Kalifornische Gefühle

Kalifornische Gefühle

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Teaserbild-Quelle: Peach Property Group
Auf der Halbinsel Giessen, dem Areal einer ehemaligen Textilfabrik, entstehen Luxus-Eigentumswohnungen. Die denkmalgeschützten Industriegebäude werden umgebaut.
 
Die Wohnungen des Peninsula Beach House führen so illustre Namen wie Malibu, Santa Monica, Venice, Long Beach oder Big Sur. Sie sind eine Anspielung auf das Florida- oder Kalifornien-Feeling des besonderen Ambiente der Wohnlage am Zürichsee. Der Komplex Beach House ist die erste Etappe in den umfangreichen Bauvorhaben der Peach Property Group in Zürich in der Höhe von 200 Millionen Franken.
 
Zurzeit sind die Erschliessungsarbeiten im Gang; noch in diesem Jahr soll es richtig losgehen: Auf knapp 10 000 Quadratmetern Fläche entstehen 23 Eigentumswohnungen mit einer Wohnfläche von zwischen 120 bis 290 Quadratmetern. Dazu gehört eine Wellness-Anlage für die Bewohner, sie ist im Verbindungsteil der beiden Wohnteile untergebracht. Dieser 416 Quadratmeter grosse Bereich verfügt über einen Pool, Wärmebad, Fitness, Squash, Sauna und Hammam. In der Nähe befindet sich der Seeclub. 3000 Quadratmeter Grünfläche mit einem separaten Seeeinstieg sind vor dem Haus reserviert. Eine Lärmschutzwand schirmt das Grundstück im südlichen Teil ab und verhindert so allfällige Lärmimmissionen vorbeifahrender Züge.
 

Je fünf Teams angefragt

Entworfen haben das Gebäude, das komplett neu auf einer ehemaligen Wiese erstellt wird, die Basler Architekten Buchner Bründler, die in Schanghai den Pavillon der Weltausstellung konzipierten. «Die ersten Wohnungen wurden schon beurkundet, bevor der offizielle Verkauf beginnt», sagt Bruno Birrer von der Peach Property Group. Der Bezug ist auf Ende 2012/Anfang 2013 vorgesehen. Wie Birrer weiter berichtet, hatte man 2008 je fünf Teams von Architekten und Gartenbauarchitekten einen Studienauftrag erteilt. «Wichtig war, dass auch dieser Teil mit dem Rest der Halbinsel harmoniert, dass Alt und Neu zusammenpassen.» Bezüglich der Fassade ist bisher bekannt, dass sie aus dunklem Klinkerstein bestehen wird.
 
Die zukünftigen Besitzer dürften grossen Wert auf Privatsphäre legen. Wird das Beach House mit seiner Wellness-Anlage etwa zu einer Art «gated community»? Birrer verneint und betont, dass der öffentlich-private Bereich allein durch gartenbauliche Massnahmen gestaltet werde. «Peninsula Beachhouse wurde konzeptionell als eine Oase der Lebensqualität und des Wohlbefindens geschaffen. Dies gilt für Wohnungseigentümer genauso wie für den für die Öffentlichkeit zugänglichen Bereich. Wir setzen dabei auf eine parkähnliche Landschaftsplanung, die über die Gliederung durch einheimische Bäume und Gräserfelder eine optimale Symbiose zwischen Privatsphäre und Zugang für die Öffentlichkeit erreicht.»
 

Seewärme nutzen

Bruno Birrer weist auf das Nachhaltigkeitskonzept hin. «Früh haben wir uns mit den Planern zusammengesetzt, um ein solches Konzept zu erarbeiten. So beziehen wir beispielsweise den Klinker für die Fassade aus einer lokalen Brennerei und nicht aus dem Ausland. Auch die Handwerker und Fachplaner stammen aus der Region.» Alle Häuser entsprechen im Übrigen dem Minergie-Standard. Zum Heizen wird die Wärme des Sees genutzt: «Schon allein dadurch sieht unsere Bilanz um 85 Prozent besser aus als bei normalen Neubauten.»
 

Historische Bauten

Auf dem Baufeld A, Aquatica genannt, finden insgesamt fünf Gebäude mit 41 Eigentumswohnungen Platz. Das Areal hat eine Fläche von 8000 Quadratmetern. Bei «Mansion» handelt es sich um die alte, geschützte Fabrikantenvilla, beim Dockside-Gebäude um die alte Textilfabrik Pfenninger und Cie Tuchfabrik, die zu Wädenswils markantesten historischen Gebäuden zählt. 1906 wurde sie von Robert Maillart entworfen. Der Bau bildet einen Annex mit Backsteinkamin. Auffallend sind die vielen grossen Fenster, die offenen Grundrisse und die vier Meter hohen Räume – interessante Voraussetzungen für Architekten. Geplant sind 24 loftartige Eigentumswohnungen. Am Erscheinungsbild des Baus ändere sich wenig, betont Birrer, die Backsteinfassade werde restauriert. Auch der 40 Meter hohe Kamin bleibe erhalten. «Wir haben uns mit dem Denkmalschutz zusammengesetzt. Es war nicht immer einfach, aber wir haben eine Lösung gefunden.» Wegen der an diesem Gebäude relativ nah verlaufenden Bahnlinie wurden spezielle Massnahmen gegen Schall und Vibration vorgesehen, gegen den Innenhof beziehungsweise öffentlichen Platz hin sind im Dockside eingezogene Loggien geplant. Das Projekt befindet sich in der Phase der Baueingabe. Die drei Aquatica-Gebäude liegen, wie es der Name sagt, direkt am Wasser. Sie werden teils neu erstellt, teils renoviert. Das vom See her weit sichtbare, neoklassizistische Gebäude unmittelbar am Wasser ist eines davon. Es wurde 1920 vom Architekten Albert Kölla erbaut und muss erhalten bleiben. Nach Erteilung der Baubewilligung rechnet man mit zwei bis drei Jahren Bauzeit. Auch diese Gebäude werden ihre Heizungswärme aus dem Zürichsee beziehen.
 
Am wenigsten weit gediehen ist das Baufeld in der Mitte. In den drei Gebäuden «Gardens» und «Mews» sind 18 von Spazierwegen und Gärten umgebene Eigentumswohnungen geplant. Dieses Projekt befindet sich noch im Planungsstadium, weshalb es darüber noch keine weiteren Informationen gibt.
 

Ein geschichtsträchtiges Areal

Vor über zehn Jahren wurde bereits ein Gestaltungsplan für das Industrieareal, dessen Glanz schon lange verblasst ist, entwickelt. In Zusammenarbeit mit lokalen, regionalen und kantonalen Behörden entstand nun das Projekt Peninsula, das der Öffentlichkeit mit dem etwa einen halben Kilometer langen sogenannten Zürichseeweg einen Zugang zum Seeufer gewährleisten soll. Daneben mussten die bedeutenden historischen Gebäude wie das 1906 von Robert Maillart entworfene Webereigebäude der Tuchfabrik Pfenninger (eingestellt 1976) und das 1920 von Kölla entwickelte Gebäude erhalten bleiben.
 
Die gesamte Halbinsel ist autofrei. Daher entsteht eine Tiefgarage für 250 Fahrzeuge. Das Grundstück für Peninsula beträgt 29 200 Quadratmeter. Mit der Fertigstellung aller Projekte rechnet man 2015. Sylvia Senz