Landschafts- und Gartenarchitektur: Frauen auf Floras Spuren

Landschafts- und Gartenarchitektur: Frauen auf Floras Spuren

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Teaserbild-Quelle: Marie-Lan Nguyen, Wikimedia, CC
Frauen auf Floras Spuren

„In jeder Gärtnerin und Landschaftsarchitektin steckt eine Flora – die römische Göttin der Blumen“, heisst in der jüngsten Ausgabe der „Topiaria Helvetica“. Die alljährlich erscheinende Publikation der Schweizerischen Gesellschaft für Gartenbaukultur ist heuer Frauen und Gärten gewidmet. Sie erzählt von spannenden Lebensläufen und einer legendären Ausstellung.

Flora
Quelle: 
Marie-Lan Nguqyen, Wikimedia, CC

Flora oder der Frühling, römisches Fresko, ca. 4. Jahrh. v. Chr.

Dass Marie-Louise Gothein (1863-1931) lieber ein Junge gewesen wäre, liegt daran dass der Tochter eines ostpreussischen Amtsrichters eine universitäre Ausbildung verwehrt war. Ihr stand lediglich der Lehrinnenberuf oder das Dasein als Hausfrau offen. Weil sie dies nicht hinnehmen wollte, bildete sich Gothein im Selbststudium zur Kunsthistorikerin aus, aber auch mittels Exkursionen nach China, Japan und Java. Ihr Spezialgebiet waren Gärten. Sie verfasste zudem eine zweibändige Geschichte der Gartenbaukunst, die bis heute als Standardwerk gilt. Gotheins Leben und Werk machen den Anfang der aktuellen „Topiaria Helvetica“, der alljährlich erscheinenden Publikation der Schweizerischen Gesellschaft für Gartenbaukultur: Heuer steht das Thema  „Floras Schwestern – Gärten und Frauen“ im Zentrum.

„Während Männer gerne als Konstrukteure und Erfinder in Erscheinung treten, widmen sich Frauen verborgenen Refugien im Hintergrund, hegen, pflegen und schützen – so scheint es“, heisst es dazu im Vorwort. Die Autorinnen haben genauer hingeschaut und festgestellt, dass es auch gegenteilige Geschichten zu erzählen gibt. Dies gilt etwa für die Schweizer Ausstellung für Frauenarbeit (Saffa), die vor genau 60 Jahren am linken Zürichseeufer stattgefunden und damit den Anlass für den jüngsten Band geliefert hat. An der Schau wirkten Architektinnen, Ingenieurinnen, Gartenarchitektinnen, Künstlerinnen und zahlreiche andere Berufsfrauen mit. Vom 10‘000 Quadratmeter grossen Ausstellungsgelände zeugt heute das Saffa-Inselchen: ein kleines künstliches Eiland, das über eine Brücke mit dem Festland verbunden ist. Es erfreut Spaziergänger das ganze Jahr über und im Sommer besonders Sonnenanbeter und Badenixen.

Neben dem Schaffen der Zürcher Landschaftsarchitektin Verena Dubach (1926-2002), das in den Kontext mit der Schweizer Landschaftsarchitektur des 20. Jahrhunderts gestellt wird, blickt der Band über die Grenze. Im Kapitel „Grün im Fluss“ geht es um die Landschaftsarchitektinnen der Nachkriegszeit, um die Britinnen Sylvia Crowe und Maria Theresa Parpagaglio sowie um die Deutsche Herta Hammerbacher. Ein separates Kapitel ist Helene Wolf (1899-1975) vorbehalten: Die Wiener Gartenarchitektin hatte ein eigenes Gartenbauunternehmen zu welchem ein Entwurfsbüro gehörte; aus dessen Feder stammen etwas die Aussenanlagen des jüdischen Friedhofs am Wiener Zentralfriedhof.

Floras Schwestern – Gärten und Frauen, Topiaria Helvetica Band 2018, 80 Seiten, broschiert, ISBN 978-3-7281-3879-8, 42 Franken
Bestellbar bei https://vdf.ch

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