Eine Stadt erhält ein neues Quartier

Eine Stadt erhält ein neues Quartier

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Teaserbild-Quelle: zvg
Nach rund 120 Jahren gibt die Konservenfabrik Hero in Lenzburg AG ein sechs Hektar grosses Areal frei. Auf diesem soll sich nun ein neuer Stadtteil entwickeln, der dem Charakter und der Grösse der Stadt Lenzburg angemessen ist und zudem Vorbildcharakter aufweist.
 
 
Mit einem sehr ambitionierten Projekt tut sich zurzeit die Kleinstadt Lenzburg im Kanton Aargau hervor. Es sind aber nicht nur die Dimensionen, die bei «Gleis Nord» beeindrucken – für 200 bis 250 Millionen Franken soll ein sechs Hektar grosses Gelände bebaut werden –, sondern vor allem die gesteckten Ziele. So ist in der Informationsbroschüre von einem Vorzeigeobjekt die Rede, das in Bezug auf städte-planerische Aspekte und Nachhaltigkeit exemplarisch für andere Projekte wirken soll. Wie das genau aussehen wird, ist allerdings noch offen. Denn zurzeit ist einzig die Vision vorhanden. Was, wann und nach welchen Kriterien dann tatsächlich gebaut wird, entscheiden letztendlich die Bedürfnisse der zukünftigen Nutzer (Bewohner und Arbeitende). Denn nachdem die wichtigsten Schritte für die Realisierung des Projektes eingeleitet worden sind, soll die Vision in Workshops mit Hilfe von Spezialisten und späteren Mietern konkretisiert werden. Für die daraus entstehenden Projekte werden dann Investoren gesucht, die bereit sind, die Vision «Gleis Nord» zu übernehmen.
 
Zu den wichtigsten Schritten gehören: der offizielle Projektstart 2008, die Durchführung verschiedener Machbarkeitsstudien und die Erstellung von Konzepten, die Zonenplanrevisionen und das Vorlegen des Gestaltungsplans mit der dazugehörigen Durchführung eines öffentlichen Mitwirkungsverfahrens. Man erwartet, dass der Zonenplan und der Gestaltungsplan 2010 genehmigt werden.

Ein Quartier für alle

Die Vision sieht folgendermassen aus: Auf dem ehemaligen Hero-Areal (siehe «Hintergrund») soll der neue Stadtteil «Gleis Nord» entstehen. Dieser soll dem Wohnen, Arbeiten und dem Erleben (Kultur, Freizeit, Einkauf, Erholung) dienen. So sind 58 Prozent des Areals für Wohnungen vorgesehen, 32 Prozent für Büros, stilles Gewerbe und Geschäfte. Die restlichen zehn Prozent sind für Gastronomie, Konferenzräume und Kultur reserviert. Gemäss der Vision sollen in «Gleis Nord» 700 bis 800 Menschen eine neue Heimat finden und 600 eine neue Arbeitsstelle. Die Um- und Neubauten, die zu diesem Zweck auf dem Gelände gebaut werden, sollen dabei in ihrer Architektur vielfältig und modern sein und zudem den hohen Ansprüchen der Nachhaltigkeit entsprechen. Ausserdem sollen sie in ihrer Grösse und Preisklasse variieren, damit sich möglichst viele verschiedene Menschen aus allen sozialen Schichten im neuen Stadtteil niederlassen. Denn mit dieser Durchmischung der Bevölkerung und der Nutzungen, so sind die Planer überzeugt, wird die Lebensqualität in «Gleis Nord» gesteigert. Für mehr Lebensqualität sorgen sollen zudem die geplanten Grünflächen. Die grösste stellt dabei der 10 000 Quadratmeter grosse Park dar, der mit Fuss- sowie Velowegen ausgestattet wird.

Zwischennutzungen erwünscht

Innerhalb des neuen Quartiers sind keine Motorfahrzeuge erlaubt. Mit dem Auto kann man aber unterirdisch in das neue Quartier gelangen. Unterirdisch ist nämlich eine Zufahrt angelegt, die direkt in die Tiefgarage führt. Dort stehen 750 Parkplätze zur Verfügung. Weitere 100 sollen oberirdisch am Rande des Quartiers angelegt werden. Dabei kommt den Planern nicht nur entgegen, dass das ehemalige Hero-Areal nur vier Autofahrtminuten von der Autobahn entfernt, sondern auch direkt am Bahnhof liegt. Es sind daher alle Voraussetzungen geschaffen, die eine optimale Verkehrsanbindung erlauben, sind die Planer überzeugt.
 
Konzipiert wurde die Vision «Gleis Nord» von über 60 Beteiligten, wobei die Gesamtprojektleitung bei der Losinger Construction AG, der Elektra Birseck Münchenstein (EBM) und der Stadt Lenzburg lag. Geplant ist, dass die Vision etappenweise im Laufe von etwa acht Jahren, also bis spätestens 2018, realisiert wird. Wichtig dabei ist, dass sich «Gleis Nord» behutsam entwickelt – und zwar der Grösse und dem Charakter der Kleinstadt Lenzburg entsprechend. Bis es aber soweit ist, sind auf dem Areal Zwischennutzungen wie zum Beispiel Kunst und Kultur ausdrücklich erwünscht.
 

Hintergrund

Das «Hero-Areal» in Lenzburg AG, heute «Gleis Nord», hat eine Fläche von rund 61 410 Quadratmetern. Den Namen «Hero-Areal» erhielt das Gelände, weil auf ihm seit 120 Jahren die Konservenfabrik Hero AG seine Produktionsanlagen betreibt. Nun hat die Firma jedoch beschlossen, eine neue Fabrikanlage am Stadtrand von Lenzburg zu erstellen und die Produktion dorthin zu verlagern. Um die neue Fabrikationsanlage zu refinanzieren, hat sie ihr ehemaliges Produktionsareal verkauft. Und zwar an die Elektra Birseck Münchenstein (EBM). Die Hero AG mietet es bis zur Fertigstellung der neuen Fabrikanlage.
 
Bereits heute beliefert die EBM als Energiedienstleister die Hero AG und die benachbarte Traitafina mit Wärme und Dampf. Um das Dienstleistungsangebot auszubauen, hat das Unternehmen das Areal mit der Absicht gekauft, auch die auf dem Areal neu entstehenden Nutzungsflächen mit Energie zu versorgen und nach der erfolgreichen Entwicklung die Grundstücke an verschiedene Investoren und Eigentümer zu verkaufen.Neue Nutzungen aber bedingen eine vorgängige Projektentwicklung. Die Losinger Construction AG hat diese Aufgabe in Zusammenarbeit mit der EBM und den Stadtbehörden übernommen. Aus dieser Zusammenarbeit entstand die Vision «Gleis Nord».