen ist, eine südliche Begrenzung. Er stellt die zentrale Drehscheibe aller Sportaktivitäten dar. Hier findet auch der Richtungswechsel statt zwischen der Ausrichtung der Sportbauten- und -anlagen einerseits, die sich am Fluss des Rheins orientieren, und andererseits der Geometrie der Autobahn, auf die sich auch die benachbarten Gewerbegebiete geometrisch ausgerichtet haben. Gemäss der Jury ist ein schlüssiges, stimmiges Ensemble ablesbar, das sich durch Klarheit und Spannung auszeichnet. Das Ganze wirke sehr selbstverständlich und im Ausdruck angemessen. Dies gelte auch für die Raumschichtung, welche durch die Situierung der Sporthalle und der Eventhalle erreicht wird.Die Erschliessungsstrasse und die Parkplätze nutzen den lärmbelasteten Bereich entlang der Autobahn, während die übrigen Aussenräume abgeschirmt in lärmgeschützten Bereichen angeordnet sind. Die Eventhalle ist auf den südlichen Ankunftspunkt an der Pulvermühlestrasse ausgerichtet und gibt auch diesem Ort längerfristig eine gewisse Bedeutung.
 
Die konzentrierte Anordnung des Restaurants, der Seminarinfrastruktur und der Unterkünfte setzt einen Teilabbruch der Hochbauten des Schwimmbades voraus. Dies sei angesichts der Wirkung dieser Massnahme angemessen, schreibt die Jury in ihrem Bericht, zumal diese Nutzungen an attraktiver und zentraler Lage zusammengefasst werden. Die gewählte Anordnung der Bauten und Anlagen, inklusive der Parkierung wirke sich günstig für die Etappierung aus. Die Reithalle könne grundsätzlich bei allen Etappen stehen bleiben.

Aussen- und Freiräume

Die Zonenaufteilung der Aussen- und Freiräume erfolgt durch Geländekammern. Der Auenwald des Rheins wird nicht angetastet. Zwischen den geometrisch angeordneten, durch Erdwälle mit integrierten Garderoben gegliederten Sportfeldern und dem Mühlbach wird ein parkartiger, dicht bepflanzter «Filter» aufgespannt. Der Mühlbach seinerseits begrenzt den gegliederten Aussenraum von Sport- und Eventhalle. Jeder Teil des Aussenraums hat eine spezifische Identität.Der zentrale, dreieckige Platz wird mit frei in grünen Inseln angeordneten Bäumen räumlich definiert, während der Mühlbach offen und durch Grün begleitet, den Fassaden der begrenzenden Bauten folgt. Die Jury bewertete diesen Bereich folgendermassen: «Die Gestaltung (...) wirkt überinstrumentiert und bezogen auf mögliche Nutzungsszenarien wenig zweckmässig. Auch wird die freie Bespielbarkeit dieses wichtigen Aussenraumes zu sehr eingeschränkt. Zudem wird die Erschliessung und die Anlieferung der Eishalle / Eventhalle eingeschränkt. Die Situierung der Baumreihen beim Parkplatz und im offenen Feld wirkt etwas beliebig.»

Hochbauten und Funktionalität

Die räumliche Komposition der Hochbauten zeichnet sich für das Beurteilungsgremium durch Präzision, Ablesbarkeit und Angemessenheit aus. Durch die Absenkung der Sporthalle werde das sichtbare Bauvolumen reduziert, während die Kletterhalle am zentralen Platz einen baulichen Akzent schaffe, der auch eine Fern- und Signalwirkung haben wird. Die unterirdischen und ebenerdigen Parkplätze sind zwischen den neuen Hallen und der Nationalstrasse zweckmässig angeordnet. Das Projekt besteche durch eine attraktive Route für den Langsamverkehr entlang dem Mühlbach, jedoch funktioniere die Anlieferung für die Eishalle und die Eisfelder in dieser Weise nicht, monierte die Jury.
 

Kurz notiert

Die Jury macht folgende Bemerkungen zu funktionalen Aspekten beim Betrieb:
  • Sehr zentral gelegene Empfangssitua- tion, von der aus auch das Hallenbad und das daran angebaute neue Restaurant gut zugänglich sind.
  • Überzeugende Lösung für die Anordnung und Erreichbarkeit der Unterkünfte und Seminarräume an attraktiver Lage mit kurzen Wegen.
  • Dank offener Erdgeschossgestaltung sind alle wichtigen Anlagen sehr gut einsehbar.
  • Gut getrennte Zuschauer- und Sportlerströme im Eventfall
  • Zum Teil eher üppige Dimensionierung, insbesondere der Zugangs- und Ver kehrsflächen, vor allem des Eingangs- und Foyerbereiches Sporthalle/ Kletterhalle.
  • Die Wirtschaftlichkeit dieses Projekt liegt im Quervergleich im Mittel.