Mehr Platz für einen Fluss

Mehr Platz für einen Fluss

Gefäss: 
Über einen Zeitraum von 25 Jahren wird die Aare zwischen Bern und Thun gegen Hochwasser gesichert. Gleichzeitig werden Bausünden der Vergangenheit wieder rückgängig gemacht, um die Trinkwasserversorgung nicht zu gefährden.
 
Für einmal ist des einen Freud’ auch des andern Freud’ – während sich der Gemeindepräsident von Belp, Rudolf Neuenschwander, freut, dass in Zukunft der Berner Flughafen vor Hochwassern geschützt sein werde, begrüsst der Gemeinderat von Heimberg, Beat Schertenleib, dass die «monotone» und als Kanal schnurgerade verlaufende Aare als Naherholungsgebiet umgestaltet werden könne – trotz der Waldrodungen, die dafür vorgenommen werden müssten.«Die Hochwasser der letzten Jahre haben gezeigt, dass der Hochwasserschutz an der Aare zwischen Thun und Bern erhebliche Mängel aufweist. Solche Zustände möchten wir nicht nochmals erleben», sagte Neuenschwander an einer Medienorientierung anlässlich der Auflegung des Projekts. Dessen Hauptanliegen ist es, der Aare mehr Platz bei Überschwemmungen zu geben. Insgesamt werden mit dem Projekt «aarewasser» vier Ziele formuliert: Verbesserung des Hochwasserschutzes im Aaretal, Sicherung der Trinkwasserversorgung, Erhaltung und Aufwertung der Aare als Naherholungsraum durch eine spezielle Besucherinformation und -führung in den Naturschutz-Kerngebieten.
 
Zwischen Thun und Bern sind insgesamt 25 Massnahmen geplant. Einen grossen Teil machen Flussverbreiterungen und neue Seitenarme aus. Fehlendes Geschiebe (Kies) und hohe Abflussgeschwindigkeiten sorgen dafür, dass sich die Aare immer tiefer in ihr eigenes Bett eingräbt, im Mittel 0,5 bis einen Zentimeter pro Jahr. Wenn man nichts tue, so sind die Experten überzeugt, seien in einem Zeitraum von 120 Jahren Absenkungen von rund einem Meter zu erwarten. Mit dem Aarepegel sinkt der Grundwasserpegel, keine guten Aussichten für die mehreren Hunderttausend Menschen, die im Einzugsgebiet des Flusses leben und deren Trinkwasserversorgung von der Aare abhängt. Sichtbar ist dieser Prozess an den unterspülten Verbauungen, die sich laut Dokumentation «in einem desolaten Zustand» befinden. Mit den oben erwähnten Massnahmen könne verhindert werden, dass die Uferverbauungen weiter zerstört werden und der Grundwasserspiegel immer weiter sinkt. Zwar ändere sich nicht die Abflussmenge, sagt Regula Rytz, Direktorin für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün der Stadt Bern, sondern die Abflussdynamik: «Hochwasserspitzen werden gebrochen und die Abflussgeschwindigkeit wird verringert, was sich etwa in einer grösseren Vorwarnzeit für die flussabwärts gelegenen Gebiete bezahlt macht.» Je mehr Aufweitungen und Ableitungen gemacht werden könnten, desto grösser sei die Wirkung. Allerdings seien Orte für solche Aufweitungen eher rar. Das Geschiebe fehlt deshalb, weil die Kander, die früher viel Material in die Aare verfrachtete, im 18. Jahrhundert umgeleitet wurde. Im 19. Jahrhundert verschlimmerte die Aarekorrektion die Situation durch die Verengung und Begradigung ihres Flussbetts.
 
Im Auflageprojekt sind alle 25 geplanten Massnahmen detailliert ersichtlich. Das Projekt wird in mehreren Etappen realisiert, die sich über rund 25 Jahre erstrecken. Die Kosten werden auf 78 Millionen Franken geschätzt, dazu kommen etwa 30 Millionen für den Unterhalt und die Erneuerung der Ufer. Die Finanzierung erfolgt durch den Bund (Hochwasserschutz, Auen), die Gemeinden, den Renaturierungsfonds, den Kanton (Hochwasserschutzgesetz, See- und Flussufergesetz) und zum geringsten Teil durch Dritte. Diesen Kosten hält die Berner Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer die möglichen Ersparnisse bei Hochwasserschäden entgegen, vor allem was den Flughafen Bern-Belp und die A6 betrifft. 18 Gemeinden sind an dem Projekt beteiligt. Besondere Aufmerksamkeit wurde den Themen Grundwasser, Eigentums- und Nutzungsrechte, Trinkwasserversorgung und Natur geschenkt, da die Direktbetroffenen stärker in die Planung miteinbezogen werden wollten. Die Stadt Bern bezieht einen grossen Teil ihres Trinkwassers aus dem Aaretal. Wegen der fortschreitenden Sohlenerosion haben schon einige Gemeinden auf eigene Kosten Massnahmen gegen das Absinken des Grundwasserspiegels getroffen. n Gegenwart ZukunftWasserflächen: 160 ha 200 haWald (im Perimeter): 460 ha 410 haAuenflächen (heute Wald): 0 ha 40 haLandwirtschaftliche Nutzflächen: 24 ha 0 haEinzelne Massnahmen1. Verbreiterung und Längsvernetzung des Aarezuflusses Zulg (Heimberg, Steffisburg)2. Verbreiterung ARA-Brücke bis Bümberg (Heimberg, Uetendorf, Uttigen)3. Verbreiterung Schützenfahrbrücke (Belp)4. Ausleitung Chlihöchstettenau (Rubigen)5. Verbreiterung Elfenau (Bern, Muri)Die Hochwasserschutzmassnahmen an der Gürbe bei Kehrsatz BE sind beendet. Die neue Gürbe bietet besseren Schutz vor Hochwasser und neuen Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen. Zum Abschluss der Bauarbeiten hat Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer Anfang November 30 Jungfische in den neu gestalteten Fluss ausgesetzt. Beim Hochwasser vom Sommer 2007 hatte die Gürbe weite Teile des Belpmooses überschwemmt. Deshalb nahm der Kanton Bern zusammen mit dem Wasserbauverband untere Gürbe und Müsche im vergangenen Jahr Massnahmen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes in Angriff. Ziel war es, die Abflusskapazität der Gürbe zu erhöhen und das Gewässer ökologisch aufzuwerten.Die Gürbe war bis 2008 ein Kanal, durch den das Wasser auf direktem Weg durch das Belpmoos zur Aare floss. Die Hochwasserschutzmassnahmen haben wieder mehr Leben in den Flusslauf gebracht: Das verbreiterte Flussbett ist vielfältig strukturiert und lässt dem Fluss Raum. Kiesbänke und seichte Stellen bieten Pflanzen und Tieren neue Lebensräume. Die Gürbe ist dadurch auch für Naherholungssuchende attraktiver geworden.Für die Realisierung der Massnahmen war mit Gesamtkosten von neun Millionen Franken gerechnet worden. Die Arbeiten können nun günstiger abgerechnet werden. Den grössten Teil der Kosten übernehmen der Bund und der Kanton. Noch ist das Belpmoos nicht ganz vor Hochwasser geschützt: Die Hochwasser der Gürbe gehören zwar der Vergangenheit an, von der Aare her kann das Gebiet jedoch immer noch überflutet werden. Definitiv sicher vor Hochwasser wird das Belpmoos erst nach der Realisierung des Jahrhundertprojekts «aarewasser».(pd)XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXXX