Zusammenspiel von klassischer Architektur und Gegenwart

Zusammenspiel von klassischer Architektur und Gegenwart

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Teaserbild-Quelle: zvg
Für das Baur au Lac in Zürich hat Implenia als Totalunternehmer eine bauliche Erneuerung durchgeführt. Die Kosten für die Arbeiten betrugen rund 40 Millionen Franken und wurden in nur zwölf Monaten verbaut. Neben der logistischen Anforderung, die eine enge Stadthotelbaustelle darstellt, kam hinzu, dass der Hotelbetrieb möglichst ungestört weiterlaufen musste.
 
 
Das Luxushotel im Herzen der Stadt Zürich geniesst weltweit einen hervorragenden Ruf. Dementsprechend hoch und kompromisslos ist der Anspruch des Hotels an die Qualität. Um diesen hohen Anforderungen der Kundschaft langfristig gerecht zu werden, investiert das Haus seit einigen Jahren in die Bausubstanz. Die Symbiose von klassischer Architektur mit modernen zeitgenössischen Elementen kommt der Verantwortung an die Geschichte und die Zukunft dieses Hotels nach. Im Zuge dieser nachhaltigen Strategie baute Implenia 22 Junior-Suiten auf der See- und Schanzengrabenseite, das Restaurant Pavillon, den Petit Palais und die Terrasse um.
 
Mit dem erfolgreichen Abschluss der Renovationsarbeiten im Jahre 2004 wurde die Grundlage für die wiederholte Auftragserteilung an die Implenia Generalunternehmung AG gelegt. Gestützt auf das Vertrauen der Bauherrschaft wurde von beiden Seiten wieder eine Zusammenarbeit angestrebt. Unterstützt wurde dieses Vorhaben3A dadurch, dass der Generalunternehmer bereits in der Vorprojektphase das Projekt mit einem professionellen Projekt- und Qualitätsmanagement (PQM), einer akribischen Analyse und einem Pauschalpreis definierte. Aufgrund der Erfahrungen aus dem Vorgängerauftrag konnten vor allem die Planungsteams profitieren. Die hohen Anforderungen der Bauherrschaft und die Vorgabe «keine Kompromisse» setzten diese Messlatte sehr hoch. Mit Konzepten wurden die Bedürfnisse ausfindig gemacht und klar umschrieben. Diese Konzepte waren ein wichtiger Bestandteil des PQM und Grundlage für die weitere Planung der Ingenieure, Designer und Architekten. Die Aufstockung und Aushöhlung des Gebäudes verlangte eine exakte statische Analyse, die im Abbruch und Statikkonzept ihre Basis fand.
 
Der Koordination des Planungsteams kommt bei Projekten dieser Grössenordnung eine besondere Bedeutung zu. Modernste Technik hinter edlen Materialien und in einer historischen Bausubstanz stellten alle Beteiligten vor grosse Herausforderungen. Spezielle Vorgaben an den Schallschutz waren insofern von Bedeutung, als sie geltende SIA-Normen sogar übertrafen. Das Ar-chitekten- und Designerteam aus Zürich und Paris plante alle relevanten Details minutiös und akribisch, um auf der Baustelle keinen Zeitverlust hinnehmen zu müssen. Die Leitung, die Koordination und die technische Abwicklung wurde durch den Totalunternehmer sichergestellt.

