«Man wird überhäuft mit Informationen»

«Man wird überhäuft mit Informationen»

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Teaserbild-Quelle: Bild: Thomas Kümin
Alain Capt leitet als Gesamtprojektleiter seit Januar 2009 den Bau des Prime Tower. Sein Arbeitstag besteht zum grössten Teil aus Sitzungen, wobei er als «Scharnier» zwischen Bauherrschaft und Projektleitung fungiert.
 
Bild: Thomas Kümin
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Bild: Thomas Kümin
Alain Capt
 
Sie sind Gesamtprojektleiter bei der Arbeitsgemeinschaft Prime Tower und stehen einem 20-köpfigen Team vor. Was sind Ihre wichtigsten Aufgaben?
Alain Capt: Mehrheitlich nehme ich Management-Aufgaben wahr. Das Team muss so geführt werden, dass der Prime Tower und die zwei Annexbauten zum richtigen Zeitpunkt, mit der vorgeschriebenen Qualität, zu den vereinbarten Kosten und ohne Unfälle realisiert werden können. Meine Aufgabe im Team ist nebst der Führung der Kontakt zum Kunden, ich bin der Ansprechpartner innerhalb der Arge. Auf der anderen Seite muss ich Entscheide aus der Arge-Leitung dem Team mitteilen und dafür sorgen, dass diese umgesetzt werden.
 
Blieb die Baustelle bisher vor Unfällen verschont?
Gott sei Dank blieben wir bisher vor schwerwiegenden Unfällen verschont. Das ist nicht selbstverständlich. Jede Baustelle bietet ein relativ hohes Gefahrenpotenzial, auf diesem komplexen Platz ist die Gefahr sogar noch erhöht. Darum beschäftigen wir vollzeitlich einen Sicherheitsbeauftragten. Er hat die Aufgabe, alle Sicherheitsbeauftragten der Subunternehmer zu führen und so für eine sichere Baustelle zu sorgen.
 
Wie sieht ihr typischer Arbeitstag aus?
Der fängt am Morgen um 7.30 Uhr an und hört am Abend zwischen 20 und 21 Uhr auf, also ein relativ hohes Pensum. Der Tag ist belegt mit vielen Sitzungen, die den grössten Teil der Zeit in Anspruch nehmen. Viele der Sitzungen finden mit der Bauherrschaft und dem Team statt. Einen Teil des Tages nutze ich zur Bearbeitung der Mailbox. Man wird überhäuft mit Informationen, die sortiert und mit angemessenem zeitlichen Aufwand bearbeitet werden müssen. Nicht zuletzt verlangen immer wieder spezielle Probleme auf der Baustelle meine Aufmerksamkeit. Deren Lösung kann Match-entscheidend sein.
 
Zum Beispiel?
Terminliche und kostenrelevante Probleme. Auch der Kontakt zur «Aussenwelt» ist wichtig, speziell zu den Medien.
Befällt Sie keine Höhenangst, wenn Sie an einer Dachkante stehen und in die Tiefe schauen?
Nein, damit habe ich keine Mühe. Aber mich faszinieren die Fassadenbauer, die auch auf 126 Meter über Boden ohne mit der Wimper zu zucken am Abgrund arbeiten und in Windeseile die Alu-Glas Elemente montieren.
 
Beim Prime Tower handelt es sich um Ihre erste Turmbaustelle. Welche Projekte haben Sie bisher betreut?
Seit 13 Jahren bin ich beim Totalunternehmer Losinger tätig. Während drei Jahren leitete ich das Totalunternehmerprojekt Sanierung Abwasserreinigungsanlage Bern. Danach war ich während fünf Jahren Leiter des technischen Büros von Losinger in der Schweiz. Zusammen mit 90 Mitarbeitern befasste ich mich dort mit TU-Offerten und Projektoptimierung. Seit zwei Jahren bin ich wieder operativ in der Ausführung in Zürich tätig. Anfangs mit dem Projekt City West, seit Januar 2009 auf der Prime-Tower-Baustelle. Der Wechsel geschah unerwartet, nachdem der bisherige Gesamtprojektleiter unerwartet verstorben war. Ich durfte ein faszinierendes Projekt übernehmen.
 
Was fasziniert Sie an diesem Turm?
Abgesehen von der Tatsache, dass das höchste Gebäude der Schweiz entstanden ist, kann diese Frage mit einigen Kennzahlen beantwortet werden: Der 80 000 Tonnen schwere Turm ruht auf einer 2,2 Meter dicken Betonplatte, die wiederum auf 79 Pfählen abgestellt ist. Jeder Pfahl ist ein Meter dick und steckt 15 bis 35 Meter im Boden. Beim Aushub wurden 40 000 Kubikmeter weggeschafft. Der 126 Meter hohen Bau mit 36 Stockwerken besteht aus 34 000 Tonnen Beton und 6000 Tonnen Armierungsstahl. Die Alu-Glas-Fassade verfügt über 20 500 Quadratmeter Aussenfläche und 4400 vorfabrizierte Fensterelemente.
 
Der Bau ist schon weit fortgeschritten. Kann Sie da noch etwas aus der Ruhe bringen?
Sagen wir so: Schlaflose Nächte habe ich keine. Aber die Baustelle ist anspruchsvoll, speziell terminlich, doch das macht das Projekt interessant. (Interview: Thomas Kümin)