Vom kalten zum warmen Bad

Vom kalten zum warmen Bad

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Teaserbild-Quelle: zvg
Nach langem Hin und Her wird auf Rigi Kaltbad mit der Realisierung des Mario-Botta-Projekts für ein Thermalbad und mit der Neugestaltung des Dorfplatzes begonnen. Ins-gesamt werden rund 50 Millionen Franken investiert. Die Region Rigi soll touristisch attraktiv bleiben und neue Besucher anziehen.
 
 
Rigi Kaltbad hat, wie der Name bereits sagt, seinen Ursprung im Kalten Bad auf der Rigi. Schon im 16. Jahrhundert war der Ort bekannt für sein Heilwasser. Das Kalte Bad zu Rigi entwickelte sich zu einem bekannten Wallfahrtsort und 1545 wurde eine erste Badkapelle erstellt. Noch heute steht die 1784 erbaute Kapelle direkt neben der Quelle, die aus einer Felsspalte hervorquillt.
 
Die Bezeichnung «Rigi – die Königin der Berge» kommt also nicht von ungefähr. Das neue Mineralbad & Spa Rigi Kaltbad will an die alten Traditionen anknüpfen. In einem Gebäude, gestaltet durch den Tessiner Architekten Mario Botta, soll das Baden wieder den Stellenwert erhalten, den es früher hatte. Das Mineralbad & Spa Rigi Kaltbad liegt unter dem neu errichteten Dorfplatz, dem «Giardino Minerale» von Mario Botta. Begrenzt wird dieser Platz auf der einen Seite durch die zukünftige Station der Vitznau-Rigi-Bahn und auf der anderen Seite durch einen markanten Rundturm, der sowohl Eingang ins darunterliegende Bad als auch Verbindung zur Bergstation der Seilbahnstation nach Weggis darstellt. Der neue Dorfplatz wird geprägt durch acht Glasoberlichter, die etwa. 3,5 Meter hoch aus dem Boden hervorstossen und an Bergkristalle erinnern.
 
Dem Platz vorgelagert ist eine rund 80 Meter lange Aussichtsterrasse. Der dahinterliegende Teil ist zwar architektonisch gestaltet, kann aber auch für Anlässe genutzt werden. Das Bad selber wird als Ort der Ruhe und Entspannung errichtet, wobei die Räume durch die Gestaltung von Mario Botta sakral und besinnlich wirken sollen. Tagsüber geniesst man als Badegast vom Innen- oder Aussenbad die einmalige Aussicht von Rigi-Kaltbad auf die Bergwelt. In der Nacht wird das Baden wie in grossen, ausgewaschenen Felsnischen unter den Kristall-Oberlichtern durch sanfte Beleuchtung und das Wasser aus den Quellen von Kaltbad als mystisches Erlebnis noch verstärkt.
 
Ein «Kaltbad» hätte wohl keinen Erfolg. Im neuen Bad ist das Wasser 35 oder 37 Grad warm. Das Gebäude, im Minergie-Standard erstellt, wird zu 90 Prozent mit Pellets geheizt. Seit längerer Zeit prüft man zudem mit der Korporation Weggis den Einsatz einer Stückholz-/Spältenheizung. Gemäss aktuellsten Ergebnissen sollte der Einsatz einer derartigen Energieerzeugung nun definitiv möglich sein. Somit würden im zukünftigen Bad rund 75 bis 80 Prozent der Energie mit Holz von der Rigi abgedeckt. Dies wäre für die Umwelt wie auch für die Region eine optimale Lösung, denn die Waldbewirtschaftung auf der Rigi ist einerseits zwingend, aber auch sehr aufwendig und deshalb unwirtschaftlich, und mit der neuen Lösung könnten viele mühsame Transportwege hinunter ins Tal eingespart werden. Zudem ist Holz als Energieträger CO2 neutral und erneuerbar.
 
Ein weiterer Teil der Energie würde nach aktuellen Planungen zudem mit Solarzellen für die Warmwasseraufbereitung genützt werden können, sodass lediglich noch etwa zehn Prozent mit einer konventionellen Ölheizung abgedeckt werden müssten. Diese ist aber bei einem allfälligen Ausfall der Holzheizung und für absolute Spitzen sowieso zwingend notwendig.

Wellness-Bereich ohne Kinder

Die Anlage ist aufgeteilt in zwei Bereiche; das Thermalbad ist für alle Generationen zugänglich, während der Spa, der Wellness-Bereich, ausschliesslich Erwachsenen vorbehalten ist.
 
Der Besucher des Thermalbads wird in einer grossen Vorhalle im Eingangsgeschoss, einem Geschoss unter dem Dorfplatz, empfangen. Von dort aus gelangt er via Umkleidekabine in die Badehalle. Diese ist geprägt durch das Innenbecken, das sich mit einer mit riesigen Nischen ausgeformten Steinwand über 30 Meter entlang hin zum Aussenbecken entwickelt. Nach der mit Steinlamellen geschützten Glasfassade erfolgt der freie Panoramablick vom hinteren Teil des Innenbeckens und vor allem dann vom Aussenbecken her in die Berglandschaft.
 
Das Badeerlebnis findet seine Fortsetzung im darunterliegenden Geschoss mit dem lang gezogenen Dampfbad, das in einen mit gewärmten Steinliegen ausgestatteten Ruheraum führt. Ruhen und Entspannen sind aber auch in der darüberliegenden Badehalle möglich, oder aber man lässt sich auf eine längere Badereise ein und taucht in das Baderitual des Spa ab. In diesem Anlageteil wird der Badegast in einer Abfolge durch mehrere Räume geführt, in der nur noch Ruhe und Entspannung auf dem Programm stehen.
 
