Raus aus der Bahn, rein ins Tram – und das ohne Kletteraktionen

Raus aus der Bahn, rein ins Tram – und das ohne Kletteraktionen

Gefäss: 
Nach Abschluss der Bauarbeiten an der Bahnstation Dornach-Arlesheim BL wird das Umsteigen für die Verkehrsteilnehmer in Zukunft leichter und schneller vonstattengehen. Eine Verbesserung der Attraktivität für Kunden und zeitgleich die Modernisierung der Infrastrukturen war das Hauptanliegen der Beteiligten.
 
Der Titel beschreibt keine Zukunftsvision, sondern bereits eine Tatsache: ein bequemer Wechsel der Verkehrsmittel, der vom selben Perron aus erfolgt und nur wenige Schritte benötigt – ohne Kletteraktionen, die nicht nur für alte Menschen kein Vergnügen und für Behinderte eine Zumutung sind. Damit dies möglich wird, braucht es noch etliche bauliche Massnahmen. Dafür bringen alle Beteiligten – Kantone, Gemeinden und Transportunternehmen – insgesamt über 32 Millionen Franken auf.
 
InfosZunächst wurden das Trassee und die Wendeschlaufe für die Tramlinie 10 verlegt; der Bereich der Wendeschlaufe wird gerade asphaltiert, da nach dem Umbau der Bahnhofstrasse der Individualverkehr über dieses Rondell fahren wird. Für die Umsteigeerleichterung und den Einsatz von längeren Zugskompositionen der Regio-S-Bahn mussten weiter der Perron der Baselland Transport AG (BLT) verlegt und der SBB-Perron von 170 auf 220 Meter verlängert werden – für den gemeinsame SBB-/BLT-Perron musste das BLT-Trassee zudem erhöht werden, was den Einbau einer Stützmauer nötig machte. Zudem ist ein Busbahnhof geplant, der das Umsteigen von der Bahn auf den Bus und umgekehrt erleichtern soll.

Zu kleine Wendeschlaufe

Zu kleine WendeschlaufeDie Schienen der alten Wendeschlaufe mit einem Radius von nur zwölf Metern mussten wegen der grossen Abnützung jedes Jahr aufgeschweisst und alle drei Jahre ausgewechselt werden. Der alte BLT-Perron befand sich im Bereich der alten Wendeschlaufe und konnte wegen des Überstreichens der Fahrzeuge nicht erhöht werden, womit die Ein- und Aussteigemöglichkeiten nicht benutzerfreundlich und schon gar nicht behindertengerecht waren.
 
Damit in Zukunft mit der Tramlinie 10 ein 7,5-Minutentakt realisiert werden kann, erfolgt ein Doppelspurausbau vom Bahnhof Dornach-Arlesheim bis über die Haltestelle Stollenrain hinaus. Dabei wechselt das BLT-Tram von den Gleisen im Schotterbett im Bereich der Strasse auf eine feste Fahrbahn (System Rheda City). Das Schienenprofil lagert auf einer elastischen Schienenfussummantelung und ist vollständig von Kammerfüllelementen umgeben, um die Erschüt-terungen zu mindern. Zwischen den beiden Schienen sind im Bereich der Wendeschlaufe insgesamt drei Schmieranlagen eingelassen.

Unterhaltsintensive Anlagen

«Diese Arbeiten finden im Rahmen einer allgemeinen Modernisierung statt, denn die Anlagen waren alt und daher unterhaltsintensiv geworden», sagt Ralf Wassmer von der Bau- und Umweltschutzdirektion des Kantons Basel-Landschaft. Er überwacht das Projekt «Vom Bahnhof zur modernen Verkehrsdrehscheibe». Dornach-Arlesheim ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt der Regio-S-Bahn Basel, von Tram- und Buslinien beziehungsweise eine wichtige Verkehrsdrehscheibe an der Juralinie von Basel nach Delémont, ergänzt Carola Wasmuth, Projektleiterin bei SBB-Projektmanagement Olten, die für das bahnseitige Projekt zuständig ist. Mit dem Umbau will man endlich die langen Umsteigewege zwischen Tram/Bus und Bahn beseitigen und kundenfreundlicher werden. Zudem müssen aufgrund des Behindertengleichstellungsgesetzes alle Perronanlagen auf das heutige gängige Niveau erhöht werden, weshalb die Transportunternehmen der Schiene zurzeit vielerorts Perronumbauten vornehmen.

