Ein Zentrum mit «grün» verwalteten Daten

Ein Zentrum mit «grün» verwalteten Daten

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Auf dem ehemaligen Siemens-Gelände in Zürich Albisrieden entsteht ab August 2010 das neue Rechenzentrum OIZ «Albis» der Stadt Zürich. Es handelt sich dabei um einen dreiteiligen Gebäudekomplex, der teils umgebaut, teils neu errichtet wird.
 
Die Sihl war schuld, dass man nicht schneller fündig wurde: Der Zürcher Finanzvorstand Martin Vollenwyder drückte anlässlich des Spatenstichs Ende Januar seine Befriedigung darüber aus, dass man nun ein «gutes Areal» für das neue Rechenzentrum gefunden habe; «endlich kommt der Sihlsee nicht mehr vorbei», sagte er und spielte damit auf mögliche drohende Hochwasser an. Denn gerade bezüglich Hochwasser sind die Sicherheitsstandards für IT-Zentren besonders hoch.
 
Jetzt, da ein Standort auf dem ehemaligen Siemensgelände in Zürich Albisrieden gefunden wurde, soll ein Rechenzentrum der Superlative entstehen – nicht nur im Hinblick auf die Sicherheit, sondern auch bezüglich Energieeffizienz. Daniel Heinzmann, der Direktor des OIZ (Organisation und Informatik Zürich), strebt nämlich das Zertifikat «Energieeffizienz bei Rechencentern» (Green Data Center) an. Einerseits werden die Gebäude nach Angaben des Hochbauamts energetisch und damit umweltfreundlich verbessert – unter anderem wird das Dach des Bürogebäudes zusätzlich gedämmt und begrünt. Andererseits wird auch der Energieverbrauch für den gesamten Bau und die IT-Infrastruktur optimiert. Ein Energiekreislauf nutzt die Abwärme des Rechenzentrums zum Heizen und zur Warmwasseraufbereitung; bei genügend Überschuss soll dafür auch etwas für das Letzibad und die Sportanlage Utogrund abfallen. Die kalte Luft des Winters soll genutzt werden, um die Geräte zu kühlen.
 
75 Prozent Zustimmung gab es im letzten Jahr vom Stimmvolk. Damit wurde «ein solider Grundstein für eine sichere, kostengünstige und umweltfreundliche IT-Versorgung der Stadtverwaltung gelegt», meinte Stadtrat Vollenwyder. Neben der Konzentration der Arbeitsplätze am neuen Ort «Albis» können fünf bestehende Mietstandorte aufgehoben und zusammengefasst werden. Das Hochbauamt spricht von zwei Millionen Franken an Mietzinsen, die so jährlich wegfallen.

Umbau für verschiedene Nutzungen

Die Liegenschaft für den neuen OIZ-Standort in Albisrieden erwarb die Stadt Zürich bereits 2008 von der Siemens Schweiz AG. Die Kosten für die Altlastensanierung wurden abgezogen. Zwei bereits bestehende Gebäude werden für die Bedürfnisse des OIZ umgebaut und mit einem neuen Zwischenbau im Minergie-ECO-Standard (3540 Quadratmeter) ergänzt. Der bestehende Annexbau wird abgebrochen. Daniel Heizmann erläuterte, dass ab Herbst 2012 insgesamt 14 800 Quadratmeter Nutzfläche für Büros, Schulungsräume, IT-Werkstatt und für das Rechenzentrum selbst zur Verfügung stehen beziehungsweise 370 Arbeitsplätze entstehen.
 
Das Thema Sicherheit war einer der Hauptgründe für die Suche nach einem neuen Standort. Einerseits ist das Rechenzentrum nicht an einem einzigen Ort beheimatet, sondern die Serverräume und Systemraumflächen sind auf über 100 Orte in der ganzen Stadt verteilt. Da ein einziges Rechenzentrum nicht den Sicherheitsstandards entspricht, wird auch in Zürich die «Zwei-Center-Strategie» umgesetzt. Sollte es einmal zu einem IT-«Supergau» kommen, so kann das zweite Zentrum einspringen. Dafür zählte man auf das jetzige Zentrum an der Pfingstweid-strasse, es sollte das zweite Standbein werden. Aber die Elektrizitätswerke (EWZ) machten diesem Ansinnen einen Strich durch die Rechnung. Die EWZ wollen nämlich das Gebäude abbrechen. Aus dem zweiten Standbein wurde also nichts, weshalb das «Sihlproblem» wieder aktuell wurde. Inzwischen hat man gemäss Vollenwyder auch dieses Problem gelöst: Die «Pfingstweidstrasse» wird geräumt und auf das ERZ-Gelände (Entsorgung + Recycling Zürich) im Hagenholz verlegt. In etwa drei Jahren soll es so weit sein. Voraussichtlich im Juni 2010 wird sich das Stimmvolk dazu äussern.
 
Damit wäre dann die neue städtische IT-Strategie umgesetzt, alle grösseren und kleineren Serverräume aus Kosten- und Effizienzgründen auf die beiden neuen Standorte zu konzentrieren. «So können die notwendigen Anforderungen an Daten- und Ausfallsicherheit erfüllt werden.» Und dies ist auch nötig: «Hier handelt es sich um eine Wachstumsbranche; wir bekommen nämlich immer mehr Aufträge», sagt Vollenwyder.
 
Die Abrissarbeiten sind dort, wo der Zwischentrakt entstehen soll, bereits im Gang. Ebenso wird die Haustechnik zurückgebaut. Im März sollen diese Arbeiten beendet sein. Danach beginnt die Sanierung der Altlasten. «Das sind die Herausforderungen des Geländes», erklärt der Finanzvorstand, «früher hat man nicht jedes Öl entsorgt.» Man spricht hier von industriellen Hinterlassenschaften aus den letzten 100 Jahren. Der Baubeginn ist auf den August vorgesehen und soll im Mai 2012 abgeschlossen sein. Der Objektkredit beträgt 139 355 000 Millionen Franken, wovon die Baukosten (BKP 1 bis 9) 98,85 Millionen ausmachen. (Sylvia Senz)
 

Drei Gebäude im Bauprojekt „Albis“

Rechenzentrum
(Das bereits bestehende Gebäude wird entsprechend umgebaut.)
  • Nutzfläche: 5330 m2
  • Drei Geschosse mit System- und Serverräumen
  • Energieoptimierung Software-, Hardware- und Infrastruktur-Design
  • Abwärmekonzept: zertifiziertes «Green Data Center»
Das Seminar- und Schulungszentrum und die IT-Lehrwerkstatt entstehen im neuen Verbindungstrakt zwischen Rechenzentrum und Bürogebäude. Im Erdgeschoss befindet sich der öffentliche Bereich mit Empfangs- und Sicherheitsloge, Foyer, Selbstbedienungscafeteria (plus teilweise gedecktem Aussensitzplatz). Dieser Trakt wird komplett neu gebaut.
 
Bürogebäude
Das viergeschossige Gebäude wird für Büroarbeitsplätze des OIZ umgebaut. Im dritten Geschoss ist ein Aufenthaltsraum mit zum Teil gedeckter Terrasse geplant. (sz)