Mehr Platz für die grauen Riesen

Mehr Platz für die grauen Riesen

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Nach den Anlagen für Tiger, Löwen und Schneeleoparden sind die asiatischen Elefanten an der Reihe: Die Siebener-Gruppe erhält mit einem «Park» mehr Auslauf. Der Zoo will so die Haltungsbedingungen verbessern. Die landschaftliche Gestaltung spielt dabei eine besondere Rolle.
 
Das Projekt «Antoni» der Architekten Lorenz Eugster (Landschaft) und Markus Schietsch (Architektur) aus Zürich ist in einem zweistufigen Wettbewerb zur Weiterbearbeitung empfohlen worden. Nach Angaben der Jury platzieren die Architekten die neue Elefantenanlage gekonnt in eine neu zu schaffende Waldlichtung unterhalb des afrikanischen Gebirges. Durch Rodung eines Teils des bestehenden Waldes – damit wurde inzwischen begonnen – und bei gleichzeitiger Neuaufforstung auf der Gegenseite schafft das Projekt «interessante landschaftsräumliche» Beziehungen.
 
Ein raffiniert konstruiertes Hallendach überspannt sämtliche geforderten Innenräume für Tiere und Betrieb. Von aussen ist das Dach als grosse, bewegte Holzkuppel erkennbar, die sich in das neue Landschaftsbild einschmiegt. Der Projektleiter Philipp Heidemann von Markus Schietsch Architekten erläutert die Details: Der Holzbau ist als Schalentragwerk geplant und über 80 Meter gespannt. In der Konstruktion ist die Untersicht eine vollflächige Holzschale, die aus drei acht Zentimeter dicken Lagen besteht, die 60 Grad ineinander verschränkt sind. Auf der Tragschale gibt es, als Funktion einer weiteren Versteifung, Tragrippen in der Dämmebene, darüber eine Hinterlüftungsebene, auf der die wasserführende Schicht liegt. Durch die unregelmässigen Dachöffnungen entsteht der Eindruck eines Blätterdachs. Sie sorgen für eine ausreichende Belichtung der in der Halle üppig gepflanzten Vegetation.
 
Überspannt sind diese Öffnungen mit dem noch «jungen» Werkstoff ETFE-Folienkissen (Ethylen-Tetrafluorethylen, siehe auch Dach und Fassade Allianz-Arena Fussballstadion München), der leicht und widerstandsfähig ist. Heidemann erklärt, dass eine Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren bereits nachgewiesen sei. Ein Nachteil sei jedoch, dass er grosse Schneelasten nicht aushalte. «Aber auch bei einem Oberlicht aus Glas müsste man, um die Belichtung zu gewährleisten, den Schnee entfernen.»
 
Das Amt für Hochbauten hatte im Auftrag der Zoo Zürich AG einen anonymen Projektwettbewerb im offenen Verfahren mit anschliessendem nicht anonymem Studienauftrag durchgeführt. Gesucht waren Ideen für einen neuen, attraktiven Elefantenpark, der sich gut in den zoologischen Garten einfügt und der heutigen Betriebsphilosophie des Zoos entspricht. Im Rahmen des Masterplans Zoo Zürich 2030 soll nämlich eine «zeitgemässe, unverwechselbare sowie umwelt- und tierfreundliche Anlage entstehen, die sich in die Tradition integrierter Landschaftsausstellungen einzugliedern vermag».

Bezug zwischen Aussen und Innen

Im Herzen der Anlage befindet sich die Lodge. So eröffnet sich den Besuchern von dort aus ein Blick sowohl über die grosse Innenanlage wie auch über das Aussengehege mit den Elefanten, die möglicherweise Gesellschaft von Huftieren erhalten werden.
«Die Besucherlodge inklusive der weitläufigen Terrasse schaffen einen eindrucksvollen Bezug zwischen Aussen und Innen», heisst es in der Bewertung. Wenn auch die Schönheit des Entwurfs besonders überzeugt, vermerkt die Jury einige Mängel. So ist die Besucherführung im Innern trotz eines abwechslungsreichen, hindernisfreien Rundwegs noch nicht optimal konzipiert. Zudem führt eine Brücke über die Passage der Elefanten vom Aussen- ins Innengehege, was für das Management der Tiere problematisch ist. Sämtliche Mängel der Besucherführung seien jedoch durch eine der Dramaturgie angepasste Anordnung der Wege korrigierbar. Das Projekt schafft es durch seine Kompaktheit, alle Betriebsräume des Managements unter demselben Dach anzuordnen. Alle anfallenden Probleme sind jedoch für die Jury unter dem flexiblen Konzept der Überdachung zu lösen.
Der Elefantenpark soll 32 Millionen Franken kosten und bis 2012 fertig sein. Unter dem Motto «Mehr Platz für die Grössten» wird unter anderem auf Plakaten für Spenden geworben. 15 Millionen Franken fehlen noch.  (sz/pd)
 
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Ein kleines «Pantanal» für Zürich

Im Herzen von Südamerika und zum grössten Teil im Westen Brasiliens im Gliedstaat Matto Grosso liegt ein über 100 000 Quadratkilometer grosses Feuchtgebiet. Es gehört zum Unesco-Welterbe, ist aber akut bedroht. Im Zürcher Zoo entsteht für knapp zehn Millionen Franken seit dem Sommer des letzten Jahres eine Miniausgabe dieses riesigen Biotops. Es umfasst das frühere Gelände des Kiosks und des Picknickplatzes sowie die ehemaligen Anlagen der Sumpfwallabys (Kängurus) und der Bisons.
 
Diese Tiere sind nicht mehr im Zoo zu finden: Der Zoo begründet die Weggabe damit, den verbleibenden Tieren «optimale Bedingungen» bieten zu können.
Im Zentrum der neuen Anlage stehen vier Inseln für die Gelbbrust-Kapuzineraffen, die Totenkopfäffchen und die Köhlerschildkröten. Die Wasserbereiche um die Inseln dienen den Ameisenbären, Tapiren und Capybaras (Wasserschweine) als Badebereich; ihr Lebensraum wird mit dem Bau der Anlage vergrössert. Im Flachwasserbereich werden die jetzt sehr beengt lebenden Flamingos untergebracht.
Gebaut werden die Anlagen vom Landschafts- und Zooarchitekturbüro vetschpartner. Das Geld wird durch Spenden aufgebracht. Die Eröffnung ist im Frühjahr 2012 vorgesehen.
 
Technische Angaben
Fläche Aussenanlagen:
2950 Quadratmeter für Tiere und
1225 Quadratmeter für die Seefläche
Wasservolumen: 590 000 Liter
Das Wasser der Anlage wird mit einem Pflanzensandfilter gereinigt. (sz/pd)