Schon fast eine Autobahn

Schon fast eine Autobahn

Gefäss: 
Kreisel, Brücken, Tunnel: Die vielen Kunstbauten der Hochleistungsstrasse H2 im unteren Ergolztal dienen nicht der Bewältigung topografischer Hindernisse, sondern der Anpassung an ein dicht besiedeltes Gebiet.
 
Zwischen Liestal und Pratteln liegt kein Alpenmassiv – einen Tunnel wird es auf der neuen Verkehrsverbindung zwischen den beiden Ortschaften trotzdem geben. Die seit 2006 im Bau befindliche Hochleistungsstrasse H2 wird auf einer Länge von 2,2 Kilometern durch einen Tunnel geführt, dessen Projektierung wiederum einiges mit den Tunneln am Mont Blanc und am Gotthard zu tun hat: Die Brandunglücke darin haben zu einer Verschärfung von Tunnelbauvorschriften geführt, die auch bei der langwierigen Projektierung des Schönthal-Tunnels diverse Anpassungen nach sich zogen. Das ist nur eine von mehreren Hürden, die das 1995 beschlossene Strassenbauprojekt zu einem Vorhaben anwachsen liess, das vom Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektor Jörg Krähenbühl gegenwärtig auf 554 Millionen Franken veranschlagt wird. Fertiggestellt wird es voraussichtlich im Jahr 2013.
 
Eine weitere Hürde war denn auch die Finanzierung des 4,5 Kilometer langen Strassenabschnitts. Der unverzügliche Baubeginn wurde zusammen mit der Aufhebung des Verkehrssteuer-Rabatts als zusätzliches finanzielles Mittel durch eine Volksabstimmung im Jahr 2006 beschlossen. Jetzt durchläuft das Projekt seine intensivste Bauphase. Am 2. September erfolgte der Spatenstich zum Bau des Grosskreisels im nördlichen Abschnitt Hülften. Auch dem Baubeginn des Schönthal-Tunnels steht nun nichts mehr im Weg: Die drohende massive Verzögerung durch eine beim Kantonsgericht eingereichte Beschwerde gegen die Vergabe des Tunnelbau-Loses konnte verhindert werden. Durch eine Vereinbarung ist die Realisierung des Tunnels nun auf die beiden Arbeitsgemeinschaften «Tunnel Schönthal» und «TBT H2» aufgeteilt worden. Ein dritter dicker Balken auf dem Terminplan steht für den Bau der Ergolzbrücke. Die alte Brücke ist bereits abgerissen und die provisorische Ersatzbrücke gebaut.

Vier grosse Etappen

Das gesamte H2-Projekt lässt sich in vier Abschnitte aufteilen: Der mitten in Liestal liegende Abschnitt Süd besteht aus einem Tunnel-Teilstück und der neuen, um rund einen Meter höher gesetzten Ergolzbrücke. Auch der Anschluss Liestal Nord liegt auf diesem Abschnitt, der an die bereits bestehende, in Richtung Süden verlaufende H2 anschliesst. Der Abschnitt ist grösstenteils realisiert. Der Abschnitt Tunnel besteht aus zwei richtungsgetrennten, im Tagbauverfahren erstellten Fahrräumen. Über diesen wird je ein 1,80 Meter hoher Lüftungskanal durch eine Zwischendecke abgetrennt, derweil sich die Leitungskanäle mit den Löschwasser- und Abwasserleitungen, der Stromversorgung sowie den Signalkabeln für die gesamte Steuerung unter den beiden Fahrbahnen befinden. Auf den Tunnel-Abschnitt kommt der Halbanschluss Frenkendorf/Füllinsdorf zu liegen. Der Abschnitt Nord weist ebenfalls einen Halbanschluss auf und ist geprägt vom ins Gelände eingefügten Grosskreisel Hülften mit 60 Metern Durchmesser sowie den Kunstbauten für dessen Zu- und Abfahrten. Die weiträumige Baustelle stellte eine komplexe verkehrstechnische Herausforderung dar, die mit ausgeklügelten Provisorien gelöst werden musste.Der Abschnitt Rheinstrasse – räumlich etwa parallel zum Tunnel-Abschnitt – bildet die letzte Etappe. Die dringend sanierungsbedürftige Rheinstrasse bleibt noch bis zur Fertigstellung der H2 die Hauptverkehrsader im unteren Ergolztal. Sie soll nach Inbetriebnahme der neuen Hochleistungsstrasse teilweise zurückgebaut, erneuert und gestalterisch aufgewertet werden. (Valentin Rabitsch)