Umbau Schloss Burgdorf: Archäologen finden rätselhafte Siedlungsreste

Umbau Schloss Burgdorf: Archäologen finden rätselhafte Siedlungsreste

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Teaserbild-Quelle: WillYs Fotowerkstatt, Eigenes Werk, CC BY 3.0, Wikimedia
Rätselhafte Reste

Archäologen haben im Zuge der laufenden Bauarbeiten auf Schloss Burgdorf rund 3700 Jahre alte Siedlungsüberreste entdeckt. Unter anderem vier mysteriöse, mit Keramik gefüllte Gruben.

Einst diente das im 11. Jahrhundert errichtete Schloss Burgdorf den Grafen von Rheinfelden und später den Herzögen von Zähringen und den Grafen von Kyburg. Heute sind hier drei Museen untergebracht, das helvetische Goldmuseum, das Schlossmuseum und das Museum für Völkerkunde. Seit Juni wird die Anlage aufwendig umgebaut: Neu sollen hier neben den Ausstellungsstätten eine Jugendherberge, ein Lokal für Trauungen und ein Restaurant Platz finden.

Während des Rückbaus der früheren Gefängniszellen im alten Kornhaus gelangten nun „überraschende Funde“ ans Tageslicht, wie der Kanton mitteilt. Es handelt sich um Überreste von bronzezeitlichen Höhensiedlungen, die ältesten Funde reichen rund 3700 Jahre zurück. Sie zeigen, dass sich auf dem Hügelsporn einst eine umfangreiche bronzezeitliche Siedlung befand.

Kultischer Zweck oder Hausbrand

Die eindrücklichsten Entdeckungen, welche die Archäologen machten, sind gemäss Kanton Gruben im Untergrund. Die grösste Grube weist einen Durchmesser von vier Metern auf und ist mit mehreren übereinanderliegenden, stark verbrannten Lehmwänden ausgekleidet. Die Gruben sind mit Brandschutt gefüllt, der eine grosse Menge an Keramik enthält, unter anderem aufwendig dekorierte Gefässe. Zudem entdeckten die Archäologen Spinnwirtel, Webgewichte sowie Speisereste wie Tierknochen und verbrannte Getreidekörner. – Wozu die Gruben gedient haben, wissen die Archäologen nicht. Dies erklärte Armand Baeriswyl vom kantonalen archäologischen Dienst gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Es gebe aber drei Hypothesen. Gemäss der ersten sind die Gruben Überreste von Grubenbrandöfen, der einfachsten Art, Keramik zu brennen. Sie könnten aber einem kultischen Zweck gedient haben oder es handelt sich um Vorrats- oder Kellergruben unter einem abgebrannten Holzhaus.

Wasserversorgung sichern

Überdies Archäologen konnten an der Nordseite der Anlage die älteste steinerne Ringmauer freilegen. Vermutlich ist sie Teil des Schlosses, das um 1200 von den Herzögen von Zähringen als prächtige Residenz errichtet worden und wurde drei Generationen später unter den Grafen von Kyburg von Grund auf modernisiert worden ist. So kann im Zuge der Grabungen der kyburgische Torturm erstmals archäologisch untersucht werden. Ursprünglich hätte dieser der neue Hauptzugang zur Burg werden sollen, er blieb aber unvollendet und wurde um 1300 bereits wieder zugemauert. Des Weiteren stiessen die Archäologen bei ihren Grabungen im Burghof auf eine gemauerte, sorgfältig ausgemörtelte Filterzisterne. Mit ihr wurde das Dachwasser gesammelt, um im Notfall die Wasserversorgung auf dem Burghügel sicherzustellen.

Bislang ist die Burganlage nur punktuell archäologisch erforscht worden. Spuren von Siedlungen stellte man zwar bereits 1973 fest. Doch über die Frühzeit der Anlage, über die Zeit vor 1200, ist kaum etwas bekannt. Erstmals schriftlich erwähnt worden ist die Burg, „in Burgundia, in castello Burgdorf“ 1210. (mai/mgt/sda)