Schnelles Umsteigen auf den Bus

Vom neuen Busterminal ist noch nichts zu sehen. Er soll wellenartig überdacht werden und besteht aus sechs Busperrons. Mit dem Bau des Busterminals erfolgt auch die Überdachung der Perrons, die Neugestaltung des Bahnhofvorplatzes und der Bahnhofstrasse. Später werden die SBB-Gleise 2 und 3 erneuert.
 
Um überhaupt eine neue Personenunterführung bauen zu können – die alte liegt zu weit entfernt, bleibt aber bestehen – musste man das Gleis 3 vorgängig um 70 Zentimeter zum Gleis 2 verschieben, da am Perron Gleis 3 der Platz für die Aufgangbauwerke, die Treppen und Rampen, fehlte. Die Personenunterführung wird zurzeit in einem normalen Bauverfahren erstellt. Nach dem Einbau von Hilfsbrücken konnten die vier Fertigelemente von vier Metern Breite und 2,20 Metern Länge eingebaut werden. Die lichte Höhe der Unterführung beträgt 2,5 Meter. «Der Bau fand und findet stets unter laufendem Betrieb statt», erklärt Wasmuth. Ein Meilenstein sei Mitte März dieses Jahres wegen der vielfältigen Abhängigkeiten im Bauablauf der Einbau der Hilfsbrücken zur Erstellung der Personenunterführung gewesen.

Arbeiten am Limit

Beim Bau der Stützmauer zur Höherlegung des Bahn-Trassees bereitete die Witterung Schwierigkeiten. «Aber wir liegen wieder in der Zeit», sagt Wassmer, «wir konnten den Bau beschleunigen und die Rückstände aufholen. Für den gesamten Trasseeneubau mussten wir den Betrieb nur einmal planmässig für zehn Tage unterbrechen. Während dieser Zeit übernahmen Busse den Personentransport.»
 
Man habe am oberen Limit gearbeitet, fuhr Wassmer fort. Während sich durchschnittlich 17 bis 20 Arbeiter auf der Baustelle aufhalten, waren es bei diesen Gleisbauarbeiten bis zu 30. «Wir arbeiten sehr personalintensiv, weil es sich bei 14 Monaten um eine äusserst kurze Bauzeit handelt. Die Arbeiten müssen auf engstem Raum unter Aufrechterhaltung des öffentlichen Verkehrs ausgeführt werden und die einzelnen Arbeiten sind voneinander sehr stark abhängig.»
 

BETEILIGTE und INFO

Bauherrschaft:
-Kanton Baselland, Bau- und Umweltschutzdirektion; Projektleitung Tiefbauamt
-Kanton Solothurn
-Gemeinde Arlesheim
-Gemeinde Dornach
-Baselland Transport AG (BLT)
-SBB
 
Planer:
-Gruner AG, Basel (Projektingenieur SBB und Tiefbauamt)
-Steuerwald & Scheiwiler, Basel (Architektur SBB)
-Otto + Partner, Liestal (Gestaltung Tiefbauamt)
-Geotechnisches Institut Basel (Geotechnik SBB und Tiefbauamt)
-Scherler AG, Bern (Elektroplaner SBB)
 
Unternehmer:
-Marti AG, Pratteln BL (Tiefbau SBB und Tiefbauamt)
-Fanger AG, Sachseln OW (Fertigelemente Personenunterführung SBB)
-Weber AG, Muttenz BL (Gleisbau BLT)
-Kummler & Matter AG, Zürich (Fahrleitung BLT)
 
Infos:
Der Bahnhof Dornach-Arlesheim ist ein Gemeinschaftsprojekt der beiden Kantone Solothurn und Baselland, der beiden Transportunternehmen SBB und BLT sowie der zwei Gemeinden Dornach und Arlesheim. Federführend sind die SBB und der Kanton Baselland.

Kosten:
32,3 Millionen Franken, inklusive Doppelspurausbau BLT (Baselland Transport AG), mit finanzieller Beteiligung des Bundes.
Dazu kommen sechs Millionen Franken, die die SBB in die Erneuerung der Publikumsanlagen, der Fahrbahn und der Fahrleitungen investieren.
 
Bauabschnitte:
-neue Personenunterführung
-Verlegung der Tramgleise, inklusive Wendeschlaufe, Doppelspurausbau
-Neuer, überdachter Busterminal
-Neuer Bahn- beziehungsweise BLT-Perron
-Erhöhung der SBB-Perronanlagen
-Neugestaltung des Bahnhofvorplatzes
 
Die Arbeiten begannen Anfang Oktober 2008, Inbetriebnahme voraussichtlich im Dezember 2009