«Toblerone» schmeckt nicht allen

«Toblerone» schmeckt nicht allen

Gefäss: 
Im Stadtquartier Wipkingen in Zürich ist ein Neubau geplant. Wegen der sogenannten Arealüberbauung dürfen die Gebäude des Neubaus höher werden als die umliegenden Häuser. Ein Umstand, der die Nachbarn ärgert.
 
Mit jedem Jahr wächst die Stadt Zürich um 2800 Zuzüger. Deshalb investiert die Limmatstadt fleissig in Wohnungen. Wurden im Jahr 2008 noch 3514 Appartements gebaut, sollen es bis im Jahr 2012 bereits 8000 werden. Dies teilte die Abteilung Stadtentwicklung vor kurzem mit. Alles gut, könnte man meinen. Wäre da nicht das Problem der Zersiedelung, die nicht nur ländliche Touristengebiete bedroht, sondern auch die Agglomerationen grosser Städte. Um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, kennt die Schweiz das Konzept des verdichteten Bauens. So sehen der Gesetzgeber des Planungs- und Baugesetzes sowie die kommunalen Bau- und Zonenordnungen (BZO) für die Bebauung von Wohnquartiergebieten sogenannte Arealüberbauungen vor. Diese erlauben eine wesentlich dichtere Bewirtschaftung von Grundstücken als die BZO. Allerdings müssen zwei Bedingungen erfüllt sein, damit die Arealüberbauung angewendet wird: Das Grundstück muss eine Mindestgrösse aufweisen (in der Stadt Zürich ab 6000 Quadratmeter) und die geplante Überbauung muss gestalterisch besonders gut sein.

Alte Häuser müssen weichen

Mit jedem Jahr wächst die Stadt Zürich um 2800 Zuzüger. Deshalb investiert die Limmatstadt fleissig in Wohnungen. Wurden im Jahr 2008 noch 3514 Appartements gebaut, sollen es bis im Jahr 2012 bereits 8000 werden. Dies teilte die Abteilung Stadtentwicklung vor kurzem mit. Alles gut, könnte man meinen. Wäre da nicht das Problem der Zersiedelung, die nicht nur ländliche Touristengebiete bedroht, sondern auch die Agglomerationen grosser Städte. Um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, kennt die Schweiz das Konzept des verdichteten Bauens. So sehen der Gesetzgeber des Planungs- und Baugesetzes sowie die kommunalen Bau- und Zonenordnungen (BZO) für die Bebauung von Wohnquartiergebieten sogenannte Arealüberbauungen vor. Diese erlauben eine wesentlich dichtere Bewirtschaftung von Grundstücken als die BZO. Allerdings müssen zwei Bedingungen erfüllt sein, damit die Arealüberbauung angewendet wird: Das Grundstück muss eine Mindestgrösse aufweisen (in der Stadt Zürich ab 6000 Quadratmeter) und die geplante Überbauung muss gestalterisch besonders gut sein.Die Baugenossenschaft Denzlerstrasse (BDZ) verfügt über ein solches Grundstück. Sie verfügt ausserdem laut dem Baukollegium der Stadt Zürich über ein gestalterisch besonders gutes Projekt, weshalb sie nicht nur den Bonus für Arealüberbauung, sondern Anfang Jahr auch die Baubewilligung für dieses Projekt erhielt.
 
Beim Projekt handelt es sich um einen Neubau, der im Quartier Wipkingen zwischen der Breitensteinstrasse und Hönggerstrasse stehen soll. Seinetwegen müssen die bestehenden 24 Häuser mit 147 Wohnungen aus den Jahren 1923 bis 1930 weichen. «Wir konnten die alten Häuser leider nicht mehr erhalten», versichert Peter Keller von der BDZ. Zu den Gründen sagt er, dass die Bausubstanz zu stark gelitten habe. Ausserdem entspräche die Infrastruktur nicht dem neusten Stand der Technik und das Raumangebot nicht den heutigen Anforderungen. Deshalb entschied die Genossenschaft, die alten Häuser nicht mehr zu erhalten und dafür auf dem 15 000 Quadratmeter grossen Areal den Neubau zum Zuge kommen zu lassen.

Grünflächen sind geplant

Für den Neubau verantwortlich zeichnen «pool Architekten» aus Zürich. Geplant sind zwölf Gebäude, die so verteilt sind, dass sie das Gelände in drei Teile einteilt.
 
