Weniger improvisieren und basteln

Weniger improvisieren und basteln

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Teaserbild-Quelle: Layher GmbH
Die Sieger des Wettbewerbs «Bestes Maler- und Gipsergerüst 2010» sind die Firmen Altrex und Layher. Gemeinsam vergaben der Schweizerische Maler- und Gipser-Unternehmerverband (SMGV) und die Suva den Preis, um Innovation bei den Gerüstherstellern zu fördern. Damit soll die Zahl der Unfälle gesenkt werden.
 
Bis 2015 möchte die Suva die Anzahl Arbeitsunfälle mit Todesfolge halbieren. Konkret heisst das: 250 Leben im Jahr zu retten. Wie Adrian Bloch, Leiter Bereich Bau der Suva, anlässlich der Prämierung des «Besten Maler- und Gipsergerüsts 2010» in Wallisellen ZH ausführte, setzt die «Vision 250 Leben» da an, wo Arbeiter einem hohen Risiko ausgesetzt sind. Auf dem Bau ist das etwa im Zusammenhang mit Gerüsten der Fall. Etwa 3000 Gerüstunfälle ereignen sich pro Jahr. Oft sind sie schwerwiegend, was sich in hohen Kosten für die Versicherung niederschlägt – pro Unfall im Schnitt 27 000 Franken gegenüber etwa 10 000 Franken im Bauhauptgewerbe. Grund genug für die Suva, die Kampagne «Sichere Arbeitsgerüste» ins Leben zu rufen (siehe «Hintergrund»).
 
Eine Gegenüberstellung der Unfallwahrscheinlichkeit nach Berufsgruppen zeigt, dass vor allem Gipsern und Dachdeckern solche Unfälle widerfahren. «Oft ist dies weniger auf menschliches Versagen zurückzuführen», erklärte Urs Stüdeli, Projektleiter «Gut gerüstet» bei der Suva, «sondern vielmehr darauf, dass keine optimalen Produkte für alle praktischen Situationen auf dem Markt sind.» Die Folge: Es wird improvisiert und gebastelt, was die Unfallgefahr erhöht.
 

Wettbewerb zur Förderung

Um diesem Umstand entgegenzuwirken, spannt die Suva nun mit dem Schweizerischen Maler- und Gipser-Unternehmerverband (SMGV) zusammen. Gemeinsam haben sie den Wettbewerb «Bestes Maler- und Gipsergerüst 2010» lanciert, zu dem im August vergangenen Jahres 27 Firmen eingeladen wurden. Ein internationales Feld von sechs Herstellern folgte dem Aufruf: die holländische Altrex, Hymer-Leichtmetallbau, Iller-Leiter und Layher aus Deutschland, die englische Youngman Group und als einziger Schweizer Hersteller die Firma Tobler AG aus Rheineck.
 
Der Wettbewerb verfolgt das Ziel, Innovationen im Gerüstbau zu fördern und als Resultat bessere Arbeitsgerüste zu erhalten. Was «besser» heisst, davon hatten die Wettbewerbsveranstalter eine klare Vorstellung: Gefragt war ein möglich einfaches System, das modular auf- und ausbaubar ist, zudem vielseitig einsetzbar und insbesondere für den Einsatz in Treppenhäusern geeignet.
 
Ricardo Bischofberger, Inhaber eines Gipsergeschäfts in Obfelden und Jury-Mitglied des SMGV, stellte die Gewinner vor (siehe auch «Nachgefragt» auf Seite 24). Die ersten drei Plätze lagen nahe beieinander. Während es das Schweizer Gerüst von Tobler auf den dritten Rang schaffte, gab es bei Punktgleichheit zwei erste Plätze: Die Gerüstsysteme von Altrex und Layher teilten sich die Ehre.
 
Für beide Systeme sprachen ihr modularer Aufbau und der vielseitige Einsatzbereich. Altrex wurde besonders gelobt für die Einsetzbarkeit bei «geometrisch anspruchsvollen Gegebenheiten». Das Layher-Gerüst hingegen stach durch seine Robustheit und sein Handling hervor.
 
Die Vertreter beider Firmen zeigten sich erfreut über die Auszeichnung. «Wir sind stolz auf den ersten Platz», freute sich Paul Aschwanden, Verkaufsleiter von Layher, «denn es ist uns wichtig, allen Ansprüchen gerecht zu werden.» Für das siegreiche Gerüstsystem seien alle Elemente bereits vorhanden gewesen, allerdings habe man für den Wettbewerb alle Teile bis auf die Füsse aus Aluminium erstellt. Das ganze System sei ohne Schlüssel montierbar, beliebig erweiterbar und nun eben deutlich leichter geworden.
 
Für Markus Wiederkehr, Geschäftsführer der Wiederkehr AG aus Buchrain, die die Altrex-Gerüste in der Schweiz vertreibt, bestand die Herausforderung beim Wettbewerb darin, «etwas Neues zu entwerfen, das der Problemstellung, in jedem Treppenhaus das Gerüst aufstellen zu können, gerecht wird». Das Altrex-Alu-Treppenhausgerüst, speziell für diesen Wettbewerb beziehungsweise für Maler und Gipser konzipiert, komme mit nur vier Standardelementen in jeweils verschiedenen Grössen aus.
 
Zufrieden mit dem Wettbewerb zeigte sich auch der Zentralpräsident des SMGV, Alfons Kaufmann. Die für die Konkurrenz vorgeschlagenen Gerüstsysteme seien ein Schritt in die richtige Richtung. Diesen Weg müsse man nun weitergehen, fordert Kaufmann und stellt fest: «Es besteht noch viel Potenzial für weitere Innovationen.» Luca Rehsche
 
 
Nachgefragt bei Ricardo Bischofberger
 
Welche Idee hat Sie bei der Begutachtung der verschiedenen Gerüste am meisten überrascht?
Ricardo Bischofberger: Das war das Gerüst von Hymer, das zum Schluss der Bewertung jedoch die wenigsten Punkte erhielt. Dieses Gerüst besticht durch seine Einfachheit. Einfache Systeme sind grundsätzlich sehr gut. Das Problem war, dass wir im Wettbewerb ein Gerüst suchten, das vielseitig und insbesondere auch im Treppenhaus einsetzbar ist. Das war bei diesem Produkt nicht der Fall.
 
Was gab den Ausschlag zugunsten der Siegergerüste?
Ihre Einfachheit kombiniert mit Vielseitigkeit: Sie bestehen aus ganz wenigen Teilen und sind doch in den verschiedensten Situationen einsetzbar.
 
Wo sehen Sie Verbesserungspotenzial?
Das Ziel ist, dass man beim Zusammensetzen kaum noch studieren muss und somit Fehler praktisch ausgeschlossen werden. Die Systeme müssen entsprechend noch simpler aufgebaut, aber dennoch jeder praktischen Situation gewachsen sein – wie Lego sozusagen.
 
Werden Sie selbst für Ihr Unternehmen eines dieser Gerüste anschaffen?
Ja, ich denke, ich werde mir ein im Treppenhaus einsetzbares Gerüst anschaffen. Eine vielseitige Anwendbarkeit ist heute schliesslich das A und O. (re)