Start-up: Ein Kindheitstraum im Grünen

Start-up: Ein Kindheitstraum im Grünen

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Teaserbild-Quelle: Pascale Boschung

Wenn aus dem Kindertraum mehr wird: Hatte Luc Jaggi mit jungen Jahren noch den Wunsch nach einem eigenen Baumhaus, nahm er es Jahre später selbst in die Hand. Zusammen mit Berufskollege Florian Jampen plant er die Gründung einer GmbH, die Kinder mit den hölzernen Hütten beglücken soll.

Der Prototyp in Grossaffoltern, den Luc Jaggi im Rahmen seiner Vertiefungsarbeit während der Schreinerlehre gebaut hat.
Quelle: 
Pascale Boschung

Der Prototyp in Grossaffoltern, den Luc Jaggi im Rahmen seiner Vertiefungsarbeit während der Schreinerlehre gebaut hat.

«Helfen Sie uns dabei, Kinderaugen zum Leuchten zu bringen», sagt Florian Jampen im Promotions-Video von MeinBaumhaus auf der Crowdfunding-Plattform www.100-days.net. Ziel sind 20‘000 Franken für die erste eigene GmbH, die er zusammen mit dem gelernten Schreiner und Kollegen Luc Jaggi gründen will. Denn die engagierten Jungunternehmer haben eine Marktnische gefunden: das Bauen von Baumhäusern. Entdeckt hatte diese Luc Jaggi als Kind. Angefangen hatte alles mit dem Wunsch nach einem eigenen Baumhaus. Da seine Eltern nicht über die notwendigen handwerklichen Fähigkeiten verfügten, machten sie sich auf die Suche nach einem Fachmann. «Die Kosten wären aber viel zu hoch gewesen», erzählt Jaggi. «Dabei stellten wir fest, dass es keinen Profi in der Schweiz gibt, der Baumhäuser anbietet.» 

Jahre später, als der heute 19-Jährige bereits in der Schreinerlehre war, bot sich ihm die Chance, seinen Kindheitstraum doch noch zu verwirklichen: Die Vertiefungsarbeit stand an. Das passende Thema hatte er natürlich rasch gewählt. Mit der Hilfe zweier Kollegen aus der Berufsschule folgte dann der erste Prototyp eines Baumhauses in einem Waldstück bei Suberg-Grossaffoltern in Bern. Der Immobilienbesitzer und der zuständige Förster gaben ihnen grünes Licht für das Projekt.

Während der Vertiefungsarbeit traf er auf den auf den damals 18-jährigen Florian Jampen, der gegenwärtig das letzte Jahr der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Bern absolviert. Die Beiden lernten sich 2015 am Start-Up-Weekend Bern kennen. «Hier kommen Leute aus allen Geschäftsbereichen zusammen und lernen die Grundlagen zur Unternehmensgründung», erklärt der heute 20-Jährige, «Wir kamen erst am Ende des Wochenendes, eigentlich auf der Heimfahrt, miteinander ins Gespräch.» Nachdem klar war, dass sie die gleichen Interessen hatten, beschäftigten sie sich intensiv mit ihren Ideen: Es folgten Konzepte, Gespräche mit Profis und Bauleuten sowie Weiterbildungskurse und Abklärungen mit Statikern. Die Gründung einer GmbH drängte sich auf, für die sie das Startkapital schliesslich mithilfe der Crowdfunding-Seite sammeln wollten.

Geschäftsidee mit «Best Idea» prämiert

Die Geschäftsidee sei momentan ein Teilzeit-Projekt, wie der Student erklärt. «Langfristig ist natürlich gedacht, dass wir das irgendwann hauptberuflich machen können.» Einen fixen Plan gebe es aber noch nicht. Die beiden Jungunternehmer wollen erst abwarten, wie sich das Ganze entwickelt. Positive Erfahrungen konnten sie mit der Geschäftsidee aber bereits machen: Sie kamen unter die Top fünf am Berner Business Creation Wettbewerb 2017, erhielten 1000 Franken Preisgeld und wurden mit der Auszeichnung «Best Idea» prämiert. Damit konnten sich die Freunde gegen 27 andere Teams durchsetzen.

Bei der Geschäftsidee zu «MeinBaumhaus» liege der Fokus auf Privatpersonen. Sicherheit wird bei den beiden gross geschrieben: «Da wir relativ am Anfang stehen, ist es besser, vorerst nur Standardbauten zu machen. Wir wollen ein möglichst schönes Baumhaus anbieten und dieses dann weiterentwickeln», meint der Schreiner. So sei das Geschäft ein Nischenmarkt. «Von unseren Kapazitäten her können wir dieses Jahr zudem nur zwei bis drei Baumhäuser stemmen, da wir nur Teilzeit daran arbeiten», erklärt Jampen. Nach ihren Vorstellungen muss es jedoch nicht für immer bei den Standardbauten bleiben: «In ein paar Jahren können wir sicher sagen, ob wir auch andere Formen anbieten können.»

