Das Potenzial eines Platzes erkunden

Das Potenzial eines Platzes erkunden

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Teaserbild-Quelle: Bilder: zvg
Der Eigerplatz soll im Rahmen des Projekts Tram Region Bern, das die Umstellung der Buslinie 10 auf Trambetrieb zum Ziel hat, umgestaltet werden. Gesucht war ein neuer «vielfältig nutzbarer urbaner Raum». Der Ideenwettbewerb ist nun abgeschlossen.


Ob in diesem Wettbewerb die Wahl des Projektkennworts, «Eigertram», geholfen hat? Jedenfalls wurde der entsprechende Vorschlag für die Neugestaltung des Eigerplatzes vom Preisgericht zum Gewinner erkoren (siehe Kasten). Der Eigerplatz gilt als einer der komplexesten Verkehrsknoten in der Stadt Bern. Hier enden mehrere Strassen des Basisnetzes und Quartierstrassen. Auch eine Buslinie hat hier ihre Endhaltestelle. Die zukünftige Tramlinie 10 – sie ersetzt die Buslinie 19 – wird den Platz queren und hier auch eine Haltestelle erhalten (siehe auch «baublatt» 4/2009). Viele Fussgänger und Velofahrer benutzen den Eigerplatz.

Das Ziel lautete: «Der Eigerplatz soll zu einem identitätsstiftenden Ort unter Einbezug der lokalen Qualitäten als Stadtteilzentrum aufgewertet werden. Die anstehenden Veränderungen durch die neue Tramlinie sollen als Impuls genutzt werden, um das Potenzial des Ortes auszuschöpfen.» Es galt also, einen gesamtheitlichen Ansatz zu finden und die Nutzungsmöglichkeiten und Bedürfnisse aller Verkehrsteilnehmer unter einen Hut zu bringen. Dies betraf vor allem die Verkehrsführung, den städtebaulichen Aspekt, die Gestaltung und wirtschaftliche Nutzungen sowie den Quartierschutz. «Die heute stark verkehrsorientierte Platzgestaltung und -nutzung soll durch eine neue Qualität für alle Benutzer und durch einen vielfältig nutzbaren urbanen Raum abgelöst werden.»

Gefordert wurden:
  • Betrieb der Tram- und Buslinien; funktionierende Depots
  • Freiräume für Fussgänger und Velofahrer unter besonderer Beachtung der Querungsverhältnisse
  • Verhindern, dass der Autoverkehr in die Quartiere ausweicht
  • Aufenthaltsqualität verbessern und flexible Nutzungen ermöglichen
  • prägnante Gestaltung des Platzes suchen (Wirkung bei Tag und bei Nacht beachten)
  • klare Definition der Übergänge vom Platz zu den angrenzenden Strassen.
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Die einzelnen Platzsegmente sind, so steht es in der Projektbeschreibung des Siegerprojekts, zu einem mit einer einheitlichen Möblierung und Formensprache versehenen Platz auf der östlichen Seite zusammengebunden. Vorgesehen ist eine Ergänzung der bestehenden Bepflanzung. Im Bereich vor dem Direktionsgebäude von Bernmobil ist die zentrale Haltestelle für Tram und Bus in den Platz integriert. Der Platzbereich vor der Post wird dagegen als Aufenthaltsbereich ausgestaltet. Die Autos verkehren gebündelt, und zwar auf den Achsen Schwarzenburg-, Seftigen-, Eiger- und Zieglerstrasse. Nicht mehr benötigte Strassenstrecken werden zurückgebaut, so die Belpstrasse zwischen dem Philosophenweg und der Zieglerstrasse. Der Knoten Schwarzenburg-/Seftigen-/Eiger-/Zieglerstrasse wird als Kreisel betrieben. Auf den Zufahrten zum Eigerplatz sind das Tram und der Autoverkehr entflochten. Mittelinseln erleichtern den Fussgängern das Queren der Strassen ohne Lichtsignalanlage. Für die Velofahrer sind Radstreifen vorgesehen.

Das Hochhaus wird gegen den Platz hin geöffnet und der Vorplatz mit Treppen gestaltet, heisst es weiter. Bestehende Bäume werden durch Neupflanzungen ergänzt.

