Lücke für historischen Wanderweg geschlossen

Lücke für historischen Wanderweg geschlossen

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Teaserbild-Quelle: Sylvia Senz.
Mit der Sanierung der alten Starlerabrücke wurde für die historische und internationale Wanderroute «Via alpina» ein wichtiges Ziel erreicht. Denn diese Brücke schliesst eine Lücke auf der historischen Route durch das Aversertal GR.
 
 
Zwischen 1890 und 1895 wurde erstmals eine Fahrstrasse ins Bündner Aversertal gebaut. Sie zweigte von der italienischen Strasse in der Rofflaschlucht oberhalb von Andeer ab. Bis zu diesem Zeitpunkt war das Tal nur mit Saumpfaden oder Fusswegen erschlossen. Die Wege führten durch verschiedene Schluchten über Ausser- und Innerferrera nach Avers Cresta, von Bivio her über den Stallerberg, vom Septimerpass her über Valetta oder Forcellina, von Soglio her über den Pass da la Prasgnola oder von Chiavenna her über die Bocchetta da Lägh ins Aversertal. Alle diese Weganlagen waren eng, teilweise mit Steintreppen versehen, äusserst beschwerlich und zu gewissen Jahreszeiten überhaupt nicht passierbar, da teilweise Höhen von über 2600 Metern überwunden werden mussten.

Alte Strassen werden verdrängt

Die Eröffnung der ersten Fahrstrasse war, obwohl diese auch Steigungen von 20 Prozent aufwies, ein grosses Ereignis für die Bewohner der Gemeinde Avers. Der Bau der Strasse war mit Schwierigkeiten verbunden. So musste zwischen der Rofflaschlucht und Avers Cresta fünf Mal die Talseite gewechselt werden. Dazu kamen weitere neun Brücken über verschiedene Seitenbäche und zwei Lehnenbrücken. Nahe der italienischen Grenze wurde ebenfalls eine Lehnenkonstruktion gebaut. Weil sich diese gegenüber dem Starlerabach befindet, wird sie Starlera-brücke genannt. Von den insgesamt 16 Brücken sind elf immer noch begehbar und zum Teil sogar noch befahrbar. Diejenige von Campsut wurde im Rahmen des Kraftwerkbaus um 1960 verbreitert. Sie wird in diesem Jahr im Auftrag des kantonalen Tiefbauamtes saniert und verstärkt. Der Bau der Kraftwerke erforderte, dass die Strasse von 1895 auf grossen Teilstrecken verbreitert und gestreckt werden musste. Beim Bau der neuen Verbindungsstrasse wurden verschiedene Teile der alten Strasse überdeckt oder abgeschnitten, sodass sie nicht mehr sichtbar waren oder dem Zerfall preisgegeben wurden. Der Nutzwert der «modernen» Strasse wurde damals höher eingestuft als der historische und technische Wert der naturnahen Baukunst.

Wiederherstellung verzögerte sich

Im April 2000 wurde der Verein «alte Averser-strasse» (siehe «Hintergrund») gegründet, der sich zum Ziel setzt, die Strasse mit ihren vielen Kunstbauten aus Natursteinen als bedeutendes Werk der italienischen Baukunst zu sichern und für die künftigen Generationen zu erhalten. Seit der Vereinsgründung konnten sukzessive verschiedene Wegstrecken wieder geöffnet, mit Wanderwegverbindungen ergänzt und viele der beschädigten Kunstbauten repariert werden. Die Wiederherstellung der Starlerabrücke als letzte wichtige Lücke verzögerte sich jedoch, weil einerseits vorgängig die Reparatur der Zufahrten erforderlich war und anderseits die früheren Konstruktionen schon mehrmals Steinschlägen zum Opfer fielen. Verkrümmte Stahlträger im Flussbett des Averser-Rheins zeugten von der Wucht der früheren Felsstürze. Bevor sich der Verein an die Wiederherstellung der Brücke wagte, wurde ein geologisches Gutachten erstellt, um das Risiko allfälliger weiterer Felsabbrüche abschätzen zu können. In der Folge wurden grössere, lose Felsmassen weggesprengt und labile Partien mit Felsankern gesichert. Als weitere Massnahme zur Risikoverminderung wurde die Brücke talwärts etwas verschoben, damit kleinere Steinschläge schadlos unten durch passieren können.
 

HinTERGRUND

 
Seit dem Jahr 2000 bemüht sich der Verein alte Averserstrasse (aASt) um die Instandstellung des schützenswerten Kulturgutes und seine Umgestaltung zum durchgehenden Wanderweg – als Teil der internationalen Wanderroute «Via alpina». So konnte Mitte Juli die alte Starlerabrücke saniert werden.
 
Zuerst musste der Fels gesichert, loses Felsmaterial weggesprengt, eine alte Verbauung mit Felsankern verstärkt werden. Dann waren die durch einen Felssturz weggeschlagenen Brückenpfeiler neu aufzubauen, und schliesslich wurde eine Holzkonstruktion darüber montiert. Mit der Starlerabrücke konnte eine Lücke auf der historischen Route durchs Aversertal geschlossen werden. Bis auf wenige Detailarbeiten ist damit die erste Etappe zur Instandstellung der alten Averserstrasse abgeschlossen. Neben dem Bundesamt für Strassen und dem Kanton Graubünden hat der Fonds Landschaft Schweiz (FLS) mit insgesamt 380 000 Franken den grössten finanziellen Beitrag zum Gelingen des Projekts geleistet. Die zweite Bauetappe kann erst eingeleitet werden, sobald genügend Spendengelder zusammen gekommen ist.