Kluge Hölzer schützen sich

Kluge Hölzer schützen sich

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Teaserbild-Quelle: Sonja Müller
Seit Jahrhunderten wird Holz im Aussenraum verwendet, ganze Städte wie Venedig oder Amsterdam stehen auf Holzpfählen. Holz ist zeitlos und gestalterisch sowie konstruktiv vielfältig verwendbar. Seine Lebensdauer hängt nicht nur von der Baumart ab, sondern auch von den geeigneten Schutzmassnahmen. Vier Beispiele illustrieren, was dabei zu beachten ist.
 
 
In der Landschaftsarchitektur ist Holz beliebt, weil es sich präzise verarbeiten lässt, formbar und gestaltbar ist. Es kann leicht oder schwer sein, hell oder dunkel, hat verschiedene Texturen und Farben und lässt sich mit anderen Werkstoffen kombinieren. Der Klang und das leichte Nachgeben des Holzes beim Überqueren eines Holzsteges, die Textur und Farbe des Holzes, die sich in die Landschaft einpassen, und seine angenehm warme Oberfläche sprechen die Sinne an und schaffen eine besondere Atmosphäre. Die Verwitterung von Holz ist ein Ausdruck der Entwicklungsdynamik und kann im landschaftlichen Kontext gezielt als gestalterisches Mittel eingesetzt werden.
 
Welche heimischen Hölzer sich gut für den Einsatz im Aussenbereich eignen und welche Schutzmassnahmen erforderlich sind, soll im Folgenden anhand von vier Projekten des Landschaftsarchitekturbüros Schoch aus Thalwil gezeigt werden.
 
Gut im Freien zu verwenden sind die Nadelhölzer Lärche und Fichte sowie die Laubbäume Eiche und Robinie. Im Aussenraum sind sie allerdings zahlreichen zusammenwirkenden Beanspruchungen ausgesetzt. Pilze, Insekten, Sonneneinstrahlung, Temperaturwechsel, Wind, Regen, Spritzwasser sowie Erd- und Luftfeuchte können die Holzsubstanz schädigen oder zerstören. Auch die Reaktion mit Metallen und Chemikalien kann sich negativ auswirken. Deshalb sind genaue Kenntnisse über die Eigenschaften der verschiedenen Holzarten nötig, um Holz im Aussenraum richtig einzusetzen.

Feuchte und Nässe sind die grössten Feinde des Holzes. Sie lassen es faulen, machen es anfällig für Pilze und verursachen Risse, durch die Insekten ins Holz gelangen können. Durch vorbeugende bauliche oder chemische Holzschutzmassnahmen können die Eigenschaften von Holz erhalten und die Lebensdauer im Aussenraum erhöht werden, wobei der bauliche Holzschutz der Chemie vorzuziehen ist.

Bei wenig dauerhaften Hölzern ist es sinnvoll, als Schnee- und Spritzwasserschutz ausreichende Abstände der Holzbauteile zu den angrenzenden Flächen zu lassen. Bei der Spielburg beim Schulhaus Schwandel in Thalwil (Beispiel 1) wurden dazu an das untere Ende der Holzpfosten des Spielturms Metallkonsolen angebracht. Die Metallfüsse verhindern den Kontakt mit dem Erdreich und das Aufsteigen von Nässe.
 

Eine Frage des Metalls

Jegliches Metall, das in Verbindung mit Holz im Aussenbereich verwendet wird, muss korrosionsbeständig sein. Am besten eignen sich Verbindungsmittel aus nicht rostenden Legierungen. Unverzinkte Nägel und Schrauben sollten überhaupt nicht, verzinkte nur für verdeckte Befestigungen verwendet werden, da bei einer Verletzung der Zinkschicht Korrosion und damit eine Verfärbung des Holzes nahezu unvermeidbar ist.

Gegen das Einwirken von Nässe von oben können die Stirnholzflächen durch Abdecken, Fasen oder Abschrägen geschützt werden. Am Spielturm wurden dazu Kunststoffkappen an den Endhölzern angebracht. An den restlichen Bauteilen ist schnelles Abführen des Wassers durch Gefälleausbildung in Faserrichtung sowie die Ausbildung von Tropfkanten an der Bauteilunterseite sinnvoll.
 

Wasser darf nicht stehen

Stehendes Wasser und Wasserspeichermöglichkeiten in Ecken, Nuten und Stössen sind generell zu vermeiden. Am Steg in Thalwil (Beispiel 2) wurde dazu die Auflagefläche des Lärchenrostes durch ein quer zum Rost liegendes Stahlprofil klein gehalten.

Bis auf vier Auflagepunkte schwebt der Steg in der Luft und die Umlüftung des Bauteils ist gewährleistet. Zudem ermöglicht ein Hohlraum von wenigen Millimetern zwischen den einzelnen Latten ein problemloses Abfliessen des Regenwassers. Stehendes Wasser wird einerseits durch das Gefälle des Steges vermieden, andererseits liegen die Hölzer mit der zum Kern zeigenden rechten Seite nach oben, damit Wasser aus den zum Kern zeigenden Rissen läuft und die Oberseite buckelt.

Eine schnelle Trocknung wird durch möglichst kleine Materialquerschnitte begünstigt und die Auswirkungen des Schwindens und Quellens sind nicht so gross. Weil die Robinie ein geringes Schwindmass hat, kann sie auch in ganzen Stämmen im Aussenbereich verwendet werden, wie etwa auf dem Spielplatz des Gemeinschaftszentrums Loogarten in Zürich Altstetten (Beispiel 3).
 

