Wendige Schwerarbeiter

Wendige Schwerarbeiter

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: zvg
Wenn auf Baustellen grosse Massen zu befördern sind, gelten Muldenkipper als die ideale Lösung. Sie sind geländegängiger und robuster als LKWs, sie sind schneller, traktionsstärker und wetterunabhängiger als Traktor-Kipper-Gespanne. Im Trend sind die besonders wendigen knickgelenkten Muldenkipper. Eine Übersicht über die gängigsten Modelle.
 
 
Bis in die 80er-Jahre waren im Baubetrieb Starrrahmenkipper üblich. Inzwischen aber wurden diese Muldenkipper fast vollständig von Knicklenkern verdrängt – diese sind länger und schmaler und deshalb einfacher zu transportieren. Zudem brauchen knickgelenkte Muldenkipper weniger breite Baustrassen, um sich bei schneller Fahrt begegnen zu können. Die Maschinen bewältigen dank 6x6-Allradantrieb schwerstes Baugelände und können über unverdichteten Untergrund beim Einbau weit rückwärts bis zur Kippkante fahren. Durch die gelenkige Bauweise haben Knicklenker weniger Eigengewicht, transportieren somit effektiver und sparen erst noch Kraftstoff. Viele Gründe also, weshalb sich die knickgelenkten Muldenkipper auf den Baustellen durchgesetzt haben. Vergleichsweise neu und noch nicht allgemein verbreitet sind kompakte knickgelenkte Muldenkipper der kleineren Nutzlastklassen zwischen etwa 10 bis 15 Tonnen. Diese Maschinen arbeiten vorzüglich im Team mit den zunehmend beliebteren Midibaggern zwischen etwa 8 und 13 Tonnen Gewicht und ersetzen sowohl Kleindumper als auch LKW. Mit grösseren Nutzlasten von 20 bis fast 50 Tonnen folgt die breite Schar knickgelenkter Muldenkipper auf drei Achsen. Solche Fahrzeuge werden bei zahllosen Erd- und Tief-, Strassen- und Trassenbaustellen eingesetzt, arbeiten im Tunnelbau und erfreuen sich wachsender Beliebtheit in Kiesgruben, Steinbrüchen und anderen Gewinnungsbetrieben. Den Markt der knickgelenkten Muldenkipper in den gängigen Nutzlastklassen zwischen etwa 20 und 45 Tonnen teilen sich fast ein Dutzend Anbieter, wobei in den letzten Jahren zu den bekannten Herstellern wie Bell, Caterpillar und Volvo CE weitere Namen hinzukamen, beispielsweise Case, JCB und Komatsu. Bislang werden knickgelenkte Muldenkipper der üblichen Nutzlastklassen mit Ausnahme von Komatsu nicht von ostasiatischen Herstellern auf dem europäischen Markt angeboten. Hitachi fand eine andere Lösung und vertreibt auf nord- und südamerikanischen sowie ausgewählten asiatischen Märkten Bell-Knicklenker in eigenen Farben. Die nachfolgende Marktübersicht stellt die wichtigsten Programme knickgelenkter Muldenkipper und deren Hersteller vor. Um eine klare Grenze zwischen kleineren Dumpern und knickgelenkten Muldenkippern ziehen zu können, werden nur Maschinen ab 10 Tonnen Nutzlast berücksichtigt.
 
Astra
Der italienische Hersteller Astra gehört zur Iveco-Gruppe, die ein Unternehmen der Fiat-Gruppe ist. Die Astra-Knicklenker werden von Case, Link-Belt, O&K und New Holland in eigenen Farben angeboten, ausserdem Astra-Starrrahmenkipper von Case. Die Baureihe umfasst die vier Modelle ADT25c, ADT30c, ADT35c und ADT40c mit 23.2, 28.2, 31.5 und 37 Tonnen Nutzlast sowie 14.5 bis 22 Kubikmetern Muldeninhalt (SAE 2:1 gehäuft). Die Fahrzeuge sind mehr oder weniger baugleich mit den Case-Modellen. Für den Antrieb sorgen Iveco-Motoren mit ZF-Automatikgetriebe, die 235 bis 335 kW (319 bis 455 PS) leisten.
 