Logistische Herausforderungen

Ein Stadthotel bringt meist nicht die Eigenschaft mit sich, in seinem örtlichen Umfeld viel Lagerflächen zur Verfügung stellen zu können. Eingebettet vom Schanzengraben, der Storchenbrücke, der Talstrasse und dem hoteleigenen Park (der als Tabufläche galt) stellte sich bald die Frage nach logistischen Möglichkeiten für den täglichen Bauablauf. Unter Beizug aller notwendigen behördlichen Ämter wurden gemeinsam Lösungen gesucht und gefunden. Einmalig in der Geschichte des Kanals wurde eine 800 Quadratmeter grosse Installationsbühne über dem Gewässer installiert. Über das Gerüst und eben diese Plattform wurde die gesamte Baustelle beliefert. Täglich passierten bis zu 250 Handwerker dieses Nadelöhr. Anlieferungen unterlagen strenger Planung und Disziplin. Die grösste Herausforderung fand jedoch im Innern des Hotels statt. Provisorische Korridore wurden geschaffen, um die Abschottung zur Baustelle zu garantieren. Diese Korridore hielten einem Vergleich zu anderen definitiven Hotelkorridoren stand: tapeziert, mit Spots bestückt und mit edlen Bildern verziert.
 
Die Vorgaben der Hoteldirektion waren klar: «Möglichst keinen Umsatzrückgang in den Zimmerreservationen». Um dies zu erreichen, wurde grosses Augenmerk auf die betriebliche Entflechtung gelegt. In täglicher Absprache mit der Direktion wurden Zeitfenster geschaffen, an welchen nicht oder nur lärmarm gearbeitet werden konnte. Provisorische Korridore wurden erstellt, hinter denen die Kundschaft niemals eine komplexe Baustelle vermutet hätte. All diese Komponenten verlangten dem Projektteam der Implenia und dem Team des Hotels ein Höchstmass an Flexibilität ab. Während der gesamten Umbauzeit konnte der eigentliche hochstehende Hotelbetrieb ohne grössere Entbehrungen aufrecht erhalten werden.
 
Das seit 1844 bestehende Haus steht unter speziellem Schutz und somit unter den wachsamen Augen der Denkmalpflege. Rundgänge zu allen Planungs- und Ausführungsphasen erwiesen sich als äusserst wertvoll. Die statische Situation zeigte sich jedoch als kritisch, sodass einige der alten Holzdeckenbalken ausgewechselt werden mussten. Um den Zeitplan nicht zu gefährden, mussten diese Massnahmen rasch umgesetzt werden. Eine unbürokratische Betrachtung der Behörden und ein rasches Umsetzen der Ingenieure und Unternehmer brachte die Situation wieder auf Kurs.

Risiken auf beiden Seiten

Unterschiedliche unternehmerische Bedürfnisse und Risiken auf beiden Seiten verlangten eine offene und transparente Kommunikationskultur. Diese wurde intensiv im gegenseitigen Verständnis und Respekt gelebt. Überall dort, wo Architektur, Termine und Kosten speziellen Anforderungen unterliegen, steigt der Bedarf nach entsprechenden Instrumenten, steigt der Bedarf an Verständnis und einer beidseitig hohen Professionalität. In kaum einem anderen Bereich wie dem Hotelbau spielt die Qualität und somit die Nachhaltigkeit eine entscheidende Rolle. Wo anders werden hochwertige Zimmer tageweise an immer wechselnde «Mieter» vergeben? Wo anders sind die Erwartungen an die Einrichtung so gross wie im Hotel-Luxussegment? Diese Eigenart verlangt eine kompromisslose Qualität, eine schonungslose Auseinandersetzung mit allen Details. Doch liegt die Qualität nicht nur im Bereich des Sichtbaren, sondern auch im Hintergrund, in der Nachhaltigkeit der technischen Anlagen und deren Wartbarkeit sowie deren Umweltverträglichkeit. Diesem Umstand wurde von Anfang an grosse Aufmerksamkeit geschenkt und in einer sorgfältigen und eben nachhaltigen Materialauswahl definiert.Enge Zeitvorgaben bei höchstem Ausbaustandard bedürfen eines besonderen Augenmerks, da ein Nichteinhalten von Entscheiden oder Zeitfenstern gravierende Auswirkungen auf die Termine und somit unweigerlich auf die Qualität haben. Eine besondere Herausforderung bildete der Umstand, dass neben dem Hauptauftrag zeitgleich eine weitere grössere Baustelle betrieben wurde. Die Zeit ging auch am Restaurant, dem Pavillon und der Terrasse nicht ohne Spuren vorbei. Um zeitgerecht auf den Frühlingsstart diese Objekte wieder an den Betrieb übergeben zu können, wurde bereits im November vergangenen Jahres mit der Renovation begonnen. Mit dem Architekten Pierre-Yves Rochon wurde ein Gestaltungskonzept geschaffen, dessen gastronomische Entsprechung nun von den Küchenchefs kongenial umgesetzt wird. Die bauliche Umsetzung entspricht höchstem internationalen Standard. Einer der exklusivsten Plätze Zürichs wartet nun mit einem neuen Konzept für seine Gäste auf. In neuem exklusivem Gewand erwartet diese die neue «Terrasse» mit einem vielschichtigen Serviceangebot – vom Gartenrestaurant bis zum «Lounge-Feeling».

