Eine Oase für 007 und Konsorten

Eine Oase für 007 und Konsorten

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Teaserbild-Quelle: zvt
Wo heute noch Tristesse herrscht, soll morgen wieder Glamour einziehen. Auf dem Bürgenstock entsteht das Luxusresort "Icon", ein Projekt der Rüssli Architekten. Es ist eigenständig, fügt sich unaufdringlich in die alpine Landschaft und umspielt die bestehenden Bauten subtil.
 
 
Der Goldschmuggler und Bösewicht zieht alle Register: Bond muss aus dem Weg geräumt werden. So sieht sich denn der Spezialagent plötzlich in einer mehr als misslichen Lage. Klammert sich an die Stangen des Hammetschwand-Liftes. Unter sich den blanken Abgrund und – den Vierwaldstättersee. Die packende Szene mit Sean Connery stammt aus dem Film Goldfinger (1964), und es war das erste Mal, dass 007 bei seinen Missionen in der Schweiz haltmachte. Der Bürgenstock und der Hammetschwand-Lift, ein tollkühnes Bauwerk aus der Belle Epoque, dienten als einer der Schauplätze. Nicht Action, sondern Erholung suchten die meisten Gäste im ehemaligen Fünfsternehotel. Dieses erlangte Kultstatus wegen der illustren Gästeschar aus der ganzen Welt. Audrey Hepburn, Sophia Loren, Charlie Chaplin und viele andere Stars erlagen dem Charme des Berges und kehrten immer wieder zurück. Die Blütezeit des Bürgenstocks ist längst vorbei, die Häuser wurden baufällig. Diesen Frühling hat schliesslich ein Investor aus Katar in die Taschen gegriffen und Wettbewerbspläne geschmiedet für ein riesiges Hotelprojekt. Nun steht das Siegerprojekt für das neue Luxusresort fest sein Arbeitstitel: «Goldfinger».

Bei der komplexen Aufgabenstellung war ein Entwurf für ein Resort gefragt mit insgesamt 400 Zimmern, 60 Residence-Suiten sowie einem attraktiven Freizeitangebot. Gebaut werden soll das neue Luxushotel an der Stelle des heutigen Park Hotels, das 1987 entstand. Das Palace Hotel und der Gübelin Bazar aus den 1950er-Jahren bleiben hingegen bestehen und werden renoviert. Die Anlage des Resorts Icon, die mit 300 Millionen Franken budgetiert ist, sollte sich in die historisch gewachsene Struktur und in die umgebende Landschaft und Topografie der Krete selbstverständlich einfügen.
 
Mailand gegen Luzern
Sieben Architekturbüros beteiligten sich am Wettbewerb, der von der QDHP Swiss Management AG durchgeführt wurde. Ende April wurden die Arbeiten eingereicht. Da kein Projekt als klarer Sieger hervorging, wurde mit drei der Architekturbüros eine zweite Wettbewerbsrunde durchgeführt. Im Rennen blieben der Mailänder Stararchitekt Matteo Thun und die beiden Luzerner Büros Lussi + Halter sowie Rüssli Architekten. Der «fliegende Bau auf der Krete» von Matteo Thun wurde verworfen, weil das Projekt betriebliche Mängel aufweist. Übrig blieben «Skyline» von Lussi + Halter und «Goldfinger» von Rüssli Architekten. Zwei gute Projekte, betont der Architektur-Professor und Jury-Vorsitzende Dieter Geissbühler. Auf der einen Seite besticht Skyline durch seine unkonventionelle Lösung, die jedoch betriebliche Mängel aufweist. Auf der anderen Seite das Projekt Goldfinger, das einen pragmatischen Baukörper hat, aber die betrieblichen Anforderungen ideal erfüllt. Ein Aspekt, der letztendlich den Ausschlag gab für den Sieg. «Das Projekt von Rüssli Architekten ist sorgfältig durchgearbeitet und architektonisch kohärent umgesetzt», begründet Geissbühler den Entscheid. Der Vorschlag überzeuge durch die Differenzierung in der Volumetrik, die zu beiden Seiten spannungs- und qualitätsvolle Zwischenräume bestimme, besagt der Jurybericht. Auf Wow-Effekte verzichtet Goldfinger weitgehend. Genau dies war ebenfalls ein entscheidendes Argument für die Jury. «Der Bau zelebriert sich nicht selber als Ikone, sondern der ganze Bürgenstock ist die Ikone», so der Jurypräsident.

Ruhige Silhouette
Rüssli Architekten in Luzern sind keine Unbekannten. Weder in der Region noch auf dem internationalen Parkett. Das Büro hat zum Beispiel die neue Residenz der Schweizer Botschaft in Washington D.C. gebaut in Zusammenarbeit mit Steven Holl Architects. Auch das Lakefront Center Luzern stammt aus seiner Feder. «Das neue Fünfsterne-Hotel steht in der Mitte des Resorts und bildet eine Piazza zusammen mit den bestehenden Bauten aus den 1950-Jahren», umschreibt Architekt
Justin Rüssli das Bürgenstock-Projekt. Es schlägt als Ersatz für die heute zentralen Bauten zwei neue, siebengeschossige Baukörper vor. Das Icon Gebäude hat eine eigene Ausrichtung gegen Luzern zwischen Club und Palace. Die unabhängige Geometrie unterstreicht die Bedeutung des Icons als Zentrum und Position in der Anlage. «Die grössten Schwierigkeiten bestanden in der Integration in die Gesamtanlage. Insbesondere die betriebliche, da das Hotel mit dem bestehenden Palace und dem Club verbunden wird und gemeinsam betrieben wird», so Rüssli.
Die Silhouette wirkt ruhig mit der Betonung der Horizontalen. Die neuen Bauten sind an die Hangkante gesetzt und gegeneinander verschoben. Eindrücklichstes Element wird sicher die weit auskragende Terrasse zwischen den beiden Hotelflügeln sein. Eine Art Hochsitz mit spektakulärer Sicht auf See und Berge, der Natur pur bietet. Eine atemberaubende Traumkulisse für Actionhelden, Stars und ganz normale Menschen. (ka)