Mehr von den Schätzen zeigen

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Teaserbild-Quelle: Bilder: Bau- und Verkehrsdepartement Basel
Das Kunsthaus Basel kann aus Platzmangel nur einen kleinen Teil seiner berühmten Sammlung ausstellen. Ein Erweiterungsbau soll Abhilfe schaffen. Der Wettbewerb ist nun entschieden. Zwei Projekte werden überarbeitet.

Zwei Basler und ein Genfer Architekturbüro stehen an der Spitze der Rangliste des Anfang Dezember 2009 entschiedenen Wettbewerbs für den Erweiterungsbau des Kunstmuseums Basel. Dies ist umso bemerkenswerter, als es sich bei den 24 Teilnehmern, die aus 134 Bewerbungen ausgesucht worden waren, um eine hochkarätige internationale «Besetzung» handelte (siehe auch Kasten «Prämierte Projekte» und «Die übrigen Teilnehmer»). Vier Büros waren im Rahmen der Präqualifikation als Nachwuchsteams zum Wettbewerb zugelassen. In diese Kategorie gehören sowohl Christ und Gantenbein Architekten Basel auf dem ersten Platz als auch das Team von «Made IN» aus Genf, das mit einem Ankauf Rang zwei besetzt. Der dritte Rang mit Platz zwei ging an Diener & Diener Architekten Basel.

Die Aufgabenstellung dieses im Frühling 2009 ausgeschriebenen Wettbewerbs war komplex. Die städtebaulich zentrale Lage inmitten einer Mischung von kleinteiliger, historischer Bausubstanz verlangte nach mehr als der Erfüllung der betrieblichen Anforderungen. Die Veranstalter wünschten sich einen zeitgenössischen Auftritt, aber auch einen sensiblen Umgang mit dem Kontext. Unter den eingereichten Projekten befinden sich Lösungen, die nach grosser Eigenständigkeit suchten, aber auch Vorschläge, für die die baulichen Dimensionen, die Einpassung in die gewachsene Struktur im Vordergrund standen. Laut Kantonsbaumeister Fritz Schumacher legte die Jury grossen Wert auf Massstäblichkeit. Damit erklärt er sich auch die Tatsache, dass es zwei «einheimische» Büros in die engere Wahl geschafft haben. Die Basler Büros hätten dieses Projekt offenbar mit grösster Sensibilität bearbeitet, während sich auswärtige Teilnehmer eher für einen Bruch im Massstab zur Stadt entschieden hätten.

Bernhard Mendes Bürgi, Direktor des Kunstmuseums, beschreibt die Erwartungen an den Erweiterungsbau als «ein Ausstellungshaus, das durch wechselnde Präsentationen immer wieder einen neuen Auftritt ermöglicht.» Dementsprechend stehen auf dem Raumprogramm an erster Stelle Ausstellungsräume, neben einem Foyer, einer Anlieferung für Kunsttransporte, einem Depot sowie diversen Infrastruktur- und Technikräumen.

Der neue Komplex kommt auf die Liegenschaft Burghof an der Dufourstrasse 5 zu stehen. Dies bedeutet, dass die Dufourstrasse, welche die beiden Areale trennt, über- oder unterquert werden muss, um Alt- und Neubau zu verbinden. Im Jurybericht steht denn auch zu lesen: «Für die Funktion des Erweiterungsbaus von entscheidender Frage ist die Qualität der Verbindung zum Hauptgebäude. Aber auch aus städtebaulicher, architektonischer Sicht ist das Thema einer unterirdischen oder oberirdischen Verbindung von höchster Bedeutung.»

Der Entwurf «Ohne Titel. 2009» im ersten Rang sucht die Verbindung im Untergeschoss, während das drittrangierte Projekt «Neunhundertdreiundvierzig» neben der unterirdischen auch oberirdische Verbindungen im ersten und zweiten Obergeschoss vorsieht. Das Genfer Team des zweitrangierten Vorschlags, «171270», sieht als einziges vor, einen Teil der im Raumprogramm verlangten Ausstellungsräume unter dem Eingangshof und den beiden nördlichen Flügelbauten des bestehenden Hauptgebäudes unterzubringen. Damit wird der Erweiterungsbau entlastet, und es eröffnen sich neue städtebauliche Möglichkeiten. «Dieser Denkansatz gefiel der Jury», so Fritz Schumacher. Das Projekt liess jedoch zu viele Fragen offen, als dass es für eine Weiterbearbeitung in Frage gekommen wäre, deshalb wurde es mit einem Ankauf ausgezeichnet.