Bei der speziellen Befestigungsmethode werden drei Stahlseile um den Baum gespannt und keine Schrauben benötigt.
Quelle: 
Pascale Boschung

Bei der speziellen Befestigungsmethode werden drei Stahlseile um den Baum gespannt und keine Schrauben benötigt.

Pfahlbauten wenn kein Baum vorhanden

Den Umfang der Leistungen kann der Kunde selbst bestimmen. «Wir wollten die Option für die eigene Verwirklichung des Baumhauses offen lassen. So können die Eltern mit ihren Kindern den Bau zum Erlebnis machen», erklärt Jaggi. In diesem Fall übernehmen die Jungunternehmen für 3900 Franken den Bau einer sicheren Plattform am gewählten Baum. Daneben bietet sich auch eine Gelegenheit für handwerklich Versierte: Für 350 Franken kann man den Bauplan für das Standard-Baumhaus kaufen und damit komplett selbst Hand anlegen.  «Daneben arbeiten wir zurzeit an einer vierten Möglichkeit. Diese beinhaltet den Bau eines Pfahlhauses für 8900 Franken, wenn die Familie keinen geeigneten oder gesunden Baum besitzt», so Jampen. Und zu guter Letzt gibt es natürlich auch die Option für 6900 Franken, bei der ein komplettes Baumhaus gebaut wird.

Beim Bau eines Häuschens müssen natürlich auch einige Abklärungen getroffen werden. «Unser Baumhaus ist mit einer Grösse von vier Quadratmetern im Kanton Bern zwar nicht bewilligungspflichtig. Aber die Frage nach der Bauzone muss trotzdem geklärt werden», sagt der Student. In den meisten Fällen bestehe aber die Chance, dass Jampen und Jaggi nicht viel abklären müssen und damit wenige Hürden auftreten.

Der Ausweitung des Angebots über Bern hinaus stehen die beiden ebenfalls positiv gegenüber. So wäre das Realisieren eines Baumhauses in einem anderen Kanton für sie kein Hindernis. Zwischen den Kantonen zeigen sich vor allem Unterschiede in den Vorschriften zu Grösse und Grundfläche der Baumhäuser. Die geringe Grösse von vier Quadratmetern gehe nach den Jungunternehmern wohl in den meisten Kantonen nicht über die festgelegte Maximalgrösse für nicht bewilligungspflichtige Bauten hinaus.

Befestigungsmethode ohne Schrauben

Beim Bau kommt eine spezielle Befestigungsmethode zum Zug. «Der Baum wird von drei Stahlseilen umspannt, die angezogen werden», erklärt der Schreiner «Dabei wird der gewählte Baum nicht verletzt, und es werden keine Schrauben benötigt.» Mit dieser Methode kann der Baum noch wachsen, da der Zug jederzeit gelöst werden kann. Der Prototyp hat mit dieser Methode denn auch die Zeit ohne grosse Spuren überstanden. Denn das Häusschen steht mittlerweile seit einem Jahr im Waldstück. «Wir haben das Haus mit einem Statiker angeschaut, der uns bestätigen konnte, dass sich nichts verändert hatte», sagt Jaggi. Daneben verwendet «MeinBaumhaus» zudem ausschliesslich FSC-zertifiziertes Holz für die Hütten, um eine nachhaltige Waldnutzung zu garantieren.

Das Crowdfunding für das Startkapital der GmbH läuft, wie der Name der Plattform schon verrät, für 100 Tage. Dabei gilt die Regel: Ist das Spendenziel in dieser Zeit nicht erreicht, geht das gesammelte Geld wieder zurück zu den Spendern. Die Sammlung von «MeinBaumhaus» läuft noch etwa neun Tage. Wer das Projekt unterstützen möchte, erhält denn auch ab 70 Franken einen von 20 Bauplänen für das Baumhaus. Und sollte der Betrag von 20‘000 Franken nach ablaufen der Frist nicht erreicht werden, sei das für sie sicher kein Hindernis: «Wir würden das nicht als Niederlage ansehen, eher als Chance um daraus zu lernen und es für die Zukunft besser zu machen», schliessen der Schreiner und der Student. (Pascale Boschung)

Zur Crowdfunding-Seite für «MeinBaumhaus»: www.100-days.net/de/projekt/meinbaumhaus

Zur Homepage der Jungunternehmer: www.meinbaumhaus.ch

Luc Jaggi (19) und Florian Jampen (20) wollen mit MeinBaumhaus Kindern eine Freude machen.
Quelle: 
Pascale Boschung

Luc Jaggi (19) und Florian Jampen (20) wollen mit MeinBaumhaus Kindern eine Freude machen.

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Redaktorin Baublatt

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