Nicht überzeugende Gestaltung

Das Preisgericht findet die Idee von grosszügig zusammenhängenden Platzflächen bestechend, hingegen fehlen ihm «starke Aussagen zur Stadtraumgestaltung» und zur angestrebten Atmosphäre. Die Lage der Zieglerstrasse und das Verschieben des motorisierten Verkehrs nach Westen bringen Raumgewinn mit einem hohen städtebaulichen Potenzial. Die Tramhaltestelle ist betrieblich, funktional und städtebaulich gut platziert. Die architektonische Idee hingegen überzeugt nicht. Die Trilogie von Platzgestaltung, Tramhäuschen und Verkehrsinsel wirkt eher gesucht und ist als Konzept kaum tragfähig. Auch die Positionierung und Ausgestaltung der Möblierung sind beliebig und wenig funktional. Das Baumkonzept hingegen ergänzt räumlich selbstverständlich den Bestand. Das Projekt basiert auf einer klaren Trennung zwischen Fahrbereichen und Koexistenzflächen. Um den Letzteren den vom öffentlichen Verkehr, den Fussgängern, den Velofahrern und der Anlieferung gemeinsam genutzten Flächen genügend Raum zu geben, wird die Zieglerstrasse soweit wie möglich nach Westen verschoben. Dies ermöglicht die Konzipierung einer genügend langen Tramhaltestelle mit einem direkten Fussgängerübergang von der Tscharnerstrasse her. Die Leistungsfähigkeit für den Gesamtverkehr ist gegeben. Dazu tragen insbesondere das richtig angedachte Eigentrassee für das Tram in der Schwarzenburgstrasse sowie der Kreisel mit Bypass bei. Der Kreisel bringt auch für Velofahrer Verbesserungen, indem die Zahl der Konfliktstellen gegenüber einer Kreuzungslösung reduziert wird.

«Das Projekt zeigt eine geschickt konzipierte städtebauliche und verkehrstaugliche Gesamtlösung mit klar strukturierten Fahr- und Koexistenzbereichen, mit der die dem Ort innewohnende Komplexität der Verkehrssituation reduziert wird und die nötige Leistungsfähigkeit trotzdem gewährleistet bleibt.»

Aufgrund der sehr anspruchsvollen und komplexen Aufgabenstellung sollen die Lösung und das Bearbeitungsteam in zwei Schritten gefunden werden. Die Ideenvorschläge sind ein erster Schritt. In einem zweiten werden in Form eines Studienauftrags das erstplazierte Projekt sowie die des zweiten, dritten und vierten Ranges weiterentwickelt (Start Januar 2010). Darauf folgt das Vorprojekt bis Ende November dieses Jahres. Der Baubeginn ist 2014 vorgesehen.  (sz/pd)

Beteiligte

Auftraggeberin
Planungsgemeinschaft Tram Region Bern (Amt für öffentlichen Verkehr des Kantons Bern)
Wettbewerbssekretariat
Ingenieurbüro TBF + Partner AG, Zürich
 
1. Rang, Projekt Nr. 7, Kennwort «Eigertram»
Federführung: B+S AG, Bern
Projektleiter: Walter Schaufelberger
Mitarbeiter:
Verkehr: Walter Schaufelberger, Matthias von Moos, Ruedi Lanz
Verkehrsmodell: Johannes Liesch
Strassenraum: Urs Dubach
Beigezogene Spezialisten:
Landschaftsarchitektur: Daniel Moeri,Moeri+Partner AG, Bern
Städtebau: Claude Rykart, Rykart Architekten, Gümligen; Stefan Rüfenacht, Rykart Architekten, Gümligen
 
2. bis 5. Rang
2. Preis, Projekt Nr. 15, «stadtteilpuzzle», bauchplan landschaftsarchitektur und urbanismus, München
3. Preis, Projekt Nr. 12, «promunturium», Hager Landschaftsarchitektur AG, Zürich
4. Preis, Projekt Nr. 3, «Chiara», R+R, Burger und Partner AG, Bern
5. Preis, Projekt Nr. 9, «Eiger», Arge Zeltner Ingenieure – bbz landschaftsarchitekten, Belp.
 
Insgesamt wurden 16 Projekte eingereicht.