Das Quartier Gundeli wird aufgepeppt

Das Quartier Gundeli wird aufgepeppt

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Die SBB investiert in den hinteren Teil des Bahnhofs 80 Millionen Franken. Für das Geld wird das neue Dienstleistungszentrum Südpark erstellt. Das von Herzog & de Meuron konzipierte Projekt soll das Basler Quartier Gundeldingen aufwerten.
 
Eingeklemmt zwischen Bahnhof und Kantonsgrenze liegt im Süden der Stadt Basel das Wohnviertel Gundeldingen. Abgeschottet wie es ist, hat sich das Quartier mit seinen 20 000 Bewohnern zu einer «Stadt in der Stadt» entwickelt. Es ist zwar voller Leben, hat aber den Anschluss ans restliche Stadtgebiet verloren. Seit Jahren arbeiten verschiedene Kreise daran, das Gundeli – wie es von den Baslern genannt wird – wieder anzugliedern. So wurde im Jahr 2003 die alte Unterführung im Bahnhof durch eine neue Passerelle ersetzt, mit der das Quartier besser in die Stadt integriert werden sollte.
 
Unter diesem Gesichtspunkt ist auch der neuste «Wurf» der SBB zu verstehen: Gebaut werden soll ein neues Dienstleistungszentrum, das «die Anbindung des Quartiers Gundeli an die Innenstadt markiert und einen Beitrag zu seiner Aufwertung leistet».
 
Die Grundsteinlegung für den Südpark erfolgte Anfang Juni. Dem Spatenstich ging jedoch eine lange Vorbereitungszeit voraus: Im Jahr 2002 war das Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron als Sieger aus einem Projektwettbewerb hervorgegangen. Von den Behörden genehmigt wurde der Bau 2005. Bis 2007 dauerten die Ausarbeitung der Pläne und die Suche nach einem Generalunternehmen. Im Sommer desselben Jahres stimmte schliesslich der SBB-Verwaltungsrat dem Projekt zu. Ein Jahr später waren die Flächen fast zu hundert Prozent vermietet.
 
Nachdem die Basler Totalunternehmerin Bauengineering.com AG die alten Gebäude abgerissen hatte, startete sie im Februar dieses Jahres die Aushubarbeiten. Anfang Juni erfolgte die Grundsteinlegung. Mitte 2011 soll das neue Gebäude bezugsbereit sein. Die SBB als Bauherrin investiert 80 Millionen Franken.

Einkaufen, wohnen, arbeiten

Der Südpark hat drei Untergeschosse. Während das Haus auf der Bahnseite zehn Stockwerke und damit 36 Meter hoch ist, verfügt es entlang der Güterstrasse über fünf Geschosse. Das Gebäude weist eine Fläche von 23 000 Quadratmetern auf, die Platz für Einkaufen, Wohnen und Arbeiten bietet. Im Erdgeschoss ziehen ein Coop-Supermarkt und ein Coop-Restaurant ein. Die rund 8000 Quadratmeter Dienstleistungs-, Büro- und Untergeschossflächen sind für das neue Handelszentrum der Basler Kantonalbank reserviert.
 
Im gesamten Wohnteil des Gebäudes wird die Atlas-Stiftung eine Seniorenresidenz mit 100 altersgerechten Ein- bis Dreizimmerwohnungen einrichten. Sie werden ergänzt durch eine Pflegeabteilung mit 26 Einzelzimmern und durch ein internes Restaurant mit einem Innenhof-Garten, in dem japanischer Ahorn gepflanzt werden soll.

In die Umgebung einbinden

«Die grösste Herausforderung jedoch bestand darin, das Haus so zu konzipieren, dass es in die architektonische Typologie des Quartiers passt», erklärt Architekt Pierre de Meuron. Denn das Gundeli-Quartier ist im Gegensatz zur übrigen Stadt amerikanischen Vorbildern nachempfunden: Das Strassennetz des Quartiers ist rechtwinklig angeordnet. Dadurch bildet sich ein ausgeprägtes Schachbrettmuster. Die Häuser stehen zudem in dichter Blockrandbebauung. Laut de Meuron wird der Südpark deshalb «getreu der Bautypologie des Gundelis aus dem 19. Jahrhundert in Blockrandbebauung erstellt».
 
Auffällig an diesem Gebäude wird zudem seine Fassade sein: «Aus den historischen Fensterformen haben wir zwölf für die Fassade entwickelt.» Diese sollen dem Südpark nicht nur eine besondere Oberfläche verleihen, sondern auch helfen, es in seine Umgebung besser einzubinden.