Parade der gelben Schutzengel

Parade der gelben Schutzengel

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Teaserbild-Quelle: Michael Staub
Viel Schnee und Eis, wenig Zeit und trotzdem höchste Sicherheitsansprüche. Das sind die Bedingungen für den Winterdienst auf dem grössten Schweizer Flughafen in Zürich-Kloten. Damit die Pisten jederzeit geräumt werden können, steht eine rundum erneuerte Fahrzeugflotte im Einsatz.
 
Im Film «Airport», nach Arthur Haileys gleichnamigem Roman, kämpft ein Flughafenmanager inmitten eines Schneesturms verzweifelt dar, seine Pisten offen zu halten. Der Film stammt aus dem Jahr 1970 – aber falls man in Hollywood eine Neuverfilmung plant, kommt der Flughafen Zürich als Drehort nicht in Frage: Die im Lauf der letzten Jahre erneuerte Winterdienstflotte würde mit einem Blizzard kurzen Prozess machen.

Mit einem Defilee wurde der 70 Fahrzeuge umfassende Maschinenpark den Medien präsentiert – bei strahlendem Sommersonnenschein, da die Pflüge und Fräsen im Winter natürlich unabkömmlich wären. In der kalten Jahreszeit gilt es, die enorm grossen Pisten für Starts und Landungen freizuhalten: Allein die Piste 16, die längste auf dem Flughafen Unique, ist vier Kilometer lang und besitzt eine Fläche von über 220 000 Quadratmetern. Sie muss jeweils innerhalb von 25 Minuten geräumt werden. Hierfür fahren sieben Pflüge nebeneinander, einmal hin und zurück.
 

Ausfälle kosten Millionen

Diese Einsätze müssen reibungslos klappen, denn nur bei geräumten Pisten ist der Flugbetrieb möglich. «In über 60 Jahren mussten wir den Flugbetrieb noch nie winterbedingt einstellen», sagt Hanspeter Moll, Leiter Airfield Maintenance bei der Flughafen Zürich AG. Wie gross die finanziellen Folgen einer Schliessung wären, ist spätestens seit April 2010 klar. Als der isländische Vulkan Eyjafjallajökull ausbrach, blieb der europäische Luftraum fast eine Woche lang gesperrt. «Drei Tage ohne Flugbetrieb kosten uns rund sieben bis acht Millionen Franken», sagt Moll. Dazu kämen noch die Aufwendungen für die Passagierbetreuung, welche von den Fluggesellschaften getragen werden.

Die neue Fahrzeugflotte hilft deshalb Geld sparen, auch wenn sie erst einmal eine Investition bedeutet: Die Verantwortlichen haben nicht nur die drei Flächenenteisungsfahrzeuge und die beiden Grossschneeschleudern ersetzt, sondern auch die 16 gezogenen Kehrblasgeräte. Neu kommen «Jet Broom»-Fahrzeuge der Boschung AG zum Einsatz. Moll: «Die neuen Kehrblasgeräte sind selbstfahrend und wesentlich wendiger. Zudem sind sie breiter gebaut. Pro Räumzug benötigen wir deshalb nur noch sieben statt wie bisher acht Fahrzeuge.» (ms)
 

Mit der Kraft der Ameisen

Während das Auftausalz im Strassenwinterdienst gute Dienste leistet, ist es auf dem Flughafen tabu. «Das Salz würde Pisten und Rollwege in kurzer Zeit beschädigen», sagt Hanspeter Moll. Für die Flächenenteisung wird deshalb ein flüssiges Produkt auf der Basis von Ameisensäure eingesetzt, das gut abbaubar ist. Die Flugzeuge selbst werden mit einer alkoholhaltigen Lösung enteist, die mithilfe der sogenannten Elefanten – Lastwagen mit langen Teleskop-Arbeitsbühnen – versprüht wird. (ms)