Höhepunkt dabei ist das Kristallbad, bei dem der Gast in einem rund 50 Quadratmeter grossen, gefluteten Raum im 37 Grad warmen Wasser, neun Meter unter dem Niveau des Dorfplatzes in einen der 3,5 Meter hohen Kristalle hinaufschaut. In diesem Anlageteil befinden sich neben dem Kristallbad ein Dampfbad, eine Bio-Sauna, eine Ruhezone sowie verschiedene Behandlungsräume für Massagen, Bäder und Packungen. Das Bad wird zudem unterirdisch mit dem Hotel Hostellerie verbunden sein, sodass Gäste direkt vom Zimmer aus im Bademantel ins Bad gelangen. (pd/sz)
 
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 Was ist <>?

Aus der Rede des Schwyzer Volkswirtschatfsdirektors Kurt Zibung anlässlich des Spatenstichs am 28. August 2009 auf Rigi Kaltbad.
 
(...)Ziel des regionalpolitischen Projekts «Rigi Plus» ist es, ein einheitliches und stabiles Dach über die vielen Initiativen und Projekte rund um die Rigi zu bauen. (...) Um dies zu erreichen, löst «Rigi Plus» drei verschiedene parallel laufende Prozesse aus:
 
1. Erarbeiten einer gemeinsamen Vision
Gemeinsames Handeln setzt ein gemeinsames Ziel voraus. Eine «neue» Vision über die Zukunft der Rigi ist nötig, zu der sich alle Akteure – Bewohner, Unternehmer und Politiker – bekennen. Um auf dem Boden der Realität zu bleiben, wird dieser Entwicklungsprozess durch das Institut für öffentliche Dienstleistungen und Tourismus der Uni St. Gallen begleitet. Die erarbeitete Vision ist verbindlich und gilt als Rahmen für den Einsatz öffentlicher Mittel. Sie dient aber auch dazu, ein Wir-Gefühl rund um die Rigi zu entwickeln und Investoren für diese Region zu begeistern.
 
2. Aktivitäten bündeln und konkrete Projekte entwickeln
«Rigi Plus» findet aber nicht nur auf dem Papier statt. Der Schwerpunkt liegt bei der Umsetzung von konkreten Massnahmen. Seppi Odermatt hat bereits eine Liste von rund 50 Ideen oder bereits bestehenden, aber nicht vernetzten Projekten zusammengestellt. Seine Aufgabe ist es, diese Einzelmassnahmen an der Vision zu messen, sie inhaltlich zu begleiten, mit anderen Projekten zu vernetzen, eine Trägerschaft zu finden oder bei der Finanzierung und der Kommunikation Unterstützung zu leisten. Gleichzeitig werden in Workshops neue Ideen entwickelt. Dazu drei mögliche Beispiele:
• Der neue Dorfplatz auf dem Mineralbad wird als Ort und Ausgangspunkt kultureller, sportlicher oder gesellschaftlicher Anlässe genutzt.
• Alle beteiligten Gemeinden unterhalten die Wanderwege gemeinsam und koordinieren ihre Infrastrukturaufgaben in der künftigen «Rigi- Konferenz».
• Die verschiedenen touristischen Akteure und Organisationen am und um den Berg arbeiten immer intensiver zusammen. Sie vermarkten die Destination gemeinsam und erschliessenneue Zielgruppen durch entsprechende Angebotsgestaltung.
 
3. Sensibilisieren und kommunizieren
Damit kommen wir zu der wohl anspruchsvollsten Aufgabe: die Sensibilisierung der Einwohner und die Kommunikation. Der Erfolg des Projekts hängt von der aktiven Teilnahme vieler Personen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft ab. Wir brauchen Leute, die Ideen entwickeln, sich an Netzwerken beteiligen oder selber Projekte realisieren. (...)
 

INFO

Zeitplan
Nach mehreren Projekten mit verschiedenen Beteiligten und Konsortien in den vergangenen fünf Jahren übernahm Aqua-Spa-Resorts im Herbst 2008 die Initiative, nachdem für den Hotelbereich ein Partner gefunden worden war. Im Dezember 2008 wurde ein neuer Gestaltungsplan über das Gesamtprojekt Rigi Kaltbad eingereicht. Es beinhaltet den Dorfplatz mit dem darunterliegenden Bad, die neue Station der Vitznau-Rigi-Bahn sowie die Erstellung der Wohnanlage Bellevue. Mit den Abbruch- und Aushubarbeiten ist bereits begonnen worden. Nach einer Pause über die Winterzeit soll bis zur Winterpause 2010/2011 der Rohbau abgeschlossen sein und die Eröffnung im Herbst 2011 erfolgen.
 
1. Etappe
Für rund 26 Millionen Franken werden das Mineralbad und Spa (Wellness-Bereich) gebaut und der Dorfplatz wird neu gestaltet. Investorin ist die Credit Suisse (Immobilienfonds). Die Eröffnung ist für 2011 vorgesehen.
 
2. Etappe
Für 24 Millionen wird die Hostellerie saniert (durch den Argauer Möbelunternehmer Rolf Kasper) und im Bereich Bellevue werden 15 Eigentumswohnungen neu erstellt. Die Rigi-Bahnen bauen die Rigi-Bahn-Station neu (auch ein Botta-Projekt). Es entstehen ein neues Gleis und ein neuer Bahnhof mit Laden, Tourismusbüro und Post; die Perronanlagen werden vergrössert. Das Stationsgebäude soll 2012 fertig sein.(pd)