Ein Glasquader am Seeufer

Ein Glasquader am Seeufer

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Der aktuelle Hauptsitz der Swiss Re in Zürich genügt den heutigen Anforderungen nicht mehr. Deshalb soll er durch einen Neubau ersetzt werden.
 
Der neue Hauptsitz der Swiss Re in Zürich wird nun doch früher gebaut als angenommen. Im Frühling nämlich hiess es noch, die Swiss Re werde den Entscheid über die Realisierung des Neubaus aufgrund der wirtschaftlich schwierigen Lage erst in zwei Jahren fällen. Heute, nur wenige Monate nach dieser Mitteilung, scheint der Rückversicherungskonzern doch nicht länger warten zu wollen. In einer vor kurzem abgehaltenen Medienkonferenz gab die Swiss Re nämlich nicht nur den Gewinner des Studienauftrags für den Neubau bekannt, sondern auch gleich dessen voraussichtlichen Baubeginn. Damit ist der Neubau beschlossene Sache. Allerdings erfordert er einen Gestaltungsplan, dem der Gemeinderat und allenfalls das Volk noch zustimmen müssen. Die Swiss Re geht deshalb davon aus, dass der Spatenstich frühestens Ende 2012 erfolgt.

Hochstehender Bau erwünscht

Der neue Hauptsitz soll am Mythenquai 50 (linkes Seeufer) zu stehen kommen. Dort steht zurzeit noch der alte Hauptsitz, ein Betonbau aus dem Jahr 1969, der nun durch den Neubau ersetz werden soll. Von den Neubauplänen nicht tangiert, ist das denkmalgeschützte Gebäude am Mythenquai 60. Dieses neubarocke Haus aus dem Jahr 1913 gehört zwar ebenfalls der Swiss Re, da es aber unter Denkmalschutz steht, wird nichts an ihm verändert. Der 40-jährige Betonbau hingegen wird verschwinden. Dieses jedoch wirkt aber alles andere als baufällig. Deshalb erstaunt, dass es ersetzt werden soll. Wie die Swiss Re in Medienberichten aber erklärt, lassen sich die strukturellen Nachteile dieses Betonbaus mit einer Renovation nicht beheben. Ein Neubau sei deshalb unumgänglich, weshalb man einen Studienauftrag lanciert habe.
 
Oberstes Kriterium dieses Auftrags war: Der Neubau darf den bisherigen Bauten der Swiss Re in nichts nachstehen. Die Swiss Re ist nämlich bekannt für qualitativ – in architektonischer und in ökologischer Hinsicht – hochstehende Bauten. Als berühmtestes Beispiel hierfür gilt das Hochhaus «Gherkin» (engl. Gürkchen), das von Norman Forster entworfen wurde und als Wahrzeichen des «New London» gilt.
 
Mit diesem und ähnlichen Bauten mussten sich zwölf geladene Teams messen. Insgesamt drei kamen in die engere Auswahl. Den hohen Qualitätsansprüchen der Swiss Re gerecht geworden sind schliesslich Diener & Diener, deren Entwurf zum Siegerprojekt gekürt wurde. Laut Mitteilung sogar einstimmig. Zur Begründung sagt der Jurypräsident und Wiener Architekt Adolf Krischanitz: «Das Basler Architekturbüro hat die gewünschte Einbindung ins Stadtbild vorbildlich gelöst. Denn durch ihren Neubau wird das untere Seebecken nicht nur in architektonischer, sondern auch in städtebaulicher Hinsicht aufgewertet.» Gefallen habe der Jury vor allem das flexible Gebäudekonzept, das durch offene, aber auch geschlossene Büros erreicht werde. «Dank diesem Konzept können statt 600, wie es die Konkurrenzprojekte vorgesehen hatten, 800 Arbeitsplätze geschaffen werden», so Krischanitz. Heute arbeiten im alten Hauptsitz 430 Menschen. Im Neubau werden also fast doppelt so viele Arbeitsplätze zur Verfügung stehen.

Kosten kein Kriterium

Von aussen fällt der neue Hauptsitz der Swiss Re vor allem wegen seiner Glasfassade auf. Durch ihre gewellte Form wirkt sie laut Medienberichten wie ein Vorhang, der das quaderförmige Gebäude vollständig umhüllt und an die Steinfassaden der umliegenden Häuser erinnert. Die doppelte Fassade sieht aber nicht nur schön aus, sondern genügt zudem den energetischen Ansprüchen. Diener & Diener setzten sich nicht zuletzt dank dieser Tatsache gegen ihre beiden Konkurrenten Peter Märkli aus Zürich und Claus en Kaan aus Amsterdam durch.
 
Wie viel der neue Hauptsitz kosten wird, hat die Swiss Re übrigens nicht verraten. An der Medienkonferenz gab sie jedoch bekannt, dass die Kosten kein Entscheidungskriterium für oder gegen ein Projekt gewesen seien. Denn es habe sich gezeigt, dass die drei zur Endrunde geladenen Projekte alle ungefähr gleich viel kosten würden. (Florencia Figueroa)
 

47.361851, 8.535132