Der erste Teil ist das Hauptareal, auf dem sechs mehrstöckige Wohnhäuser mit je einem Dreieck-Grundriss stehen sollen. Neben diesen Gebäuden befindet sich der Kopfbau des Hauptareals, der neben Wohnungen auch Platz für Läden und einen Gemeinschaftsraum bieten wird. Des Weiteren wird sich in diesem Gebäude die Verwaltung einquartieren. Zwischen den sieben Häusern sollen grosszügige Grünflächen angelegt werden.
 
Oberhalb dem Hauptareal befindet sich der zweite Teil des Geländes. Auf diesem Grundstück sind zwei Gebäude geplant, die ebenfalls Wohnungen aufweisen. Auch hier sollen zwischen den Gebäuden Grünflächen angelegt werden.
 
Gegenüber des Hauptareals befindet sich der dritte Teil des Geländes. Dort werden drei Gebäude gebaut, in denen neben Wohnungen auch ein Kindergarten zu finden sein wird.

Gute Durchmischung erwünscht

Insgesamt wird es 173 zwei- bis fünfeinhalb Zimmer Wohnungen geben. Die Mieten werden laut BDZ unterschiedlich hoch, dafür aber günstig sein. Von diesem Mix erhofft man sich eine gute Durchmischung der Mieter.
 
Die Gebäude sind alle im Minergie-Standard. Investiert werden rund 70 Millionen Franken. Baubeginn soll Ende 2010 sein. Die zweite Bauetappe ist für den Frühling 2012 vorgesehen. Pro Etappe rechnet die BDZ mit eineinhalb Jahren Bauzeit. Fertig mit dem Bau wäre man demnach frühestens Ende 2013.
 
Einen Strich durch die Rechnung könnten aber die Nachbarn machen. Denn ihnen gefallen die Toblerone-Häuser, wie sie die sechs Wohnhäuser auf dem Hauptareal wegen ihres Dreieckgrundrisses nennen, nicht. Sie stören sich aber nicht am Grundriss, sondern an der Höhe der Gebäude. Wipkingen ist nämlich eine W3-Zone, was heisst: Hier sind die Häuser höchsten drei Stockwerke hoch.

Nachhaltig bedeutet dicht bauen

Dank der verdichteten Bauweise darf die BDZ nun aber ihre dreieckigen Wohnhäuser höher errichten. Und zwar bis zu neun Stockwerke hoch – Attika- und Untergeschoss mitgerechnet. Ursprünglich wollte die BDZ siebengeschossige Häuser bauen, die ausserdem ein Attikageschoss aufweisen. Das stiess aber auf den Widerstand der Nachbarn. Diese befürchteten nämlich, dass die hohen Häuser das Quartierbild von Wipkingen beeinträchtigen könnten. Hinzu kam, dass sie ihre Aussicht nicht einbüssen wollten.
 
Aufgrund dieser Kritik entschied die BDZ, die Häuser von sieben auf sechs Vollgeschosse zu reduzieren und auf das Attikageschoss zu verzichten. Trotz diesen Zugeständnissen sind die Nachbarn nach wie vor der Meinung, dass die Häuser zu hoch seien. Zwar zeigt die BDZ Verständnis für die Nachbarn. Trotzdem ist es für sie klar, dass am Konzept nichts mehr geändert wird. Denn: «Wenn man nachhaltig bauen will, muss man dicht bauen», so ihr Tenor. Ausserdem bleibe, so die BDZ, dank der Geometrie der Toblerone-Wohnhäuser ein Teil der Aussicht für die Nachbarn gewahrt.
 

INFO

Im Planungs- und Baugesetz des Kantons Zürich ist festgelegt: Wer über 6000 Quadratmeter oder mehr Land verfügt, kann in zweigeschossigen Wohnzonen (W2) dreigeschossig bauen und in allen übrigen Wohnzonen siebenstöckig. Rechnet man das Untergeschoss und das Attikageschoss dazu, erhöht sich die maximale Bauhöhe nochmals um zwei Stockwerke. In der W2-Zone ist eine maximale Gebäudehöhe von 11,5 Metern und in den übrigen Zonen von 25 Metern zugelassen. Auch die maximale Ausnützung ist in der Arealüberbauung höher als in der Regelbauweise, allerdings nur geringfügig. Im Gegenzug verpflichtet sich der Bauherr zu einer besonders guten Gestaltung und Ausstattung der Bauten. Das Amt für Städtebau verlangt in der Regel eine Testplanung, aus der die vorgesehenen Volumen hervorgehen, sowie einen Architekturwettbewerb. Zudem wird die Beziehung zum Ortsbild überprüft sowie die Gestaltung der Freiräume und die Energieeffizienz der Bauten.
 
 

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