Auf Empfehlung der Jury werden die Projekte des ersten und zweiten Preises im Rahmen eines Studienauftrages zu einer Überarbeitung eingeladen. Neben betrieblich funktionalen Verbesserungen erhofft sich das Preisgericht von der Weiterbearbeitung vor allem eine noch klarere architektonisch-städtebauliche Positionierung der Entwürfe. Der definitive Entscheid über das zu realisierende Projekt ist für März 2010 vorgesehen. Die Finanzierung soll zur Hälfte aus privaten Quellen und zur Hälfte durch einen Beitrag der öffentlichen Hand erfolgen. Die Kosten werden auf rund 100 Millionen Franken veranschlagt. Der Regierungsrat wird dem Grossen Rat im Sommer 2010 einen entsprechenden Vorschlag vorlegen.

Gemäss Zeitplan soll 2011 das Bauprojekt ausgearbeitet werden und 2012 das Bewilligungsverfahren über die Bühne gehen. Die Eröffnung ist auf Ende 2015 vorgesehen.

Regierungspräsident Guy Morin ist überzeugt, dass Basel den richtigen Weg einschlägt und mit dem Erweiterungsbau der Vision einer modernen, wirtschaftlich bestens situierten Grossstadt, deren Ruf über die Landesgrenzen ausstrahlt, einen Schritt näher kommt: «Denn wir planen nicht für die nächsten zehn, fünfzehn Jahre, nein, wir denken weiter und bauen für viele Generationen.»  (vra/pd)

Infos

1. Rang/1. Preis, «Ohne Titel.2009»
Christ & Gantenbein Architekten Basel
(Kategorie Nachwuchs),
Peter Stocker Generalplaner, Basel
2. Rang/Ankauf, «171270»
Made IN, Architekten, Genf (Kategorie Nachwuchs); tekhne SA, Lausanne
3. Rang/2. Preis, «Neunhundertdreiundvierzig»
Diener & Diener Architekten, Basel;
Brunnschweiler Heer, Zug
4. Rang/3. Preis, «Elizabeth»
SANAA K. Seijma R. Nishizawa, Japan
5. Rang/4. Preis, «Medici»
ARGE HHF Architekten, Basel, und
Ai Weiwei, China;
Techdata AG, Rotkreuz ZG
6. Rang/5. Preis, «High and Low»
Jessenvollenweider Architekten, Basel; Kuehn Malvezzi, Berlin.
 
Die übrigen Teilnehmer
– Alejandro Aravena Architects, CL; Ove Arup & Partners, GB
– Bachelard Wagner Architekten, CH, (Kategorie Nachwuchs);
   gsg projekt partner, CH
– Buchner Bründler AG, CH; S+B Baumanagement, CH
– Caruso St. John Architects, GB; OAP Offermann Architektur & Pro-
   jektmanagement, CH
– David Chipperfield Architects, D; Burckhardt+Partner AG, CH
– ARGE Degelo Architekten, CH, und Stump & Schibli Architekten, CH
– Gigon/Guyer Architekten, CH
– Ateliers Jean Nouvel,F
– Marcel Meili, Markus Peter Architekten, CH
– Miller & Maranta, CH
– ARGE Morger Dettli Architekten, CH, und Bearth & Deplazes Archi-
   tekten AG, CH
– Office for Metropolitan Architecture, NL
– Pedrocchi Meier Architekten (Kategorie Nachwuchs), CH;
   Aebli Zimmermann AG, CH
– Atelier Peter Zumthor, CH
– Rafael Moneo, E; Itten + Brechbühl AG, CH
– Souto Moura Arquitectos, P; A2017_architekten, CH
– Tadao
Ando, J; Blaserarchitekten / Rapp Arcoplan, CH
– Zaha Hadid Architects, GB