Shopping total in einem Alpendorf

Shopping total in einem Alpendorf

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Das erste als Dorf gebaute Schweizer Factory Outlet Center eröffnet in der zweiten Oktoberhälfte in Landquart GR. Entlang einer 650 Meter langen Dorfstrasse präsentieren sich 100 Ladeneinheiten. Das Alpenrhein Outlet Village gehört zu den grössten Immobilienprojekten der Schweiz.
 
Entwirf ein typisches Schweizer Alpendorf, im traditionellen Stil und bis ins Detail, mit einem ganz besonderen Gefühl für den Besucher, einer Stimmung, die er nur in der Schweiz erleben kann.» So lautete der Auftrag von Robin Behar, Chairman von BVS Outlet Village, an den Architekten Pascal Hirlé vom Büro Architecture & Concept. Mitte Mai 2005 entdeckten die Verantwortlichen das 90 000 Quadratmeter grosse Grundstück zwischen dem Bahnhof Landquart und der Autobahn A13. Lage, Erschliessung und Umgebung waren perfekt für ein Outlet Village. Im Sommer 2007 erwarb die ING Real Estate als Investorin das Grundstück in der Landquarter Industriezone Tardis. ING Real Estate ist ein Tochterunternehmen einer weltweit operierenden Bank und zählt mit aktuell 250 Projekten zu den grössten Immobilienentwicklern Europas.
 
Wie Geschäftsführer Bernd Hasse anlässlich der Aufrichtefeier ausführte, besitzt das Unternehmen im Shopping-Bereich Erfahrung durch die Realisierung von mehr als 60 Zentren. Für das Projekt in Landquart wird der «international bewährte» Charakter eines Dorfes mit zwei wesentlichen Erfolgsfaktoren kombiniert: zum einen das beträchtliche Potenzial der umliegenden Tourismusregionen, zum anderen die verkehrstechnisch ausgezeichnete Lage mit einer optimalen Erreichbarkeit mit privaten und öffentlichen Verkehrsmitteln. Nach dem Landerwerb 2007 begannen im November gleichen Jahres die Erdarbeiten, im März 2008 erfolgte der Spatenstich. Im August 2008 nahm die mit dem Totalunternehmer-Mandat beauftragte HRS Real Estate AG die Bauarbeiten am rund 100 Gebäude umfassenden Outlet Village auf. Bis zur Aufrichtefeier im Mai 2009 entstand ein «Dorf» mit 100 Ladeneinheiten, fünf Restaurants, einem Kinderhort und -spielplatz sowie 1200 Parkplätzen. Bis zu 400 Bauarbeiter erbrachten in Spitzenzeiten monatliche Bauleistungen in der Höhe von acht Millionen Franken. Im Moment laufen die Ausbauarbeiten der einzelnen Läden auf Hochtouren. In der zweiten Oktoberhälfte 2009 wird das «Dorf» eröffnet. Bei einer geplanten Startauslastung von 60 Prozent werden im neuen Outlet Village 250 Arbeitsplätze geschaffen. 380 Stellen sollen es bei Vollauslastung sein.

Keine "Disney-Architektur"

[[Infobox]] Architekt Pascal Hirlé betonte anlässlich der Aufrichtefeier die architektonische «Mission» des Alpenrhein Outlet Village. «Unser Projekt ist der Region treu. Seine Baustile und die Architektur der Chalets mit den typischen Fensterrahmen, Balkonen, Arkaden, Ziegeldächern sowie authentischen Materialien und Farben sind von Graubünden inspiriert. Wir wollten auf keinen Fall ein Disneyland!» Die Fassaden der zwei parallel angeordneten Häuserreihen entlang der 650 Meter langen Dorfstrasse sind mit viel Holz gestaltet. Sieben verschiedene Fassadentypen beinhaltet das architektonische Konzept. Die sichtbaren Dachgeschosse mit Fenstern und Balkonen sind aber nur Attrappe, dahinter befindet sich meist ein nicht genutzter Hohlraum. Zusammen mit dem hohen Turm sind die Gebäude am Nordeingang das Schaufenster des behindertengerecht erstellten Outlet Village.
 
Die zentrale Dorfstrasse ermöglicht eine Entdeckungsreise von Laden zu Laden, unterbrochen wird die Strasse von Plätzen, Bepflanzungen, Verengungen und Verbreiterungen. Es war Aufgabe des Architekten, die zentrale Fussgängerstrasse so zu konzipieren, dass sich die Sichtlinien für den Besucher nicht über die ganze Länge verlieren.

1,2 Millionen Besucher im ersten Jahr erwartet

Das Interesse der Fussgänger soll vom einen bis zum anderen Ende wachgehalten werden. Die Anlieferung für die einzelnen Läden befindet sich auf den Gebäuderückseiten, die ebenfalls mit Fassaden ausgestattet sind. Am nördlichen und am südlichen Ende des Outlet Village stehen insgesamt 1200 Parkplätze zur Verfügung – auf der südlichen Seite in einem zweistöckigen Parkhaus. Für Besucher, die mit der Bahn anreisen, führen zwei unterirdische Passagen direkt vom Bahnhof Landquart in das neue Shoppingparadies.
 
1,2 Millionen Besucher erwarten die Betreiber im ersten Jahr. Mit einem Mix aus Schweizer und internationalen Marken werden ganzjährlich Preisreduktionen von 30 bis 70 Prozent angeboten. Über 14 Millionen Fahrzeuge passieren Landquart jährlich via Autobahn A13, über vier Millionen Personen benutzen den Bahnhof Landquart als Umsteigestation. Eine Stunde östlich von Zürich, im Herzen der Tourismusregion Graubünden, nahe zum Fürstentum Liechtenstein und auch der deutschen beziehungsweise österreichischen Grenze gelegen, zählen die Touristen zur Hauptzielgruppe des Alpenrhein Outlet Center.
 
Noch im Gespräch ist ein allfälliger Sonntagsverkauf. Doch nach Ansicht der Gewerkschaft Unia ist das Outlet Village weder eine Bahnhofanlage mit notwendigen Gütern des täglichen Bedarfs, noch liegt es in einem Tourismusgebiet. Sie sieht deshalb keinen Grund zur Erteilung einer Bewilligung für einen Sonntagsverkauf.
 

BETEILIGTE

Bauherrschaft
ING Real Estate Germany GmbH, Frankfurt a. M.
 
Betreiber
BVS Outlet Villages, Guernsey
 
Totalunternehmer
HRS Real Estate AG, Frauenfeld ArchitekturArchitecture & Concept, Schiltigheim