Bell
Die Muldenkipper des südafrikanischen Herstellers Bell sind in sechs Modellen erhältlich, mit 23, 27, 32, 37, 41 und 45 Tonnen Nutzlast. Nach oben abgerundet wird das Programm durch den B50D, der mit 79.9 Tonnen Gesamtgewicht und einem Muldenvolumen von 28.2 Kubikmetern als einer der grössten knickgelenkten Muldenkipper der Welt gilt. Der B50D wird von Bell als «einziger 50-Tonnen-Grossserien-Dumper» bezeichnet. Der Ende 2009 präsentierte neue B45D wird aufgrund seiner 41 Tonnen Nutzlast (45 short tons) vom Hersteller als erster «echter» 40-Tonner auf dem Markt bezeichnet. Bei den Muldenkippern der D-Serie soll ein neuer Nick- und Rollsensor auf dem Hinterwagen gemeinsam mit einer On-Board-Waage als Berganfahr-Assistent den Fahrbetrieb effizienter machen. Ein Sensor meldet die Fahrzeugneigung an ein Steuergerät, das die Werte mit den Lastdaten abgleicht. Erst wenn beim Beschleunigen das entsprechende Motor-Drehmoment anliegt, löst das System die Parkbremse und gewährleistet selbst auf steilen Rampen kontrolliertes Anfahren.
 
Bergmann
Von Bergmann Maschinenbau wird seit 2007 der zweiachsige Knicklenker 3012 für 12 Tonnen Nutzlast produziert. Das Fahrzeug verfügt serienmässig über einen Wendefahrerstand für problemlosen Shuttlebetrieb. Dies erspart nicht nur zeitraubende Wendemanöver, sondern gestattet auch Einsätze auf beengten und besonders schmalen, langgestreckten Baustellen wie entlang
von Kanal- und Pipelinegräben. Für solche Einsätze kann der 3012 anstelle der Hinterkippmulde mit einer Dreiseitenkippmulde ausgerüstet werden, die beim seitlichen Abkippen Rangiermanöver erspart. Bergmann wählte keine Drehmulde, da diese trotz extrem kurzer Bauweise und damit wenig Inhalt beim 90-Grad-Drehen über die Fahrzeugbreite hinausragen würde.
 
Case
Case führt eine Baureihe von vier knickgelenkten Muldenkippern im Programm, die von dem zu Iveco (Fiat) gehörenden Hersteller Astra in Italien gefertigt werden. Die neuen Modelle 327B, 330B, 335B und 340B sind baugleich mit den Astra-Knicklenkern und für 23.5, 28, 31 und 36 Tonnen Nutzlast ausgelegt. Die gehäuften Nutzlasten reichen von 14.5 bis 22.0 Kubikmetern. Die Motoren der Knicklenker erzielen Leistungen zwischen 224 und 318 kW (300 und 426 PS), die Höchstgeschwindigkeit wird mit 46 bis 48 Stundenkilometern angegeben. Die B-Serie bietet eine unabhängige Federung der Vorderachse, die sowohl in Längs- und als auch Querrichtung Federbewegungen zulässt. Stossdämpfer mit langen Federwegen sorgen für eine gute Dämpfung. Die elektronisch geregelten Getriebe gestatten die Wahl zwischen automatischem Gangwechsel und manueller Powershift-Schaltung. Alle Muldenkipper haben standardmässig einen «Full Traction»-Antriebsstrang, der auf alle Achsen wirkt. Kernstück des Antriebs ist ein direkt in das Getriebe integriertes Differential, das eine zusätzliche Antriebswelle überflüssig macht und für eine optimale Kraftübertragung sorgt. Sämtliche Achsen sind mit Selbstsperrdifferentialen ausgerüstet. Eine zusätzliche Getriebesperre in Längsrichtung bietet ausserdem die Möglichkeit, zwischen den Antriebsarten 6x4 oder 6x6 zu wählen.
 
Caterpillar
Die vier Caterpillar-Knicklenker 725, 730, 735 und 740 mit 23.6, 28.1, 32.7 und 38.1 Tonnen Nutzlast werden in England produziert. Ein aussergewöhnliches Merkmal der Muldenkipper ist der nicht wie üblich vor, sondern hinter dem Fahrerhaus angeordnete Kühler. Die elektronische Steuerung des Automatikgetriebes ermöglicht weiche Schaltvorgänge, was zur Schonung der Antriebskomponenten beiträgt. Sperrdifferentiale für alle Achsen quer und längs können während der Fahrt per Fussschalter hundertprozentig kraftschlüssig aktiviert und unter Last abgeschaltet werden, um Getriebeverluste und Reifenverschleiss zu minimieren. Die langhubige Federung aller Achsen mit hydropneumatischer Federung der Vorderachse und Rahmenpendelung gewährleistet ruhige Fahrt in welligem Gelände. Die robusten, breiten Mulden lassen sich aufgrund geringer Bordwandhöhe leicht beladen und problemlos entleeren. Der 730 und 740 sind optional mit einer Ejectormulde lieferbar, die nicht hochkippt, sondern die Ladung hydraulisch ausstösst und dadurch das kontrollierte Einbauen während der Fahrt oder auch bei Höheneinschränkungen ermöglicht.
 
