Wieder gefahrlos spazieren

Wieder gefahrlos spazieren

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Teaserbild-Quelle: Florencia Figueroa
Die Parkanlagen der Gönhard-Villen in Aarau sind seit geraumer Zeit öffentlich zugänglich. Um sie vor dem Zerfall zu retten, erhalten das Franckengut, das Landoltgut und das Müller-Brunngut eine denkmalpflegerische Auffrischung.


Die drei Villen – zusammen die Gönhardgüter genannt – zählen zu Aaraus schönstem Erbe aus dem 19. Jahrhundert (siehe Kasten «Die Gönhardgüter»). Um sie der Nachwelt auch weiterhin zu erhalten, hat die Stadt beschlossen, das ganze Areal zu sanieren. Genauer gesagt, die drei Parks der drei Villen Francke, Landolt und Müller-Brunner (benannt nach der jeweiligen Besitzerfamilie).

Die voraussichtlich vier Jahre dauernden Bauarbeiten werden gemäss Mitteilung der Stadtverwaltung in Etappen erfolgen. Begonnen wurden sie bereits Anfang des vergangenen Jahres in der Anlage des Franckenguts. Während des laufenden Jahres wurden für nahezu eine halbe Million Franken Teile der Parkanlage Frankengut baulich instand gestellt. Mit diesem Geld wurde das Gartenbad restauriert und ein durchlässiger Weg für Fussgänger auf der Nord-Süd-Achse geschaffen. Des Weiteren wurde das Wegnetz mittels historischer Pläne und Fotos rekonstruiert.

«Bei der Renovation der Parkanlage des Franckenguts stand die Erhaltung der originalen Bausubstanz der Anlage im Vordergrund», erläutert der Landschaftsarchitekt Daniel Schneider. Dazu gehöre aber nicht nur die Bausubstanz, sondern auch der Baumbestand. «Die Bäume sind zu einem grossen Teil sehr alt. Manche sind aber auch krank und stellen daher eine Gefahr für die Besucher der Anlage dar», erklärt Schneider. Vor allem von den Kastanienbäumen ging laut Schneider eine Gefahr aus. Sie wiesen nach unten nämlich eine sich verbreitende Fäule der Ast- und Stammkerne auf, was schon zu Astabbrüchen führte. Der Belag der Kastanienallee wurde mittlerweile saniert, die alten Bäume hat man standortgetreu durch junge Bäume ersetzt. Zwar wurden bisher keine weiteren Bäume gefällt, aber «der präventive Ersatz einiger Bäume wird unumgänglich sein», gibt Schneider zu Bedenken. Der Bestand wird deshalb regelmässig von Fachleuten kontrolliert.

Durchgang geschaffen

Zu den Bauarbeiten, die im Rahmen der Sanierung der Franckengut-Parkanlage durchgeführt worden sind, gehört auch die Rekonstruktion der ehemaligen Vorfahrt von der Entfelderstrasse zur Villa. Diese Strasse, die früher einmal befahrbar war und in das Franckegut führte, ist nun für Autos gesperrt worden. Zu dieser Zufahrtsstrasse gehört die Kastanienallee, deren Bäume durch neue ersetzt werden mussten.

Des Weiteren wurden rund um die Villa die versiegelten Beläge aufgebrochen und originalgetreu durch Kiesbeläge ersetzt. Auch eine neue Parkverbindung wurde geschaffen. Die drei Parkanlagen des Landolt- und des Müller-Brunner-Guts werden durch eine Mauer voneinander getrennt. Durch diese Mauer wurde nun ein zurückhaltender Durchgang geschaffen, der die drei Parks miteinander verbindet und ein leichteres Spazieren durch die Anlagen erlaubt.

Die erste Etappe der Bauarbeiten ist inzwischen abgeschlossen. In einer zweiten Etappe sollen auch die benachbarten Parkanlagen des Landolt-Gutes (gegenwärtig Sitz einer privaten PR- und Werbeagentur) und des Müller-Brunner-Gutes (seit einigen Jahren das städtische «Haus der Musik») restauriert werden. Die entsprechenden Arbeiten werden aber voraussichtlich erst in den Jahren 2011 und 2012 ausgeführt. Der Stadtrat rechnet für diese Sanierung mit Kosten von noch einmal 1,2 Millionen Franken. Insgesamt wendet die Stadt Aarau also etwa zwei Millionen Franken für ihr Kulturgut Gönhardgüter auf. (Florencia Figueroa)
 

Hintergrund

Die Umnutzung zahlreicher stadtnaher Villen lässt um das Jahr 1900 wohlhabende Bürger ihre Anwesen weiter vor die Stadt, ins untere Zelgli oder auf die Geländestufe über dem Gönhard verlegen. So bildete sich ein Parkkomplex mit drei Gütern: Franckegut, Landoltgut und Müller-Brunnergut. Sie verfügen über grosszügige Parks, die dem damaligen Zeitgeist entsprechen, sich aber deutlich voneinander unterscheiden. Alle drei Villenparks sind in der Liste der historischen Gärten und Anlagen der Schweiz aufgenommen (ICOMOS). Mitte 2007 hat der Stadtrat ein Sanierungskonzept gutgeheissen, das grossräumige Gebiet mit den drei Villen und den Parkanlagen für die Öffentlichkeit attraktiver zu gestalten. (pd)