Verklebte Lärmschutzwände am Lorraineviadukt Bern

Verklebte Lärmschutzwände am Lorraineviadukt Bern

Gefäss: 
Rund 50 000 Züge pro Jahr passieren den Lorraineviadukt von Bern. Diese enorme Lärmbelastung erforderte besondere Massnahmen. Gemäss den gestalterischen Vorgaben sollte die Lärmschutzwand eine glatte, durchgehende Verkleidung aufweisen, Befestigungsmittel durften nicht sichtbar und zudem sollte die Wand oben mit einer glatten Abdeckung versehen sein. 
Das Lorraineviadukt oder Eisenbahnviadukt Bern ist ein 1092 Meter langer Viadukt in der Stadt Bern, der 1941 dem Verkehr übergeben wurde. Es führt unter anderem die Bahnstrecke Bern–Olten. Die bahnamtliche Bezeichnung der Brücke lautet Lorraine, ohne den Zusatz Viadukt. Bei der Inbetriebnahme war das Lorraineviadukt die längste Eisenbahnbrücke der Schweiz; dieser Titel ging mit der Eröffnung der Käferberglinie 1969 an den 1126 Meter langen Hardturmviadukt.
Nach der Plangenehmigungsverfügung vom September 2007 war die SBB verpflichtet, zur Gestaltung der Lärmschutzwände für den Lorraineviadukt das Gestaltungskonzept des Berner Architekten Rolf Mühlethaler, zu berücksichtigen. Nach diesen gestalterischen Anforderungen wurden folgende Punkte festgehalten:
  • Die Lärmschutzwand soll auf der Innen- und Aussenseite eine glatte, durchgehende Verkleidung aufweisen.
  • Es sollen keine Befestigungsmittel sichtbar sein.
  • Die Lärmschutzwand soll oben mit einer glatten Abdeckung versehen sein.

Mit der Lärmschutzkonstruktion Typ Sonotec SSW A1, SEA/ABE konnte den gestalterischen Vorgaben Genüge getan werden, die vom Berner Architekt Rolf Mühlethaler definiert worden waren. Die kostengünstige Lösung besticht nicht nur durch ihre ruhige Optik, sondern auch durch eine minimale Pflege. Ebenso weist sie eine enorme Belastbarkeit gegenüber Witterung und den durch vorbeifahrende Züge entstehenden Druck- und Sogkräften auf. Bei den von Sonotec, Villmergen AG, gelieferten Lärmschutzelementen handelt es sich um eine Weltneuheit: die ersten verklebten Aluminium-Lärmschutzwände ohne Nieten und Schrauben.
Für die Suche nach einer technischen Lösung wurden die Herstellerfirma Sonotec Schallschutz AG, der Projektingenieur von der C+S Ingenieure AG sowie SBB-interne Fachstellen zugezogen. Im April 2008 wurde beschlossen, ein erstes Muster anzufertigen. Auch der Farbe wurde grosses Gewicht beigemessen. So sollten Verunreinigungen wie Bremsstaub oder Ähnliches nicht sofort sichtbar werden. Von Beginn an entschied man sich für eine hellere Farbe, da diese unter anderem in Bezug auf die materielle Ausdehnung infolge Temperaturdifferenzen besser geeignet ist. Ebenfalls mussten die akustischen Eigenschaften gemäss Schweizerische Norm 671 250b eingehalten werden. Ein entsprechender Nachweis sollte vom Hersteller geliefert werden. Nach Abschluss der Planung endete die aktive Zusammenarbeit mit dem Architekten Mühlethaler. Für die anschliessenden Ausführungen wurde nun Toni Häfliger von der SBB-Fachstelle Denkmalschutz beigezogen.
 

Auf die Farbe achten

 
Im Juli 2008 erfolgte die Fabrikation eines ersten Musterelementes. Grundlage boten die ersten statischen Berechnungen sowie Konstruktionszeichnungen. Ebenso erfolgte die Bemusterung mit entsprechenden Farbmustern. Im Februar 2009 waren die statische Berechnung und die Konstruktion abgeschlossen und das technische Konzept war bereinigt. Die mit Sika Schweiz AG durchgeführten Tests betreffend Belastbarkeit nach Verleimung der einzusetzenden Materialien waren erfolgreich verlaufen. Danach folgte die Ausschreibung der Elemente nach Vorgaben des Herstellers.
Die Fabrikation begann im August. Weil das Verkleben der Elemente einen beträchtlichen Mehraufwand darstellte, musste mehr Zeit dafür vorgesehen werden. Der Beginn der Montage der Lärmschutzelemente auf der Lorrainebrücke erfolgte Ende September. Pro Nachtschicht erreichte man durchschnittlich eine Länge von über 190 Metern. Mitte November konnte man die Montage abschliessen.
 