Doosan-Moxy
Im Sommer 2008 erwarb der koreanische Konzern Doosan Infracore den norwegischen Muldenkipperhersteller Moxy. Das Doosan-Programm enthält die vier dreiachsigen Knicklenker MT26, MT31, MT36 und MT41 für 24.6 bis 37.2 Tonnen Nutzlast, sämtlich angetrieben von Scania-Motoren. Obwohl im aktuellen Produktprospekt das grössere Modell MT 51 für 46.3 Tonnen Nutzlast und 77.6 Tonnen Gesamtgewicht mit technischen Daten aufgeführt wird, ist dieser Knicklenker noch nicht als Serienmodell erhältlich, sondern existiert als Prototyp, der sich in einer einjährigen Erprobung befindet. Unkonventionell ist die Fahrwerkstechnik, denn die vier Hinterräder sind an zwei frei pendelnden Tandemschwingen angeordnet. Dadurch haben die vier Hinterräder stets Bodenkontakt und erbringen im Gelände grosse Traktion. Auch das Knickgelenk ist anders konstruiert, da sich das Pendelgelenk zum Verdrehen des Rahmens von Vor- und Hinterwagen nicht hinter dem Knickgelenk am Rahmen des Hinterwagens befindet, sondern davor direkt am Vorderwagen.
 
Hydrema
Vom dänischen Hersteller Hydrema werden zweiachsige Knicklenker mit 10 Tonnen Nutzlast und ein dreiachsiger für 20 Tonnen Nutzlast produziert. Der allradgetriebene 10-Tonnen-Muldenkipper 912D verfügt über ein spezielles Knickpendelgelenk für hydraulische Dämpfung und Lastverteilung. Mit Niederdruckreifen ist der 912D nur 2.47 Meter breit und darf mit der entsprechenden Zulassung öffentliche Straßen befahren. Der 912D MT besitzt eine stufenlos um 180 Grad drehbare Mulde, die ihre Ladung um 90 Grad geschwenkt seitlich abschütten kann. Das erübrigt zeitraubende Rangiermanöver und gestattet das Verfüllen auf schmalen Fahrstreifen. Neu ist der 912HM, ebenfalls für 10 Tonnen Nutzlast, mit spezieller Bereifung für niedrigen Bodendruck. Die grossen Räder und breiten Reifen bewirken, dass der Bodendruck um 30 Prozent geringer ist als beim 912D – bei voller Zuladung erzeugt der Muldenkipper nur 0.85 bis 1.16 kg/cm² Bodendruck.
 
JCB
Die Baureihe knickgelenkter Muldenkipper unterteilt sich beim englischen Hersteller JCB in zwei- und dreiachsige Fahrzeuge. Die beiden kleineren Knicklenker, der 714 und 718 für 13 und 16.5 Tonnen Nutzlast sowie 7.35 und 9.6 Kubikmeter Muldeninhalt sind zweiachsig, der grössere 722 für 20 Tonnen und 12 Kubikmeter ist dreiachsig. Der kleine, nur 6.6 Meter lange 714 eignet sich mit 7.1 Metern äusserem Wenderadius gut für beengte Baustellen. Interessant sind die ungewöhnlichen Nutzlastklassen 13 und 16 Tonnen nach Angaben von JCB für kleinere Baufirmen, Kleinförderbetriebe, kommunale Betriebe und Vermieter, für die sich Knicklenker mit 20 Tonnen Nutzlast nicht rechnen. Bei Fahrten über öffentliche Strassen darf der 714 zwar nur noch 6.3 Tonnen laden, erreicht aber bis zu 40 Stundenkilometer. Der 718 fährt mit voller Nutzlast bis zu 50 Stundenkilometer schnell. Der 722 erreicht rückwärts bis zu 32 Stundenkilometer; ein Vorteil bei schmalen Baustellen mit langen Rückfahrstrecken.
 
