Besondere Orte: Die modernste Stadt der Welt?

Besondere Orte: Die modernste Stadt der Welt?

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Teaserbild-Quelle: © Kohn Pedersen Fox

„Wo die Zukunft von Städten Form annimmt…“, heisst es auf der Homepage von Songdo in Südkorea, einer der modernsten Städte der Welt. Das Riesenprojekt, welches bereits seit 2003 in vollem Gange ist, soll 2020 fertiggestellt werden.

Für die Stadt wurden künstliche Flächen geschaffen, da der Standort vorher eine sechs Quadratkilometer grosse Polderfläche war. Auch etliche Deiche zogen sich durch den Ort, welche mit vier Millionen Kubikmeter Erdreich aufgefüllt werden mussten. Wegen des schlickartigen Untergrunds müssen die meisten Hochbauten noch heute mit Pfahlgründungen abgesichert werden. Dieser Aufwand wird jedoch in den Schatten gestellt, wenn man erst die futuristischen Technologien der Stadt gesehen hat.

Den regionalen Planern und ihren privaten Investoren war bereits seit Anfang des Projekts wichtig, dass Songdo weltweit anerkannte, zertifizierte Umweltstandards erfüllen muss und Nachhaltigkeit ein fester Grundsatz wird. Schon in der Planung legte man fest, dass 40 Prozent des gesamten Areals für Parks, Grün- und Erholungsflächen reserviert sind. Auf Fotos zeigt sich, dass dies umgesetzt wurde. Sogar Kanäle mit Salzwasser wurden gebaut.

Der Slogan der Stadt lässt grosse Erwartungen aufkommen. Diese werden nicht enttäuscht: Die ganze Stadt wird komplett Videoüberwacht. Etliche Sensoren und Kameras sind an allen möglichen Orten angebracht. Die Sensoren werden für die Überwachung des Energieverbrauchs und die Messung der Temperatur gebraucht. Die Live-Bilder der Kameras gehen direkt ans U-Life Center, einer Art Hauptzentrale, in der sich zahlreiche Monitore und das Hauptsystem der Stadt befinden. Dort werden sie von Mitarbeitern überwacht. Unter anderem um die Verkehrssituation zu beobachten und sogar, um Verbrechen zu entdecken. Die lokalen Behörden erfahren alles und wissen von jedem Problem.

Aber das ist noch nicht alles. Es existiert ein Wasser-Recycling-System, welches dafür sorgt, dass sauberes Trinkwasser nicht zum Duschen oder für die Toilettenspülung verwendet wird. Das wohl Sonderbarste ist aber das Müllsystem. Denn Songdo besitzt keine Müllwagen oder Abfalleimer. Der Müll wird direkt ab dem hauseigenen Mülleimer in der Küche abtransportiert. Unter der gesamten Stadt und unter jedem Haus befindet sich ein riesiges Netzwerk aus Tunnels und Röhren. Der Abfall wird durch die Röhren mit einer Art Saugsystem abgesaugt und zum Hauptsammelort gebracht. Dort angekommen, wird alles automatisch getrennt, desodoriert und behandelt, damit der Müll umweltverträglicher ist.

Der Masterplan für die Stadt wurde von der bekannten Architektengruppe Kohn Pedersen Fox (KPF) entwickelt. Viele bezeichnen Songdo als ein Labor, in dem zukünftige Technologien getestet werden können. Einige Innovationen sind bereits in der Versuchsphase. Der Handyriese Samsung entwickelt zurzeit ein System, mit dem alle Haushaltgeräte per Smartphone gesteuert werden. Eine andere Erfindung sind Chips für kleine Kinder, die in Haarspangen oder anderem integriert werden, damit die Eltern immer wissen, wo sich ihre Kinder befinden.

Einige mag die rigorose Überwachung abschrecken, Andere fühlen sich dadurch sicherer. Was aber klar ist: Songdo wird sich weiterentwickeln und neue Technologien hervorbringen, die vielleicht sogar unsere Zukunft sein werden. (pb)

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Redaktorin Baublatt

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