Elemente aus Aluminium

 
Sonotec Typ SSW A1, SEA/ABE sind einseitig hochabsorbierende Elemente aus Aluminium. Diese werden in bestehende Stahlstützen (HEA-160-Stützen) eingeschoben. Speziell geformte Aluminium-Strangpressprofile bilden den Grundrahmen des Systems. Die vertikalen Profile sind so ausgebildet, dass eine eigens für dieses System entwickelte Dichtung eingelegt wird. Die Schalldämm- beziehungsweise Absorptionsmatte ist im Grundrahmen eingelegt und allseitig gehalten. Auf dem Grundrahmen werden spezielle Aluminiumprofile zur Aufnahme der äusseren Verkleidung aus Aluminium Verbundplatten montiert. Diese schützen die Dämmplatten, und das System lässt sich so optisch gestalten. Die eingebauten Mittelstützen verstärken das Rahmenelement. Die Längsdichtungen sind in den dafür vorgesehenen Dichtungsnuten eingelegt und dichten zwischen Lärmschutzelement und Stützenprofil schalldicht ab.
Die äussere Verkleidung aus Aluminium-Verbundplatten ist aus einem Stück gefertigt. Diese ist an den Enden durch ein ausgeklügeltes Verfahren ausgeklinkt und genau auf Mass gekantet. So bilden sie zugleich die Attikakappe sowie das Sockelprofil aus. Aus statischen wie ästhetischen Gründen wurden diese auf der Lorrainebrücke am Rahmengrundelement verklebt. Es wurde davon ausgegangen, dass pro Tag 134 Züge den Lorraineviadukt passieren. Diese verursachen erhebliche Druck- und Sogkräfte, die auf die neuen Lärmschutzwände wirken. Dieser enormen Belastungen konnte nur ein verklebtes Lärmschutzsystem gerecht werden.
Auf der Innenseite wurde ein grossformatiges Aluminiumlochblech mit einem Durchlass von 40,3 Prozent montiert. Dank einer neuartigen Herstellungs- und Montageart erscheinen auch diese Elemente optisch ruhig und eben.
Die ganze Konstruktion ist durch eine hochwertige Pulverbeschichtung (Beschichtungsstärke mindestens 80 mμ) gegen Korrosion geschützt. Zudem ist der gesamte Rahmen aus langlebigen Materialien zusammengesetzt. Dank diesen Massnahmen wird eine hohe Lebensdauer garantiert. Als Farbe aussen wurde Sunrise silbermetallic Nr. 600 und innen RAL 9006 weissaluminium gewählt. Die Rahmenkonstruktion ist in schwarz gehalten. Dank dieser Konstruktion ist der Unterhalt minimal. Eine allfällige Reinigung kann einfach und mechanisch erfolgen. Reparatur und Austausch von Lärmschutzelementen sind jederzeit gewährleistet und unproblematisch. Erwähnenswert sind ebenfalls einzelne Lärmschutzkonstruktionen, die aufgrund einer besonderen Masten-Situation speziell angefertigt wurden. So wurden für die Mastumfahrungen gerundete Lärmschutzelemente produziert. Diese stellten hohe Anforderungen an die Massgenauigkeit und das technische Lösungskonzept.
 

Transport und Montage

 
Der Transport erfolgte auf speziellen Paletten, die eigens dazu angefertigt worden waren. So wurden die Elemente vertikal und einbaufertig auf die Baustelle geliefert. Pro Ladung konnten rund 30 Stück transportiert werden. Die Paletten konnte man problemlos vom Lastwagen auf die SBB-Wagen verladen. Von diesen wurden sie mit vormontierten Ösenschrauben am Kran angehängt und direkt in die Stützen eingeschoben. Somit war die Montage des Elementes fertig und es brauchte keine Nachmontage von fehlenden Teilen. Durch das verwendete System konnte eine extrem hohe Montagegeschwindigkeit von bis zu 60 Elementen pro Nachtschicht erreicht werden. (bb/pd)