Hochwasserschutz in Zürich: Platzspitzwehr wird erneuert

Hochwasserschutz in Zürich: Platzspitzwehr wird erneuert

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Teaserbild-Quelle: zvg

Das Zürcher Platzspitzwehr muss dringend erneuert werden, damit der Hochwasserschutz weiterhin gewährleistet bleibt. Die Baudirektion rechnet mit Kosten von rund 20 Millionen Franken. Das Projekt beinhaltet auch die Verschiebung des Mattenstegs und einen Fischpass.

Das 1951 gebaute Platzspitzwehr ist nach fast siebzig Betriebsjahren am Ende seiner technischen Lebensdauer. Mit jedem weiteren Betriebsjahr nehme die Zuverlässigkeit des Wehrs ab, schreibt die Baudirektion des Kantons Zürich in ihrer Medienmitteilung.

Die Uhr tickt

Eine Erneuerung des Wehrs sei unumgänglich, damit es seine Funktionen zur Regulierung des Zürichseeausflusses und zur Wasserkraftnutzung im Limmat-Kraftwerk Letten auch künftig wahrnehmen könne (siehe Box). "Im Hochwasserfall kann es zu wenig exakt gesteuert werden", erklärte Regierungsrat und Baudirektor Markus Kägi am 1. Februar an einer Pressekonferenz. Mit schlecht oder gar nicht steuerbaren Wehrklappen könne der Kanton als Eigentümer seinen Verpflichtungen aus Bundesrecht und Wehrreglement nicht mehr nachkommen und den Hochwasserschutz sicherstellen, betonte Kägi. Daher sei eine rasche Inbetriebnahme der neuen Wehranlage anzustreben.

Drei Massnahmen am Wehr

Heute wird angenommen, dass die Dachwehre etwa im Jahr 2023 das Ende ihrer technischen Lebensdauer erreichen. Nach der aktuellen Planung sollte die Erneuerung des Platzspitzwehres Ende 2024 abgeschlossen sein.

In den letzten drei Jahren hat die Baudirektion ein Vorprojekt erarbeitet. Der Regierungsrat hat dieses nun genehmigt. Es enthält drei Projektelemente:

  • Die heutigen Wehrverschlüsse, so genannte Dachwehre, werden durch zwei neue Wehrklappen in den bestehenden beiden Wehrfeldern ersetzt. Diese neuen Wehrverschlüsse seien problemlos und zuverlässig regulierbar, so die Baudirektion. "Die äussere Erscheinung des Wehrs wird sich kaum verändern und es wird weiterhin stetig und regelmässig etwas Wasser über beide Wehrfelder fliessen", versicherte Kägi.
  • Anstelle des Mattenstegs wird eine neue Zufahrtsbrücke erstellt und der alte Mattensteg rund 80 Meter flussaufwärts verschoben. Die neue Brücke dient zuerst als Zufahrt für die Bauarbeiten und danach für Unterhaltsarbeiten an der Wehranlage und am Platzspitz. Ziel dieser Aktion ist es, die alten, teilweise über 200 Jahre alten Platanen im Park vor Lastwagenpneus zu schützen: "Eine Zufahrt durch den Park ist mit schweren Fahrzeugen nicht möglich, da dies den Wurzeln des alten, geschützten Baumbestandes Schaden könnte", erklärt der Baudirektor.
  • Im bestehenden Mitteldamm zwischen Limmat und Oberwasserkanal des Kraftwerks Letten entsteht ein Mäanderfischpass. Er sei raumsparend und füge sich gut ins heutige Ortsbild ein, so Kägi. "Der neue Fischpass ermöglicht zahlreichen Fischarten, beim Platzspitzwehr wieder ihrem natürlichen Instinkt zu folgen und von der Limmat in den Zürichsee aufzusteigen." Der Bau eines Fischaufstiegs ist eine bundesrechtliche Vorgabe. Zugunsten der Fischpopulation begrüsse der Kanton Zürich diese aber durchaus, so Kägi weiter.

Projektkosten von rund 20 Millionen Franken

Kägi rechnet damit, dass allein die Erneuerung des Wehrs 13 Millionen Franken kosten wird. Durch den Fischpass kommen rund 3,5 Millionen Franken hinzu. Nochmals 3,5 Millionen werden gebraucht, um den historischen Mattensteg zu versetzen und an seiner Stelle eine Zufahrtsbrücke zu bauen. Die Gesamtinvestitionskosten betragen gemäss Vorprojekt somit rund 20 Millionen Franken – mit einer Genauigkeit von plus/minus 20 Prozent, wie die Baudirektion mitteilt.

Der Kanton rechnet damit, dass sich der Bund an den Kosten beteiligt. Von den insgesamt 20 Millionen Franken soll er rund 35 bis 45 Prozent übernehmen. Die detaillierten Kosten werden nach Vorliegen des Bauprojekts etwa im Frühling 2020 bekannt sein. Auf dieser Basis entscheidet der Kantonsrat voraussichtlich im Herbst 2020 über den Projektkredit für die Erneuerung des Platzspitzwehrs. (nsi/mgt/sda)

Zürcher Projekt «Hochwasserschutz Sihl, Zürichsee, Limmat»

Bei einem Extremhochwasser der Sihl sind das untere Sihltal, die Innenstadt von Zürich und das Limmattal überschwemmungsgefährdet. Das Schadenpotenzial wird gemäss Baudirektion des Kantons alleine für die Stadt Zürich auf bis zu 6,7 Milliarden Franken geschätzt. 2005 entging Zürich solch enormen Hochwasserschäden nur knapp. Seither verbessert der Kanton den Hochwasserschutz im Rahmen des Projekts «Hochwasserschutz Sihl, Zürichsee, Limmat» Schritt für Schritt. Als langfristige Lösung plant er momentan einen Hochwasser-Entlastungsstollen zwischen der Sihl bei Langnau am Albis und dem Zürichsee in Thalwil.

Das Platzspitzwehr hat durch seinen Beitrag zur Zürichseeregulierung eine zentrale Funktion im Zürcher Hochwasserschutzprojekt. Einerseits trägt es dazu bei, die Gemeinden entlang des Zürichsees vor Überflutungen der Ufer zu schützen. Anderseits sorgt es dafür, dass auch limmatabwärts die Hochwassersituation unter Kontrolle bleibt. Die Limmat und das Wehr haben zudem eine Aufgabe als Rettungsachse in Notfallsituationen, besonders bei Grossveranstaltungen. (mgt/nsi)