 

Die Koordination des Innenarchitekten aus Paris mit den örtlichen Planern und Unternehmern stellte sich als grosse Herausforderung heraus. Bemusterungen wurden innert kürzester Zeit vorgenommen und auch widerrufen. Der Aufwand lohnte sich schlussendlich und eine besondere Ambiance konnte geschaffen werden. Neueste Licht- und Haustechnik setzt die Innenarchitektur nun ins rechte Licht und die neue Haustechnik wie Lüftungsanlagen lassen einen ganzjährigen Betrieb im Restaurant zu. Zusammen mit der Hotelleitung und dem Projektteam wurde der Fahrplan eingehalten und diese Räumlichkeiten waren im Frühling 2009 fertig gestellt.
 
Ambitionen sind wichtig. Wichtig, um hochgesteckte Ziele und Visionen zu erreichen. Doch sie bedürfen meist einer noch grösseren Zielsetzung: Den Ambitionen gerecht zu werden und die Ziele zu erreichen. Mit einem exakten Terminmanagement wurden diese Ziele täglich analysiert und hinterfragt. Unvorhergesehenes musste eingeflochten, neue Entscheidungen der Bauherrschaft möglich gemacht werden. Durch einen externen Terminplaner wurden diese Aspekte immer wieder aufs Neue ausgereizt. Eine Massnahme, die sich während und vor allem am Schluss als die richtige Strategie erwies. Das gesamte Bauvolumen von rund 40 Millionen Franken wurde so in einer Bauzeit von nur zwölf Monaten bewältigt. Neben den logistischen Fragen galt es im Speziellen die statischen Fragen zu beantworten. Der Rückbau auf der See- und Schanzengrabenseite erwies sich als sehr anspruchsvoll. Das Abbruch- und Sicherheitskonzept forderte die Bauingenieure stark; immer wieder neue statische Situationen suchten nach Lösungen. Die Berechnungen bezüglich des Bauschutts ergaben, dass grosse Mengen Bauschutt rasch aus dem Hotel gebracht werden mussten, um nicht schon zu Beginn in Verzug zu geraten. Zeitgleich wurden Unmengen von Material angeliefert und bereits verwertet. Dieses Zusammenspiel von kontrolliertem Rückbau und bereits millimetergenauem Arbeiten und Koordinieren forderte alle Beteiligten. Der Innenausbau folgte rasch auf den Rohbau, da die verarbeiteten Flächen meist in Trockenbauweise erstellt wurden. Bereits beim Rohbau war keine Toleranz bezüglich Massungenauigkeit vorhanden, da die Grundrisse durch die gegebenen Strukturen fixiert waren. Sämtliche Wände und Decken wurden aus diesem Grunde durch einen Geometer eingemessen. Eine Massnahme, die sich bewährte.
 
Das Team der Implenia Generalunternehmung AG realisierte in kürzester Zeit ein aussergewöhnliches Projekt, das von Anfang an bis zum Schluss forderte. Die Junior-Suiten wurden am 15. Juli an die Bauherrschaft übergeben. Mit dem Rückbau der Plattform Ende August konnte dieses Projekt ohne Verletzungen und Komplikationen abgeschlossen werden. (Stefan Domanig)
 

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