Unter Hochdruck in der Röhre

Unter Hochdruck in der Röhre

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Teaserbild-Quelle: zvg
Platzmangel und Zeitdruck waren die Knackpunkte bei der Sanierung der Zwischendecke im Sonnenbergtunnel in Luzern. Denn der rege Verkehrsfluss sollte durch die Arbeiten möglichst nicht behindert werden. Ein klarer Fall für ein erfahrenes Team und einen Spezialbeton.
 
 
An normalen Werktagen donnern durchschnittlich 60 000 Fahrzeuge durch den Sonnenbergtunnel. Doch am 11. Februar um 21 Uhr kehrt vorübergehend Ruhe ein. Statt Autos bevölkern Bauarbeiter und schwere Maschinen die Röhre übers Wochenende. Sie haben eine Mission: Die Zwischendecke muss ersetzt werden. Das ist ein kleiner, aber heikler Teil der umfassenden Sanierungsarbeiten Mehr als 30 Jahre intensiver Betrieb hat dem Tunnel zugesetzt. Der Eisenbeton ist vom Streusalz angefressen, an ­diversen Stellen sickert Wasser durchs Tunnelgewölbe. Die Sicherheits-einrichtungen sind ­veraltet und müssen ersetzt werden. Deshalb wird eine Längslüftung eingebaut, und Abluftklappen in der Zwischendecke sollen den Abzug der Rauchgase im Brandfall sichern.
 

Wenig Platz, wenig Zeit

Es ist eine Baustelle der besonderen Art mit ­besonderen Schwierigkeiten. Die Platzverhältnisse im Tunnel sind eng und erlauben keine unvor­hergesehenen Manöver von Maschinen und Lastwagen. Auch die Arbeitshöhe ist beschränkt. Deshalb können einige Maschinen gar nicht ­eingesetzt werden, weil die Tunneldecke sie ­behindern würde. Gleichzeitig muss die ­anspruchsvolle Mission in kurzer Zeit durch­geführt werden. Für den Ersatz der Zwischendecke im gut 1,5 Kilometer langen Bau hatten die Bau­profis 56 Stunden Zeit. «Innerhalb dieses Zeitfensters musste die Decke komplett ­geschalt, armiert, betoniert und ausgeschalt sein», sagt der Baustellenchef Davide Pasquali. Fürs eigentliche Betonieren waren ­gerade mal drei Stunden eingerechnet. Deshalb kam kein normaler Beton zum Einsatz, sondern ein Schnellbeton. Er erhält seine Druckfestigkeit bereits nach zehn Stunden ab Mischprozess. Seine Offenzeit, also die Zeitspanne, in der der Werkstoff verarbeitet werden kann, beträgt ledig­lich drei Stunden. Der Hightech-Werkstoff wurde im Vorfeld im Betonwerk BBR Rothenburg unter möglichst realistischen Bedingungen getestet. Dazu wurde ein Pumpeinbau mit der zu überwindenden Höhe simuliert. Weiter wurden die Nocken des späteren Bauteils nachgeschalt und geprüft. Die so gewonnenen Resultate dienten als Grundlage für die minutiöse Planung.
 
In der Vorbereitungsphase wurde jeder Arbeitsschritt minutiös geplant und in einem Stundenprogramm festgehalten. Die einzelnen Arbeitsschritte wurden den Bauführern ständig kommuniziert, ­sodass auch sie überprüfen konnten, ob die Arbeiten innerhalb ihrer Schicht realistisch waren.

Pumpen, Taloschen, Vibriernadeln

Neben der Planung spielte das Equipment eine zentrale Rolle. Aufgrund der knappen Zeit durfte nichts schiefgehen, Verzögerungen wegen eines Geräteausfalls oder einer andern Panne lagen nicht drin. So kam auf der Baustelle allerlei Gerät und Werkzeug zusammen. Die wichtigsten für diesen Arbeitsabschnitt waren zwei Betonpumpen, die gleichzeitig im Einsatz standen. Eine Ersatzpumpe wartete zudem beim Tunnelportal Süd. Daneben Vibriernadeln, Taloschen, Thermometer, Betonprüfhammer, Blachen und eine Heizung. Letzteres Material war nicht etwa für die Arbeiter bestimmt, sondern für den Beton. Denn nach dem Verbau musste der Werkstoff unter optimalen klima­tischen Verhältnissen aushärten. Deshalb wurden Blachen aufgehängt und anschliessend der ganze Bereich geheizt. Neben Planung und Material war ein erfahrenes Team entscheidend für das Gelingen der heiklen Mission. Diese hat es ohne Zwischenfälle gemeistert und den Tunnel am Montag früh pünktlich wieder der alltäglichen Blechlawine überlassen. (ka)