Holzqualität ist entscheidend

Ein nicht zu vernachlässigender Faktor ist die Holzqualität. Generell sollte im bewitterten Bereich nur Kernholz verwendet werden, da Splintholz weniger dauerhaft ist.

Beim Steg in Thalwil wurde darauf geachtet, dass kein Holz mit Harzgallen, mit Harz gefüllten Hohlräumen im Holz, verwendet wurde. Der «Kaugummi-Effekt» unter den Schuhen oder an den Hosen kann so verhindert werden. Gerade auf Böden, die auch barfuss begangen werden, sollen Riss- und Schieferbildung möglichst minimiert werden.

Bei unbehandeltem Holz ist das nur durch konstruktive Massnahmen und regelmässige Pflege zu erreichen. Die Verlegung der Bretter mit der kernabgewandten («linken») Brettseite nach oben und/oder durch die Verwendung von Rift- und Halbriftbrettern anstelle von Brettern mit liegenden Jahrringen sind Möglichkeiten. Bei leichten Ausfransungen an den Enden oder Kanten können diese mit der Reissbürste oder Schleifpapier entfernt werden. Ein weiteres Qualitätsmerkmal von Holz ist seine Feuchtigkeit. Holz soll grundsätzlich mit einem Feuchtgehalt von 12 bis 18 Prozent bearbeitet werden. Damit kann die nachträgliche Schwindung und die Bildung von Rissen und Verwerfungen minimiert werden.

Eine alternative Methode, um Risse zu vermeiden, wurde bei der Spielburg in Thalwil angewendet: Das Fichtenholz wurde vom Kern getrennt, was beim Schwind- und Quellverhalten den Einfluss auf die Festigkeit und Spaltenbildung verringert. Werden diese elementaren Holzbauregeln eingehalten, ist nach heutigen Erkenntnissen bei Gebäuden kein vorbeugender Holzschutz nötig. An frei bewitterten Konstruktionen ist jedoch eine Imprägnierung sinnvoll, wenn das Holz wenig dauerhaft ist. Hat das Holz Bodenkontakt oder ist es Wechselfeuchte ausgesetzt, so ist die Druckimprägnierung nach wie vor eine der probatesten Schutzmethoden.
 

Ungiftiger Schutz vor Nässe

Beim Schulhaus Schwandel beispielsweise wurden kesseldruckimprägnierte Fichtenhölzer eingesetzt. Viele vorfabrizierte Holz-Spielgeräte werden druckimprägniert angeboten. Das Angebot an Ausführungen in unbehandeltem Holz ist um einiges kleiner und zudem teurer. Die Druckimprägnierung schützt das Holz im Freien vor der allgegenwärtigen Nässe, ohne dass die natürliche Holzästhetik verloren geht. Die Salze, die das Holz nach der Imprägnierung vor Verwitterung schützen, sind darin fest gebunden und praktisch nicht auslaugbar. Dank den heute bestehenden gesetzlichen Bestimmungen ist dieses Verfahren umweltschonender als früher und das Holz ist auch nach der Behandlung giftklassefrei und kann somit in der Kehrichtverbrennungsanlage entsorgt werden. Generell ist es empfehlenswert, für vorbeugende und bekämpfende Schutzmassnahmen einen Fachmann beizuziehen.

Ohne chemischen Holzschutz kommen Robinien- und Eichenholz aus. Sie sind extrem resistent und dauerhaft. Diese Eigenschaften und die Tatsache, dass diese Hölzer direkt in den Boden versetzt werden können, macht sie zu guten Alternativen gegenüber aufwendigen Ortbetonmauern, teuren Natursteinmauern und vorgefertigten Betonmauerelementen. Gerade wo Kinder spielen oder fallen können, ist Holz viel besser geeignet als harte Beton- oder Steinoberflächen. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) hält in ihren Richtlinien fest, dass harte, scharfkantige Einfassungen wie Stellsteine nicht optimal für die Verwendung auf Kinderspielplätzen sind und zu unnötigen Verletzungen führen.

In der Krippe Chinderparadies in Thalwil (Beispiel 4) wurde einerseits der Sandkastenbereich mit Robinienrundhölzern eingefasst und andererseits die steile Böschung terrassiert und bespielbar gemacht. Weil Spielen eine Sinneserfahrung ist, ist die Materialwahl bei Spielgeräten sehr wichtig. Holz ist warm zum Anfassen und bietet mehr Lernanreize als Metall oder Kunststoffe.

Das Spektrum der Verwendungsmöglichkeiten von Holz ist gross. Holz riecht gut, fühlt sich gut an und ist optisch ansprechend. Es ist CO2-neutral und somit eines der umweltfreundlichsten Materialien, die uns zur Verfügung stehen. Es kann am Ende seiner Nutzungsdauer leicht wiederverwertet respektive entsorgt werden. Ob im Garten, in der Landschaft oder im städtischen Kontext: Holz ist ein geeignetes Material, um private und öffentliche Freiräume zu gestalten. Die Tatsache, dass Holz im Aussenbereich verwittert und nicht ewig haltbar ist, sollte als Chance verstanden werden, wieder Neues zu gestalten und sich neuen Gegebenheiten anzupassen. (Sonja Müller)

Sonja Müller ist Landschaftsarchitektin bei der Firma Schoch Landschaftsarchitektur in Thalwil (ZH).