Mobiles Schutzsystem in Ellikon aufgebaut

Mobiles Schutzsystem in Ellikon aufgebaut

Gefäss: 
Ellikon am Rhein ZH wird seit dem Frühling dieses Jahres von einem mobilen Dammbalkensystem vor Hochwasser geschützt. Die lokale Feuerwehr erledigte den Aufbau des Systems DPS 2000 in nur dreieinhalb Stunden.
 
Im Jahr 1999 stand Ellikon am Rhein ZH, ein malerisches Dorf am Rande des grössten Auengebiets der Schweiz, unter Wasser. Für das riesige Naturschutzgebiet ist Hochwasser ein Segen, für die örtliche Bevölkerung eine ernsthafte Bedrohung. Im Rahmen des Grossprojekts «Hochwasserschutz und Auenlandschaft Thurmündung» («baublatt» Nr. 30/08) der Baudirektion des Kantons Zürich galt es, diesen Zielkonflikt zu lösen.Basierend auf einem Auflageprojekt aus dem Jahr 2002 hat das Ingenieurbüro Bachmann Stegemann + Partner aus Andelfingen ZH im Jahr 2004 ein Ausführungsprojekt ausgearbeitet. Es galt, das Dorf Ellikon am Rhein vor einer Überflutung und vor aufsteigendem Grundwasser zu schützen. Als Projektziel wurde die Kote eines 100-jährigen Hochwassers inklusive 50 Zentimeter Freibord vorgegeben. Gleichzeitig galt es aber auch, dem denkmalgeschützten Ortsbild Rechnung zu tragen und die Anliegen des Natur- und Landschaftsschutzes zu berücksichtigen.
 
Um dies zu erreichen, sah das Projekt vor, die bestehenden Dämme ausserhalb des bebauten Gebietes leicht zu erhöhen und zu verbreitern und so vorzubereiten, dass darauf noch ein 100 Zentimeter hohes mobiles Hochwasserschutzsystem aufgebaut werden kann.
 
Innerhalb des Dorfes wurden Fundamente erstellt, die es ermöglichen, im Hochwasserfall ein Dammbalkensystem mit einer Höhe von bis zu 175 Zentimetern zu montieren. Um das hinter em Schutzsystem aufsteigende Grundwasser in Schach zu halten, wurden sieben grosse Grundwasserpumpschächte angeordnet. In diesen Pump-schächten können im Bedarfsfall mobile Elektro-Tauchpumpen eingesetzt werden. Ausserdem musste das Meteor-System, das im Normalfall in den Rhein entwässert, mit Schiebern und Pumpschächten versehen werden, sodass bei Hochwasser kein Rheinwasser zurück ins Dorf fliessen kann. Die Kosten für den Hochwasserschutz Ellikon am Rhein wurden insgesamt auf rund vier Millionen Franken veranschlagt.

Die baulichen Massnahmen

Mitte Juni 2008 erfolgte der Spatenstich für die Tiefbauarbeiten, die durch die ARGE Thur-Ellikon in den darauf folgenden zehn Monaten ausgeführt wurden. Aus Rücksicht auf die Bevölkerung und den Tourismus wurden im Sommerhalbjahr vorerst die Arbeiten ausserhalb des Dorfes ausgeführt. Diese bestanden hauptsächlich aus Dammschüttungen mit dem Einbau einer Dichtwand, dem Erstellen einer naturnahen Uferbefestigung, dem Verlegen von Sickerleitungen und dem Abteufen von Pumpschächten. Im darauf folgenden Winter wurden dann im Dorfkern die Fundamente für das Dammbalken-System, weitere Pumpschächte und die Stromversorgung für die Pumpen gebaut. Zeitgerecht und im prognostizierten Kostenrahmen konnten die Arbeiten im Frühjahr 2009 mit den erforderlichen Strassenbauarbeiten abgeschlossen werden.
 
Die Anforderungen an die mobilen Hochwasserschutzsysteme sind hoch: Die sichtbaren Eingriffe in das denkmalgeschützte Dorfbild sollen möglichst klein sein. Gleichzeitig muss das System maximalen Schutz vor den Kräften der Wassermassen und vor aufprallendem Schwemmholz bieten. Die Vorlaufzeit zwischen Alarmauslösung und Überflutung beträgt rund sieben Stunden. Der Hochwasserschutz muss also innerhalb kürzester Zeit von den lokalen Einsatzkräften aufgebaut und bei Rückgang der Pegelstände ebenso schnell wieder abgebaut werden können.
 
Für die Auswahl der beiden mobilen Schutzsysteme wurde in Zusammenarbeit mit der Kantonalen Feuerwehr Zürich ein Evaluationsverfahren mit den verschiedenen auf dem Markt angebotenen Systemen durchgeführt. Als Anforderungskriterien spielten nebst den oben aufgeführten Punkten auch die erforderliche Lagerkapazität und der Widerstand gegen Sabotage eine wichtige Rolle. Die Wahl fiel deshalb auf ein leichtes Bocksystem ausserhalb und auf ein Aluminium-Dammbalkensystem innerhalb des Dorfes.
 
Das mobile Dammbalkensystem DPS 2000 erfüllt die Anforderungen, die für Ellikon am Rhein gestellt wurden. Der Aufbau geschah einfach und schnell. Die Feuerwehr teilte sich in kleine Montageteams auf. Ein Team entfernte bei den einbetonierten Ankerplatten die Schutzschrauben. Das zweite Team stellte die Mittelstützen auf die Ankerplatte auf und verankerte diese mit lediglich drei Rollgewindestangen, die den integrierten Bestandteil der Mittelstütze bilden. Das dritte Montageteam schob die Dammbalken zwischen die Mittelpfosten ein. Das vierte Montageteam brachte Spannstangen an, um die hohlräumigen Dammbalken vor dem Auftrieb zu schützen. Die gesamte Hochwasserschutzwand besteht aus 89 Feldern und einer Fläche von insgesamt 372 Quadratmetern.
 
Die lokale Feuerwehr stellte das System innerhalb von 3,5 Stunden auf. Die sensationell kurze Montagezeit ist unter anderem den leichten Materialien zu verdanken. Bei einem Gewicht von sieben Kilogramm pro Laufmeter wog ein Dammbalken bei der verwendeten Feldbreite von 2,75 Metern lediglich 19,25 Kilogramm.
 
Jeder Dammbalken beinhaltet zwei getrennt funktionierende Dichtungen (siehe Grafik), diagonal voneinander versetzt. Selbst bei aufprallendem Schwemmholz ist die Dichtheit der mobilen Schutzwand gewährleistet.
 
Der Bodendammbalken ist mit einer speziellen, weichen Moosgummidichtung ausgerüstet, die Bodenunebenheiten aufnimmt und wirksam abdichtet. Die blaue Kennzeichnung der Bodendammbalken erleichtert die Logistik und den Aufbau des Systems. Eingelagert wird der gesamte mobile Hochwasserschutz im Feuerwehrdepot von Marthalen ZH auf speziell konstruierten, stapelbaren Paletten.