Komatsu
Seit 2004 werden von Komatsu knickgelenkte Muldenkipper aus eigener Produktion angeboten. Zuvor führte das japanische Unternehmen Knicklenker im Programm, die von Moxy in Norwegen gefertigt wurden. Die aktuelle Baureihe beinhaltet die vier Modelle HM250-2, HM300-2, HM350-2 und HM400-2 mit 24, 27, 32 und 36.5 Tonnen Nutzlast und 14.7 bis 22.3 Kubikmeter
Muldeninhalt. Mit dem neuen HM250-2 mit 24 Tonnen Nutzlast und 47.7 Tonnen Gesamtgewicht erweiterte Komatsu jüngst die Baureihe nach unten. Der HM250-2 wird von einem Motor mit 232 kW (311 PS) Leistung angetrieben und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 57 Stundenkilometern.
 
Liebherr
Das Vorzeigemodell des deutschen Herstellers ist der TA 230. Der Liebherr-Muldenkipper wird von einem 6-Zylinder-Reihenmotor mit Abgasturbolader angetrieben, der eine Leistung von 270 kW (367 PS) erbringt und eine Höchstgeschwindigkeit von 57 Stundenkilometern ermöglicht. Der TA230 hat bei einem Einsatzgewicht von gut 23 Tonnen eine Nutzlast von 30 Tonnen und eine Muldenkapazität von 19 Kubikmetern.
 
Volvo CE
Der schwedische Hersteller Volvo CE gilt weltweit als Marktführer bei knickgelenkten Muldenkippern und ist der Pionier dieses Fahrzeugkonzeptes. Die aktuelle E-Serie umfasst fünf Basismodelle, und zwar den zweiachsigen A25E 4x4 und die vier dreiachsigen Modelle A25E, A30E, A35E und A40E für 24, 28, 33.5 und 39 Tonnen Nutzlast sowie 15 bis 24 Kubikmetern Muldeninhalt. Der 24 Tonnen ladende A25E 4x4 ist der einzige knickgelenkte Muldenkipper dieser Grössenordnung auf dem Markt, der auf zwei statt auf drei Achsen fährt. Dadurch können enge Kurven ohne jegliches Radieren der Hinterräder durchfahren werden. Für den Tunnelbau ist der A25E 4x4 mit patentierter Wendevorrichtung lieferbar, die das Wenden in engen Stollen gestattet. Die beiden grössten Muldenkipper A35E und A40E sind in der Variante FS lieferbar, wobei FS für «Full Suspension» (Voll-Federung) steht. Diese Fahrzeuge haben statt Gummifederung an jedem Rad einen hydraulischen Federungszylinder. Die Vollfederung sorgt für automatischen Niveauausgleich und Stabilitätskontrolle an allen Rädern. Das System registriert ständig Beladung und Zustand des Fahrweges, passt die Federung an die jeweiligen Bedingungen an und sorgt für ruhiges, stabiles Fahren. Auf der bauma 2010 stellte Volvo CE ein neues Kipperchassiskonzept vor, das den Herstellern spezieller Fahrzeugaufbauen umfangreiche Unterstützung während der Entwicklungs- und Produktionsphase gibt. Damit lassen sich beispielsweise Hakenlift, Containertransporter,
Betonmischer, Rohr- und Holztransporter vorteilhaft anstelle der Serienmulde einsetzen.
 
Wacker Neuson
Mit 10 Tonnen Nutzlast kann der Dumper 10001+ von Wacker Neuson (Kramer) durchaus der Kategorie der knickgelenkten Muldenkipper zugeordnet werden, allerdings mit Frontkippmulde. Die allradgetriebene Maschine erreicht bis zu 27 Stundenkilometer Geschwindigkeit und bewältigt im beladenen Zustand Steigungen von 50 Prozent. Mit nur 4.8 Tonnen Leergewicht bietet der Kompaktkipper einen hohen Nutzlastfaktor von 2.09. Im Powershuttle-Betrieb mit Wendefahrerstand fährt der Muldenkipper gleichwertig vor- und rückwärts, was zeitraubende und Platz beanspruchende Wendemanöver erübrigt. Der 10001+ ist optional mit einer vollverglasten Sicherheitskabine lieferbar. Beide Kabinentüren sind im Winkel von 180 Grad arretierbar und ermöglichen daher das Fahren auch bei geöffneten Türen.
(Dipl.-Ing- Heinz-Herbert Cohrs*)
 
(*Heinz-Herbert Cohrs ist Mitarbeiter unseres deutschen Partnermagazins «TIS» (Tiefbau, Ingenieurbau, Strassenbau).