Tiefencastel bekommt neues Steuerungssystem

Tiefencastel bekommt neues Steuerungssystem

Gefäss: 
Der Anlagenteil Ost des Wasserkraftwerks Tiefencastel muss saniert werden. Die baulichen Massnahmen machen dabei den geringsten Anteil aus.
 
Die Konzessionsdauer eines Wasserkraftwerks beträgt ungefähr 80 Jahre», erklärt Markus Trottmann. Dies ist jedoch nur in der Theorie der Fall. «Denn wie lange ein Kraftwerk wirklich läuft, hängt letztendlich von seiner Beanspruchung und Instandhaltung ab.» Trottmann, Projektleiter bei den Elektrizitätswerken der Stadt Zürich (ewz), zeichnet für die Sanierung des Kraftwerks Tiefencastel verantwortlich.Das sanierungsbedürftige Wasserkraftwerk, das den ewz gehört, ist zwar noch keine 80 Jahre alt; nach 40 Jahren Betrieb war eine Sanierung jedoch unumgänglich geworden. Gebaut wurde das Werk, das in der gleichnamigen Ortschaft Tiefencastel GR steht, in den Jahren 1942 und 1970. Es besteht aus den Anlageteilen Tiefencastel West und Tiefencastel Ost. «Aus dem Jahr 1942 stammt Tiefencastel West. Dieser Anlagenteil wurde bereits im Juni 2005 saniert. Damals ging es darum, die stark störungsanfälligen elektromechanischen Anlagenteile zu erneuern.» Des Weiteren wurden die veralteten Steuerungs-systeme durch elektronische Prozessleitsysteme ersetzt und die Maschinengeneratoren eins und zwei einer mechanischen Gesamtrevision unterzogen, sowie der Druckstollen und die Druckleitung saniert. Die Kosten für dieses Unterfangen betrugen zwölf Millionen Franken.
 
Heute gilt es, den Teil Ost aus dem Jahr 1970 zu sanieren. Hierfür hat der Zürcher Stadtrat 2008 rund zehn Millionen Franken bewilligt. Erneuert werden sollen die veraltete Generatorschaltanlage, die Maschinensteuerungssysteme und die mechanischen Teile der Maschinengeneratoren drei und vier. «Die umfassende Sanierung wurde nötig, weil der Anlagenteil Ost seit seiner Inbetriebnahme im elektromechanischen Bereich kaum Änderungen erfahren hat», so Trottmann. Mit der vorgesehen Sanierung werde die Anlage wieder auf den aktuellen Stand der Technik gebracht, sodass auch die Anforderungen an die Betriebssicherheit und an den Umweltschutz vollumfänglich erfüllt werden könnten.
 
Die grösste Herausforderung bei der Sanierung des Kraftwerks Tiefencastel Ost ist die Tatsache, dass ein Maschinengenerator stets verfügbar sein muss. Denn ansonsten müsste man bei der Produktion des Stromes grosse Abstriche machen. Aus diesem Grund arbeitet das Kraftwerk Tiefencastel während der Sanierung mit Provisorien. Die Sanierung soll bis 2010 abgeschlossen sein.

Minime bauliche Eingriffe

Bereits dem Ende zu neigt sich die Sanierung rund um den Maschinengenerator vier. Abgeschlossen sind die baulichen Massnahmen. Diese machen aber nur den kleinsten Teil der gesamten Sanierungsarbeiten aus. Denn bei dieser müssen vor allem das Elektrische und das Mechanische revidiert werden. Die baulichen Massnahmen betreffen eigentlich nur die Verlegung neuer Kabeltrassees, die Erneuerung der Sammelschiene und das Durchbrechen von Wänden, durch die die neuen Kabeltrassees und Sammelschienen führen werden. Trotzdem dauern die Arbeiten des Maschinengeneratoren vier noch bis September. «Denn bevor wir die Maschine wieder ans Netz zuschalten können, müssen wir gewährleisten, dass die neue Steuerung einwandfrei funktioniert», erklärt Trottmann.
 
Maschine drei läuft noch mit dem alten System. Sie wird erst saniert, wenn Maschine vier wieder am Netz verfügbar ist. Die baulichen Massnahmen für die Sanierung wurden aber schon vorher in die Wege geleitet. Sodass es mit der Sanierung des Elektrischen gleich losgehen kann, sobald die Maschine vier wieder am Netz ist.
 

HINTERGRUND

Die Schweiz kann im Bau von Wasserkraftwerken auf eine über hundert Jahre alte Tradition zurückblicken. Die ersten Kraftwerke der Schweiz wurden in den Jahren 1897 und 1903 mit dem Flusskraftwerk Rheinfelden AG und der Hochdruckanlage Campocologno GR gebaut. Die intensivste Bautätigkeit im Bereich Wasserkraftwerk erfolgte ab Mitte der 1950er- bis Ende der 1960er-Jahre. Ab den 1970er-Jahren nahm die Bautätigkeit ab, da zu dieser Zeit die Atomkraftwerke aufkamen. Mittlerweile besteht der Wasserkraftwerkspark der Schweiz aus 513 Zentralen (Kraftwerke mit einer Leistung von mindestens 300 Kilowatt), die zusammen jährlich insgesamt 34 900 Gigawattstunden produzieren.