Tapferes Schneiderlein

Tapferes Schneiderlein

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: Ben Kron
Stromversorgung, Hochwasserschutz und Freizeitspass: Das Kleinkraftwerk Ettisbühl in Malters LU schafft drei Aufgaben auf einen Streich, und das dank modernster Technik auch umweltschonend.
 
Seit 1649 wird das Wasser der Kleinen Emme in Malters zur Energiegewinnung genutzt. Mit dem Kleinkraftwerk Ettisbühl, das soeben seinen Testbetrieb aufgenommen hat, ­erreicht diese Nutzung eine neue Dimension. Die Turbine produziert jährlich 4,5 Millionen ­Kilowattstunden erneuerbarer Energie, was für 1000 Haushalte reicht. Die verschiedenen Anlagen schützen zusammen die flussabwärts gelegenen Gebiete vor Hochwasser. Malters profitiert zudem vom ­kleinen See, der aufgestaut wird: Dort entsteht eine Badegelegenheit. Ettisbühl erledigt damit, fast wie das tapfere Schneiderlein, drei Aufgaben mit einem Streich. Und das, ohne das Gewässer und seine Bewohner zu belasten.
 
Hochwasser zwang zum Handeln
 
Den Ausschlag für das Vorhaben in seiner jetzigen Form gab aber das Hochwasser, das Malters 2005 heimsuchte. «Der Kanton ergriff Sofortmassnahmen,» so Roland Marti von der ausführenden Steiner AG. Als Erstes wurde ein langer Flachdamm aufgeschüttet, um das Dorf vor den Fluten zu schützen. Als langfristige Massnahme, die auch dem flussabwärts liegenden Kanton Aargau zugute kommt, wurde der Bau der Holzrück­halteanlage beschlossen. Diese wird nun mit dem Kraftwerk zu einer Anlage kombiniert.
 
«Insgesamt haben wir mit der Schwemmholz­anlage also drei Wehrorgane zur Verfügung, mit der wir Wassermanagement betreiben können», erklärt Marti. «Damit erhöht sich auch die Sicherheit im Betrieb: Wenn eins der drei ausfällt, haben wir immer ein Backup.»
 
Nach rund 14 Monaten Bauzeit nähert sich das Kraftwerk seiner Fertigstellung: Der Schwellisee wurde Ende Januar ein erstes Mal zu Testzwecken aufgestaut. «Dabei zeigten sich noch ein paar undichte Stellen, auch in der Kraftwerkszentrale», räumt der 43-Jährige ein. «Aber diese Problematik ist bei solchen Bauwerken normal. Die Stellen wurden inzwischen nachgedichtet.» Inzwischen läuft der Testbetrieb der Anlage, und das gerade zur rechten Zeit: Ab März könnten  mit der ersten Schneeschmelze die Wassermassen kommen. (bk)
 

EnergieSchweiz

Eine «Plattform für eine intelligente Energie­politik» nannte Energieminister Moritz Leuenberger das 2001 lancierte Programm EnergieSchweiz, das von Bund, Kantonen, Gemeinden und privaten Partnern getragen wird. Es fördert erneuerbare Energien und unterstützt unter anderem den Bau und die ­Renovation von Kleinwasserkraftwerken. Diese haben per Definition eine Bruttoleistung von weniger als zehn Megawatt. Kleinstkraftwerke leisten bis 300 Kilowatt. Ein wichtiges Element der Förderung ist die kostendeckende Ein­speisevergütung (KEV) für Anlagen, deren ­Produktionskosten eine wirtschaftliche Energieerzeugung (noch) unmöglich machen.
 
In der Schweiz haben diese kleinen Anlagen eine lange Tradition. Anfang des 20. Jahrhunderts waren noch rund 7000 davon in Betrieb, 1985 gemäss einer Erhebung gerade noch 1000. Heute liefern diese Klein- und Kleinstwasserkraftwerke zusammen eine Leistung von 760 Megawatt und eine jährliche Produktion von 3400 Gigawattstunden, mehr als alle Photovoltaik- und Windenergieanlagen zusammen. Der Bund sieht deshalb ein grosses Potenzial in den Kraftwerkzwergen.