Standard für die ganze Branche

Standard für die ganze Branche

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Teaserbild-Quelle: Marcel Müller
Seit dem 1. September gelten neue Holzhandelsgebräuche. Das überarbeitete und erweiterte Regelwerk soll die Verständigung zwischen Forstwirtschaft, Holzverarbeitung und Endkunden erleichtern.
Marcel Müller
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Kriterien für die Sortierung von Rund-, Industrie- und Energieholz sind in den «Schweizer Handelsgebräuche für Rohholz» festgelegt.
 
Das neue Regelwerk ist aktueller, umfassender und genauer», sagt Werner Riegger, Geschäftsführer der Riegger GmbH und Mitverfasser der komplett überarbeiteten Holzhandelsgebräuche, die seit dem 1. September 2010 gelten. Bis dahin basierte der Handel mit Holz auf Grundlagen, die schon ziemlich in die Jahre gekommen waren: Die Gebräuche für Schnittholz und Nadelholz stammten noch aus dem Jahr 1983. «Einzelne Teile des Regelwerks wurden zwar in der Zwischenzeit aktualisiert, mittlerweile ist daraus jedoch ein kunterbunter Mix aus Empfehlungen entstanden», erklärt Hansruedi Streiff, Direktor Holzindustrie Schweiz. Die bestehenden Regeln seien den Bedürfnissen der Praxis nicht mehr gerecht geworden. Auch bei den Gebräuchen für Rundholz, die ihre letzte Überarbeitung im Jahr 2000 erfahren hatten, forderte die technische Entwicklung Anpassungen: Im Werk wird Rundholz immer öfter elektronisch eingemessen. Dieser Tatsache galt es Rechnung zu tragen.

Alle sollen vom Gleichen reden

Nun definieren zwei Publikationen neue, einheitliche Standards: Die «Schweizer Handelsgebräuche für Rohholz» legen Kriterien für die Messung und die Sortierung von Rund-, Industrie- und Energieholz fest. Im kaufmännischen Teil des Handbuchs sind Definitionen und Regelungen für den Handel zu finden, im Anhang Umrechnungstabellen und ein Glossar holzfachlicher Begriffe.
 
Die zweite Publikation, «Qualitätskriterien für Holz und Holzwerkstoffe im Bau und Ausbau», definiert Anforderungen an Bretter, Kanteln, Hobelwaren und Bauholz. «Das Manual bietet einen Überblick der aktuellen Holzwerkstoffe», sagt Ingenieur Christoph Fuhrmann, der als Projektleiter massgeblich für die neuen Gebräuche verantwortlich war. «Planer und Architekten haben damit eine eindeutige, objektive Grundlage für Ausschreibungen.» Neu werden Hobelwaren und Bauholz nämlich in drei Qualitätsstufen eingeteilt. Ausserdem sind die Abkürzungen für die Erscheinungsklassen aller Sortimente vereinheitlicht worden: Bei Brettern geben Zahlen die Qualität an, bei Hobelwaren und Bauholz die Buchstaben A für Auslesequalität, N für Normalqualität und I für Industriequalität. Durch diese Einstufung nach äusserlichen Merkmalen erhofft sich die Branche eine einfachere, klarere Verständigung mit Planern, Architekten und Bauherren. «Bei der Erscheinungsklassierung war es uns wichtig, messbare Kriterien festzulegen, um Streitfälle zu verhindern», so Fuhrmann.

Bei Ausschreibungen seien die Sägereien bis anhin oft mit ungenauen Anforderungen konfrontiert gewesen, sagt Markus Läderach, Geschäftsführer der Otto Läderach AG. Eine Qualitätsvorgabe wie «Fichte mit möglichst kleinen Ästen», wie sie bis anhin gang und gäbe war, zu deuten, sei schwierig: «Was sind ‹kleine Äste›?» fragt Läderach. Solche unklaren Vorgaben führten allzu oft zu roten Köpfen bei Auftraggebern und Anbietern, sagt Läderach. «Gerade bei öffentlichen Ausschreibungen gibt es schnell Probleme.» In der Praxis würden diese meist mit einem Vergleich aus der Welt geschafft. «Das ist nicht befriedigend.» Läderach hofft daher, dass die neuen Qualitätskriterien schon bald genutzt werden. «Mit diesem Handbuch wissen die Planer und Bauherren genau, was sie bekommen.»

Gesamte Holzkette war involviert

Dass eine Überarbeitung der Gebräuche nötig war, erkannte man schon vor Jahren. 2005 habe man damit begonnen, den Revisionsbedarf abzuklären, sagte Streiff. So fehlte seit Inkrafttreten der neuen Holzbaunorm SIA 265 im Jahr 2003 eine Erscheinungssortierung für Bauholz und Hobelwaren. Zudem hatten sich über die Jahre neue Produkte etabliert, für die es noch keine einheitlichen Festlegungen gab – etwa für verleimtes Vollholz und für Massivholzplatten. Das sei insbesondere für Architekten ein Problem gewesen, sagt Christoph Fuhrmann. Im Laufe der Vorarbeiten zur Revision wurde ausserdem beschlossen, den Geltungsbereich der Holzhandelsgebräuche auszuweiten: «Wir wollten, dass sie künftig auch Energie- und Industrieholz umfassen», erklärt Streiff.

Initiiert worden war die Revision von den Verbänden Holzindustrie Schweiz, Waldwirtschaft Schweiz und Holzbau Schweiz. «Über 50 Fachleute aus den Verbänden waren in das Projekt involviert», sagt Streiff. Damit sollte gewährleistet werden, dass die neuen Handelsgebräuche von der gesamten Holzkette akzeptiert werden. Hauptsponsor der Neufassung war das Bundesamt für Umwelt (Bafu), einen weiteren Teil der Kosten übernahm der Selbsthilfefonds der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft (SHF).

«Meilenstein für die Branche»

Mit der Überarbeitung der Holzhandelsgebräuche einher ging auch eine Angleichung an die Europäische Normen (EN). «Es gibt über 100 relevante EN-Normen, die in der Schweiz in den vergangenen Jahren eingeführt worden sind», sagt Fuhrmann. Diese sind bei der Neufassung berücksichtigt worden, ebenso aber die nationalen Besonderheiten in der Schweiz. Hansruedi Streiff sieht mit den beiden neuen Manualen einen Meilenstein erreicht: «Mit diesem Standard kann die ganze Branche arbeiten.» Mit der Einführung der neuen Holzhandelsgebräuche allein ist die Arbeit jedoch noch nicht getan: Die einzelnen Verbände der Holzkette müssen nun ihre Mitglieder schulen. Erst wenn die neuen Regeln auch tatsächlich in der Praxis angekommen sind, wird sich zeigen, wie gut sie sich bewähren. (mrm)
 

Referenzwerk: Die neuen Holzhandelsgebräuche

Die Publikationen «Schweizer Handelsgebräuche für Rohholz» und «Qualitätskriterien für Holz und Holzwerkstoffe im Bau und Ausbau» sind bei den Verbänden der Holzkette sowie bei der Lignum erhältlich.

Eine detaillierte Übersicht der Änderungen in den Holzhandelsgebräuchen ist auf der Website des Verbands Waldwirtschaft Schweiz zu finden.